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Praxisnachrichten

Anspruch auf Zweitmeinung vor Implantation einer Knieendoprothese

21.01.2021 - Für den geplanten Einsatz einer Knieendoprothese haben Patienten jetzt Anspruch auf eine Zweitmeinung. Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss ergänzte Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren ist kürzlich in Kraft getreten.  

Damit ist eine qualifizierte ärztliche Zweitmeinung für insgesamt vier Indikationen möglich: Gebärmutterentfernungen, Mandeloperationen, Schulterarthroskopien und Implantationen von Knieendoprothesen.

„Zweitmeiner“ benötigen Genehmigung

Um eine Zweitmeinung abrechnen zu können, benötigen Ärzte eine Genehmigung, die sie bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen. Als „Zweitmeiner“ bei einer geplanten Implantation einer Knieendoprothese kommen ausschließlich Orthopäden und Unfallchirurgen, Chirurgen mit Schwerpunkt Unfallchirurgie sowie Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin in Frage.

Der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, rechnet für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Grund- oder Konsiliarpauschale ab.  Die Vergütung ist für alle Zweitmeinungsverfahren unabhängig vom jeweiligen Eingriff gleich. Sie erfolgt extrabudgetär.

„Erstmeiner“ müssen über mögliche Zweitmeinung aufklären

Nunmehr können auch Fachärzte, die ihren Patienten zu einer Knieendoprothese raten, die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 für die Aufklärung und Beratung abrechnen. Denn indikationsstellende Ärzte sind verpflichtet, Patienten vor einem solchen Eingriff über die Möglichkeit einer Zweitmeinung aufzuklären und nötige Unterlagen für den Zweitmeiner bereitzustellen.

Gesetzgeber plant weitere Indikationen

Die Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren wird in Zukunft durch weitere Indikationen ergänzt. Der Gesetzgeber misst dem Thema nach wie vor eine sehr hohe Bedeutung bei.

Im geplanten Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes (GVWG) soll festgelegt werden, dass der Gemeinsame Bundesausschuss mindestens zwei weitere Eingriffsthemen pro Jahr beschließen muss. Damit haben künftig noch mehr Vertragsärzte die Möglichkeit, sich aktiv als „Zweitmeiner“ zu beteiligen.

Beratung zu alternativen Therapien

Gegenstand des Zweitmeinungsverfahrens „Implantation einer Knieendoprothese“ sind planbare Eingriffe bei einer fortgeschrittenen degenerativen Erkrankung des Kniegelenks, insbesondere bei einer Arthrose.

Wenn einem Patienten die Implantation einer Total- oder Teilendoprothese des Kniegelenks empfohlen wird, kann er sich bei einem qualifizierten „Zweitmeiner“ zur Notwendigkeit des Eingriffs oder zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten, wie beispielsweise Physiotherapie oder medikamentöser Therapie, beraten lassen.

Zweitmeinungsverfahren: Vergütung

Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen ärztliche Untersuchungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung zwingend erforderlich sind.

So werden die Leistungen vergütet:

„Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,34 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

„Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.

Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.

Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem Zweitmeinungsverfahren bei einer bevorstehenden Implantation einer Knieendoprothese durch den „Erstmeiner“ ist die neue bundeseinheitliche GOP 01645E vorgesehen.

Durch den „Zweitmeiner“ hat eine indikationsspezifische Kennzeichnung aller im Zweitmeinungsverfahren durchgeführten und abgerechneten Leistungen als Freitext im Feld freier Begründungstext (KVDT‐Feldkennung 5009) mit dem Code 88200E zu erfolgen.

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