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Praxisnachrichten

Was tun bei Verdacht auf Missbrauch?

Verdacht auf Kindesmissbrauch - Mediziner erläutert im Video Anhaltspunkte

28.01.2021 - Bei einem Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch ist es für Ärzte und Psychotherapeuten oft nicht leicht, über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Der Leiter der Berliner Kinderschutzambulanz der DRK Kliniken Westend, Oliver Berthold, gibt im Video-Interview hilfreiche Hinweise zu diesem sensiblen Thema.

Laut Bundeskinderschutzgesetz besteht eine Handlungspflicht, wenn auch nur eine Vermutung auf Gefährdung des Kindeswohls besteht. „Allerdings ist hier wie immer in der Medizin eine Diagnostik notwendig“, erläutert Berthold. Denn überstürzte Interventionen könnten durchaus kontraproduktiv sein.

„Die Zeitnot hängt von der Information ab, die ich habe“, fährt Berthold fort. Bei älteren Kindern könnte beispielsweise eine Kontrazeption nötig sein oder wenn es um Spurensicherung gehe, müsse dies innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden nach dem Übergriff erfolgen. In diesen Verdachtsfällen sollte dringlich an ein spezialisiertes Zentrum verwiesen werden.

Schutz des Kindes steht für Mediziner im Fokus

Zugleich warnt der Experte davor, Unüberlegtes zu tun. Denn der Verdacht sei oftmals vage und unspezifisch. Im Zweifel müsse man sich beraten lassen – zum Beispiel durch die medizinische Kinderschutzhotline, die eigens für Angehörige der Heilberufe etabliert wurde.

Mediziner können bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch das Jugendamt informieren. Seit 2012 liegt hier kein Bruch der Schweigepflicht mehr vor, sondern es handele sich um eine erlaubte Informationsweitergabe.

Die Rolle der Mediziner sei es, betont Berthold, für das Wohl des Kindes zu sorgen und nicht, einen Verdächtigen oder Täter zu ermitteln. Der Schutz des Kindes stehe im Fokus.

Kind braucht nicht Betroffenheit des Arztes

Wenn ein Kind sich dem Arzt gegenüber offenbart, sei es wichtig „dem Raum zu geben“.  So dürfe das Thema nicht ignoriert werden, indem der Arzt nicht nachfrage. Andererseits müsse unbedingt die Autonomie des Kindes gewahrt bleiben, betont Berthold eindringlich. Das heiße, Untersuchungen gegen den Willen des Kindes seien absolut tabu.

Wichtig sei, empathisch mit dem Kind zu sprechen und offene Fragen zu stellen. Dabei sollte man die eigene Betroffenheit zurückhalten. Denn das Kind brauche niemanden, „der es erschüttert in den Arm nimmt, sondern jemanden, der weiß, wo es langgeht und der die richtigen Schritte unternimmt“.

Informationen für Praxen

Die KBV stellt zu den Themen Intervention bei häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch ein vielfältiges Informationsangebot für Ärzte und Psychotherapeuten auf ihrer Themenseite im Internet bereit. Dazu zählen unter anderem Online-Fortbildungen, ein Qualitätszirkelmodul sowie Arbeitsmaterialien (siehe Übersicht unten).

Interventionen bei häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch und Kindesmissbrauch: Informationsangebote

Kontaktdaten und Informationsmaterial

Eine Übersicht mit Kontaktdaten sowie bundesweiten und regionalen Hilfsangeboten finden Interessenten auf der Internetseite der KBV. Dort stehen auch Infomaterialien und Arbeitshilfen bereit.

Themenseite

Online-Fortbildung: Kinderschutz

Die Aufklärung und Prävention von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen unterstützt die KBV unter anderem mit Fortbildungsangeboten für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt.

Thema der Fortbildungen ist die Entwicklung von Schutzkonzepten gegen Gewalt an Kindern für die vertragsärztliche Praxis. Schutzkonzepte dienen dazu, Risikofaktoren für Kindesmissbrauch zu erkennen. Andererseits sollen sie verhindern, dass die ambulante Praxis selbst zum Tatort wird.

