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Praxisnachrichten

Richtlinie zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen konkretisiert

14.01.2021 - Vor Einführung der Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen als Kassenleistung hat der Gemeinsame Bundesausschuss die noch nicht in Kraft getretene Richtlinie geändert. Hintergrund sind Hinweise von beteiligten Ärzten, die eine Anpassung erforderlich machten.

Mit der Kryokonservierung soll Versicherten die Erfüllung eines Kinderwunsches nach einer keimzellschädigenden Therapie ermöglicht werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte dazu im Juli vorigen Jahres Näheres in der Richtlinie festgelegt, die er nun durch einen Beschluss im Dezember angepasst hat.

Danach wurden unter anderem die Leistungen bei der Behandlung von männlichen Versicherten konkretisiert. Es wurde eine Erweiterung auf reproduktionsmedizinisch tätige Ärzte vorgesehen, die bereits bislang im Rahmen der Richtlinien über künstliche Befruchtung die Versorgung auch der männlichen Versicherten übernommen haben. Diese dürfen nun auch im Rahmen der Kryo-Richtlinie diese Leistung erbringen.

Nun auch Kooperation möglich

Zudem erfolgte eine Klarstellung bezüglich des Transports, des Einfrierens und der Lagerung von Ei- oder Samenzellen sowie Keimzellgewebe. Dadurch können diese medizinischen Maßnahmen nunmehr auch in Kooperation mit Einrichtungen durchgeführt werden, wenn sie die einschlägigen Anforderungen erfüllen und über entsprechende Genehmigungen verfügen.

Darüber hinaus wurden die Vorgaben für Kliniken präzisiert, sodass diese nun, wenn sie die gleichen Strukturvoraussetzungen wie ambulante reproduktionsmedizinische Einrichtungen erfüllen, die Leistungen der Kryokonservierung erbringen können.

Leistungsanspruch nach Festlegung der Vergütung

Der G-BA-Beschluss wird nun vom Bundesgesundheitsministerium erneut geprüft werden. Nach dem Inkrafttreten hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, um die Vergütung festzulegen. Erst dann besteht ein Anspruch für gesetzlich Versicherte auf diese Leistung.

Keimzellschädigende Behandlungen

Mit der Einführung der Kryokonservierung will der Gesetzgeber schwerkranken Menschen die Möglichkeit eröffnen, nach einer keimzellschädigenden Behandlungen Kinder zu bekommen.

Zu keimzellschädigen Behandlungen zählen insbesondere die operative Entfernung von Keimdrüsen, eine Strahlentherapie mit zu erwartender Schädigung der Keimdrüsen sowie potentiell fertilitätsschädigende Medikationen. Ob eine Therapie keimzellschädigend sein kann, entscheidet der Facharzt, der auch die Grunderkrankung diagnostiziert oder behandelt.

Der gesetzliche Anspruch auf Entnahme und Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen besteht für Frauen bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres, bei männlichen Versicherten bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres. Eine untere Altersgrenze gibt es nicht. Jedoch sind Medikamente zur ovariellen Stimulation vor Eizellgewinnung aktuell ausschließlich für erwachsene Frauen zugelassen.

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