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Corona-Impfung muss schnell in die Arztpraxis - Ansonsten droht ein "Impfstau"

12.02.2021 - In den Arztpraxen muss so bald wie möglich mit flächendeckenden Corona-Schutzimpfungen begonnen werden. Ansonsten könnten bald Millionen Impfdosen nicht verimpft werden, betonte der Vorstand der KBV heute vor Journalisten. Er nahm Bezug auf eine wissenschaftliche Analyse, nach der die Impfzentren es alleine nicht schaffen würden, die von der Bundesregierung angekündigten hohen Impfstoffmengen zu verbrauchen.

„Ohne die zügige Einbindung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird die Impfkampagne schon bald in einem gigantischen Stau nicht verabreichter, aber dringend benötigter Impfdosen stecken bleiben“, warnte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Auch das von der Bundeskanzlerin ausgegebene Ziel, bis Ende September jedem Bürger in Deutschland ein Impfangebot zu unterbreiten, werde so nicht erreicht.

Nach einer Modellierung des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung (Zi) könnte schon im März ein „Impfstau“ entstehen, wenn die avisierten Impfstoffmengen kommen und weiterhin nur in den Impfzentren verabreicht werden. Ab Mai rechnen die Wissenschaftler mit mindestens drei Millionen und ab Juli mit rund 7,5 Millionen unverbrauchten Impfdosen pro Woche.

Die Praxen seien darauf eingestellt, schnell eine große Gruppe von Patientinnen und Patienten zu impfen, hob KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister mit Verweis auf die jährliche Grippeschutzimpfung hervor. „Wird das Impfen sobald wie möglich in die Praxen verlagert, gibt es bundesweit mehrere zehntausend wohnortnahe und leicht zu erreichende Anlaufstellen für alle, die sich impfen lassen wollen.“

Kapazität der Impfzentren reicht nicht aus

Die Kapazität der rund 400 Impfzentren wird aktuell auf 1,4 Millionen Impfungen pro Woche (200.000 täglich) geschätzt. „Selbst wenn diese um 50 Prozent auf 2,1 Millionen Impfungen (300.000 täglich) gesteigert werden könnte, würde die Durchimpfung der Bevölkerung etwa 450 Tage in Anspruch nehmen und wäre somit nicht bis Ende September 2021 zu schaffen“, erläuterte Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried. Wenn rund 50.000 Praxen täglich 20 Patienten impften, käme man auf eine Million Impfungen am Tag.  

Voraussetzungen für das Impfen in Praxen

Eine Voraussetzung für das Impfen in den Praxen ist nach Angaben des KBV-Vorstands, dass ausreichend Impfstoff geliefert wird. „Es darf nicht passieren, dass Impfwillige in den Praxen stehen und wegen fehlendem Impfstoff nicht geimpft werden können“, mahnte Hofmeister. Dies gelte auch für sämtliches Zubehör wie Tupfer, Spritzen und Kanülen.

Die Vergütung der Beratung, Impfung und Dokumentation soll in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) geregelt werden. Die Verhandlungen dazu laufen, wie Gassen sagte. Die KBV hat dem BMG auch schon konkrete Vorschläge zur Dokumentation unterbreitet. Danach müssen die Praxen einmal täglich die Anzahl der Erst- und Zweitimpfungen getrennt nach dem verabreichten Impfstoff elektronisch erfassen und melden.

„Der Aufwand für die Praxen muss neben dem eigentlichen Impfen so gering wie möglich sein“, sagte Hofmeister. Denn die Regelversorgung müsse parallel weiterlaufen – mit rund 1,8 Millionen Patienten täglich allein im hausärztlichen Bereich.

Haus- und Fachärzte sollen impfen

Die Praxen müssen jetzt so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden, zu impfen, forderte Gassen.Deutschland dürfe nicht das gleiche Problem bekommen wie die USA, wo die Lager voll seien, aber es zu wenig Kapazitäten gebe, die Dosen zu verimpfen. Klar sei aber auch, fuhr der KBV-Chef fort, „wir brauchen nicht nur die hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die Fachärzte“.

Vorstand erwartet Unterstützung der Politik

In dem Zusammenhang appellierte Gassen nochmals an die Bundesregierung, den für dieses Jahr geplanten Schutzschirm auch auf die extrabudgetären Leistungen wie Früherkennungsuntersuchungen und ambulante Operationen auszudehnen. „Wir erwarten, dass die Politik alles dafür tut, sämtliche Praxen in der Pandemie am Netz zu halten.“ Dem Steuerzahler entstünden dadurch keine Kosten.

Der Vorstand stellte außerdem klar, dass die Vertragsärzte und ihr medizinisches Personal prioritär geimpft werden müssten. Sie stünden an der vordersten Front der Patientenversorgung in der Pandemie und bräuchten schnellstens den Impfschutz, betonte Hofmeister.

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