Fortbildungsportal der KBV

Qualitätszirkel-Modul der KBV: Häusliche Gewalt

Ärzte sind häufig erster Ansprechpartner für Opfer häuslicher Gewalt. Die Thematisierung im Qualitätszirkel hilft, daraus resultierende schwierige Situationen im Praxisalltag besser bewältigen zu können.

Im Mittelpunkt der Zirkelarbeit stehen die Vermittlung von Hintergrundwissen, zum Beispiel zu den unterschiedlichen Formen häuslicher Gewalt, das Erkennen häuslicher Gewalt („Red Flags“), eine ergebnisorientierte Ansprache Betroffener, die rechtssichere Dokumentation sowie regionale Unterstützungsangebote.

Das Modul enthält praktische Übungen. Eine Checkliste unterstützt im Praxisalltag.

Modul Möglichkeiten der Intervention bei häuslicher Gewalt (PDF)
Moderationsmedien (zip-Ordner)

Initiativen des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

„Kein Raum für Missbrauch“ 

Die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ hat zum Ziel, dass alle Einrichtungen und Organisationen in Deutschland wie Schulen, Kindertagesstätten, Heime, Sportvereine, Praxen, Kliniken und Kirchengemeinden ebenso wie Anbieter von Kinder- und Jugendreisen Schutzkonzepte zur Prävention und Intervention einführen. Auf der Website gibt es neben Informationen auch Materialien zur Unterstützung der Initiative – zum Beispiel Plakate und Flyer.

Website "Kein Raum für Missbrauch"
Online-Shop "Kein Raum für Missbrauch"

„Kein Kind alleine lassen“: Schwerpunkt Coronakrise

Auf der Website www.kein-kind-alleine-lassen.de können Interessierte Flyer und Plakate, unter anderem mit Adressen von Beratungsstellen, herunterladen und ausdrucken (weitere Formate sind auf Anfrage an kontakt@kein-kind-alleine-lassen.de jederzeit erhältlich). 

Daneben gibt es einen Info-Bereich speziell für Kinder und Jugendlichen sowie für Erwachsene mit Hinweisen zur Soforthilfe in Zeiten von Corona.

Website „Kein Kind alleine lassen“
Online-Shop „Kein Kind alleine lassen“

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

Das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.

Zur Auslage im Wartezimmer gibt es Klappkarten mit der Telefonnummer des Hilfetelefons Sexueller Missbrauch sowie kostenfreie Broschüren (per E-Mail bestellen: mail@nina-info.de).

Website des Hilftelefons

Hilfeportal zu sexuellem Missbrauch

Das „Hilfeportal Sexueller Missbrauch“ bietet neben Informationen zum Thema sexueller Missbrauch auch eine Datenbank mit Hilfsangeboten vor Ort.

Die KBV ruft alle Ärzte und Psychotherapeuten dazu auf, sich kostenfrei einzutragen, wenn sie Hilfe für Betroffene anbieten können.

Website des Hilfeportals
Registrierung für Ärzte und Psychotherapeuten

Medizinische Kinderschutzhotline: Arbeitshilfe Schwerpunkt Coronakrise

Die Medizinische Kinderschutzhotline stellt Fachkräften im Gesundheitswesen eine kostenlose Arbeitshilfe zur Verfügung. Diese soll die Beratung von Familien erleichtern, die durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen besonderen Belastungen ausgesetzt sind. 

Die Arbeitshilfe und eine extra Karte für Eltern stehen zum Download verfügbar (siehe unten) oder können in gedruckter Form per E-Mail bestellt werden: kinderschutzhotline.KJP@uniklinik-ulm.de.

Zusätzlich bietet die Kinderschutzhotline an, bei Bedarf weitere Arbeitshilfen zu schicken, um so Fachkräfte im Gesundheitswesen mit Informationen zu unterstützen. 

Unverändert steht die Hotline rund um die Uhr telefonisch für Beratungen unter 0800 19210 00 zur Verfügung.
 

Website der Kinderschutzhotline
Kitteltaschenkarte zum Thema Covid-19 Für Fachkräfte (PDF)
Karte zum Thema Covid-19 für Eltern (PDF)

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