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Gassen: "Wir müssen impfen, impfen, impfen" - KBV-Vorstand fordert ausreichend Impfstoff für die Praxen

26.03.2021 - Nur schnelleres Impfen in den Haus- und Facharztpraxen kann nach Ansicht des KBV-Vorstands Deutschland aus der Pandemie führen. „Wenn wir aus der Dauerspirale von Lockdowns, Rücknahme von Einschränkungen und deren erneuter Verschärfung rauskommen wollen, dann müssen wir impfen, impfen, impfen“, forderte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Freitag vor den Delegierten der Vertreterversammlung der KBV. 

 „Impfen haben wir in mindestens zwölf Jahren Ausbildung gelernt, das können unsere Teams und wir“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Das einzige, was wir brauchen, ist eine verlässliche Belieferung und klare Regelungen zum Impfen. Dafür haben wir inzwischen die Voraussetzungen geschaffen. Alles Weitere ist eine Frage des politischen Willens.“

Zusagen des BMG zum Impfen in Praxen

Gassen wies darauf hin, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zugesagt habe, dass die Bedingungen, die die KBV als unverzichtbare Voraussetzungen für den Impfstart in den Praxen definiert habe, gesichert seien. „Es gibt also Hoffnung. Das Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen und es ist nicht mehr der Zug, der einem entgegenkommt.“

Die Praxen werden bis spätestens Mittwoch, den 7. April, 12 Uhr, beliefert, und zwar mit präzise angekündigten Impfstoffmengen, wie der Vorstandsvorsitzende weiter ausführte.  Da in den ersten Wochen ohnehin nur um die 20 Dosen pro Arzt geliefert werden könnten, reichten zur Not zwei Arbeitstage, um Patienten einzuladen und zu impfen. Je nach Stand der Impfstoffbeschaffung solle es sukzessive mehr werden. 

Eine weitere wichtige Zusage des BMG betrifft Gassen zufolge die Priorisierung der zu Impfenden. Die Impfreihenfolge könne von den Praxen flexibel gehandhabt werden, für den Fall, dass sie wider Erwarten am Ende der Woche noch Dosen übrighaben sollten. Dann könnten diese auch außerhalb der Priorisierung verimpft werden, um zu vermeiden, dass sie entsorgt werden müssen. 

Außerdem wird in der Impfverordnung des BMG, die aktuell noch angepasst wird, offengelassen, ob Haus- oder Fachärzte impfen. „Das ist sachgerecht, denn die Devise muss lauten: Wer impfen kann und will, der soll es tun“, unterstrich Gassen.  Deshalb sollten nach dem Start in den Hausarztpraxen mit zunehmender Impfstoffmenge auch mehr Praxen, und zwar explizit auch die Facharztpraxen impfen.

Hofmeister: Beschafft ausreichend Impfstoff

Das Angebot und die Forderungen der Ärzteschaft an die Politik seien klar und einfach. „Beschafft ausreichend Impfstoff und das erforderliche Zubehör“, sagte Vizechef Hofmeister. Es sollten alle Praxen impfen könne, die dazu bereit seien – ohne zusätzliche Bürokratie. „Wir wollen die Pandemie beenden und keinen Verwaltungs-Oskar gewinnen.“

KBV-Vorstand kritisiert fehlende Anerkennung der Politik

Der Vorstand kritisierte die fehlende Anerkennung der Leistung der Praxen in der Pandemie. „Seit Monaten werden der Öffentliche Gesundheitsdienst, Krankenhäuser und Pflege hofiert und mit Zuwendungen bedacht“, bemerkte Gassen. Das sei in den meisten Fällen auch völlig berechtigt. „Die Praxen scheinen jedoch zu einer Randerscheinung der Versorgung degradiert zu werden.“

Im Hinblick auf das Superwahljahr und die Wahlprogramme der Parteien sagte Hofmeister: „Heute muss man froh sein, wenn die Niedergelassenen und ihre Selbstverwaltung überhaupt erwähnt werden.“ Er forderte von der Politik, etwas für die ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen zu tun, um diese Strukturen zu erhalten. 

COVID-Impfausweis darf kein Hemmschuh sein

Angesichts der Einführung eines EU-weit anerkannten digitalen COVID-Impfnachweises warnte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel vor zu viel Bürokratie für die Praxen. Er mahnte eine schlanke und praktikable Lösung an. Bis zur Einführung dürften nach aktuellen Prognosen mehrere Millionen Menschen bereits geimpft worden sein, die nachträglich einen entsprechenden Nachweis wünschten. Dennoch dürfe der Impfnachweis kein Hemmschuh für die Praxen sein.

„Wir haben nur eine Chance, die Praxen so gut wie möglich durch diese Herausforderung zu begleiten, wenn wir, das KV-System, weitestgehend die Bedingungen für die Umsetzung vorgeben“, sagte Kriedel. Das hätten jüngste Erfahrungen mit dem Impfgeschehen gezeigt.

Erste Impfstoffbestellung am 30. März 

Nachdem bisher fast ausschließlich in den Impfzentren geimpft wird, kann nach Ostern in den Arztpraxen das Impfen gegen COVID-19 beginnen. Der Bund wird zunächst etwa eine Million Impfstoffdosen pro Woche zur Verfügung stellen, sodass vorerst primär die Hausärzte impfen können. 

Der Impfstoff wird über die Apotheken an die Praxen geliefert. Ärzte bestellen dazu einmal wöchentlich bei der sie primär beliefernden Apotheke den Impfstoff jeweils für die nächste Woche. Die Bestellung für die erste Impfwoche muss bis 30. März um 12 Uhr in der Apotheke eingehen, damit ab 7. April in den Praxen geimpft werden kann.

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