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"Die Praxen sind am Ende ihrer Kräfte" - KBV-Vorstand lobt hohes Engagement und Durchhaltevermögen beim Impfen

19.05.2021 - In den Arztpraxen sind seit Anfang April über zehn Millionen Menschen geimpft worden. „Es wären noch viel mehr, wenn den Praxen mehr Impfstoff zur Verfügung stünde“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen heute auf einer Pressekonferenz. Er verwies zugleich auf die enorme Belastung der Praxen.

Mit viel Empathie und Engagement bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit seien rund 68.000 niedergelassene Ärzte und ihre Teams aktuell dabei, die Bevölkerung zu impfen, sagte Gassen und fügte hinzu: „Insofern hoffen wir auf den Juni, wenn wöchentlich rund fünf Millionen Dosen angekündigt sind.“ Dann werde sich die Lage hoffentlich für alle Beteiligten entspannen.

Impfzentren sind keine Dauerlösung

Dem Vorschlag aus der Politik, die Impfzentren dauerhaft am Netz zu halten, erteilte Gassen eine Absage. Die Zentren seien vor allem zu Beginn der Impfkampagne notwendig gewesen. Langfristig sei Impfen Aufgabe der Regelversorgung, also der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Mit Blick auf die Bundestagswahl appellierte der Vorstandsvorsitzende an die Politik, „den hohen Wert der vertragsärztlichen Versorgung“ anzuerkennen.

Die kurzen Bestellzeiten und kurzfristigeren Benachrichtigungen, wie viel Impfstoff eine Praxis tatsächlich erhalte, führten in den Praxen zu enormen Belastungen, betonte Vize-Vorstandschef Dr. Stephan Hofmeister. Wenn eine Praxis erst Freitag oder Montag erfahre, dass sie weniger Impfstoffdosen erhalte und Termine wieder absagen müsse, führe dies verständlicherweise zu Wut bei den Patientinnen und Patienten und zu großem Stress in den Praxen.

Allein die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Juni die Priorisierung aufheben zu wollen, hat Hofmeister zufolge zu einem erneuten „Trommelfeuer von Terminanfragen“ auf die Praxen geführt. Der Verband der Medizinischen Fachangestellten warnte bereits vor massenhaftem Burnout seiner Mitglieder, die in diesen Zeiten besonders viel abzufangen haben.

Hohe Impfstoff-Bestellzahlen auch für nächste Woche

„Die Praxen sind am Ende ihrer Kräfte“, sagte Hofmeister. Trotzdem würde sie jetzt nicht reihenweise aufgeben, wie vereinzelt berichtet wird. Das belegen auch die aktuellen Bestellzahlen: Für die nächste Woche haben wieder nahezu 68.000 Haus- und Fachärzte Impfstoff geordert und erneut deutlich mehr Dosen als der Bund bereitstellt.

Um die Fortführung des Impfens in den Praxen dauerhaft sicherzustellen, bräuchten diese Planbarkeit, vor allem durch verlässliche und ausreichende Impfstofflieferungen über die vertrauten Distributionswege, und weniger Bürokratie. „Der aktuelle Dokumentationsaufwand pro Impfung kann nicht dauerhaft beibehalten werden“, stellte Hofmeister klar.

Digitaler Impfnachweis nur für „eigene“ Patienten

Auf das Digitale Grüne Zertifikat der EU, den sogenannten EU-Impfnachweis, ging KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel ein. Anders als der gelbe Impfpass der WHO, der weltweit anerkannt sei, diene das grüne EU-Zertifikat keinem medizinischen Zweck, sondern der Wieder-Erlangung gewisser Freiheiten. „Dies zu bescheinigen, kann nicht allein Aufgabe der Praxen sein“, stellte er klar.

Kriedel machte deutlich, dass die Praxen allenfalls den Patienten ein solches Zertifikat ausstellen könnten, die sie selbst geimpft hätten. Dazu müssten die Praxisverwaltungssysteme so angepasst werden, dass das Zertifikat fast automatisch erstellt werden könne. Dies stelle für die Industrie eine große Herausforderung dar, aber anders sei das nicht zu machen, betonte Kriedel. Er wies darauf hin, dass die Ärzte bereits jetzt jede Impfung dreifach dokumentieren müssten.

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