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Praxisnachrichten

So funktioniert der eMP

Der elektronische Medikationsplan - immer auf dem aktuellsten Stand bei der Medikation

27.05.2021 - Welche Arzneimittel ein Patient einnimmt oder anwendet, ob Allergien oder Unverträglichkeiten bei ihm bestehen – mit dem elektronischen Medikationsplan sind diese wichtigen Informationen für Ärzte und Psychotherapeuten, aber auch Zahnärzte und Apotheker schnell zugänglich und einfach zu aktualisieren. Der dritte Teil der Serie TI-Anwendungen der PraxisNachrichten stellt Näheres vor.

Der elektronische Medikationsplan (eMP) ist eine Weiterentwicklung des bereits seit 2016 bestehenden bundeseinheitlichen Medikationsplans. War letzterer nur als Papierausdruck vorhanden, den Versicherte beim Arztbesuch vorlegen, ist der eMP in digitaler Form auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert. Während sich viele Anwendungen noch in der Entwicklung befinden, kann der eMP bereits genutzt werden.

Auf der eGK gespeichert

Ein eMP wird immer über das Praxisverwaltungssystem (PVS) angelegt – dazu benötigen Ärzte ein entsprechendes Software-Modul. Auch Zahnärzte und Apotheker dürfen diese Aufgabe übernehmen. Psychologische Psychotherapeuten können die Daten nur auslesen und für die Behandlung nutzen.  

Einmal auf der eGK abgelegt, können Ärzte den Medikationsplan leicht einsehen, die Daten direkt in ihr PVS übertragen und sie bei Bedarf aktualisieren, wenn der Patient dem zustimmt. Zur Aktualisierung der Daten hat der Gesetzgeber nun nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte verpflichtet. Auf der eGK kann somit immer der aktuelle Stand der Medikation gespeichert sein.

Neben Angaben zu aktuell verordneten und selbst erworbenen Arzneimitteln, können im eMP bei Bedarf auch solche aufgeführt werden, die Patienten in der Vergangenheit eingenommen oder angewendet haben. Dabei können unter anderem Handelsname, Wirkstoff, Dosierung und Einnahmegrund aufgeführt werden. Zusätzlich können Hinweise für Ärzte oder Apotheken eingetragen werden, etwa zu Allergien und Unverträglichkeiten.

Freiwillige Anwendung für Patienten

Der eMP ist für Patienten freiwillig. Sie müssen sowohl beim Anlegen als auch bei jedem Auslesen, Aktualisieren und Speichern zustimmen. Anspruch auf einen eMP haben Versicherte, wenn sie mindestens drei systemisch wirkende, zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschriebene Arzneimittel dauerhaft anwenden – dauerhaft heißt: (voraussichtlich) für einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen.

Patienten müssen Karten-PIN kennen

Um den eMP nutzen zu können, benötigen Patienten ihre sechsstellige Karten-PIN, die sie bei ihrer Krankenkasse anfordern müssen. Diese dient dazu, die Daten auf der eGK zusätzlich vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. Beim eMP ist die PIN standardmäßig aktiviert – kann aber auf Wunsch des Patienten deaktiviert werden. Der eMP kann entsprechend nur dann auf der eGK gespeichert, von dort ausgelesen oder aktualisiert werden, wenn der Patient die Karten-PIN kennt. Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb zunächst nachfragen, ob die PIN bekannt ist.

Technik für Praxen ist verfügbar

Um den eMP anlegen, lesen oder aktualisieren zu können, benötigen Praxen einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) mit einem E-Health-Konnektor, der seit Sommer 2020 als Konnektor-Update verfügbar ist und ein entsprechendes PVS-Modul. Praxen erhalten eine Erstattung für die Technikkosten.

Detaillierte Informationen zum eMP

Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten, die sich tiefer zum eMP informieren wollen, stellt die KBV ein Video und eine Praxisinformation zur Verfügung. Auf einer Themenseite im Internet sind zudem alle Informationen gebündelt und fortlaufend aktualisiert zu finden.

Erstattung für die Technik

Die Details für die Kostenerstattung der Technik haben KBV und GKV-Spitzenverband in der TI-Finanzierungsvereinbarung geregelt.

Komponente Pauschale Hinweise zur Kostenerstattung und Finanzierung der Betriebskosten
Konnektor-Update (eHealth-Konnektor) und PVS-Module NFDM und eMP 530 Euro einmalig Wenn das Konnektor-Update erfolgt ist, wird die Pauschale gezahlt.
Zusätzliches Kartenterminal (kann für NFDM und eMP genutzt werden) 595 Euro je Kartenterminal Anspruch: ein zusätzliches Terminal je angefangene 625 Betriebsstättenfälle mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt Wenn das Konnektor-Update erfolgt ist; besteht Anspruch auf die Pauschale für ein zusätzliches Kartenterminal, sofern die Praxis Patienten mit persönlichem Kontakt (ggf. auch im Rahmen einer Videosprechstunde) behandelt.
Zuschlag zu den laufenden TI-Betriebskosten 4,50 Euro je Quartal Sobald das Konnektor-Update erfolgt ist, wird die Betriebskostenpauschale quartalsweise gezahlt.
Elektronischer Heilberufsausweis ab Generation 2.0 11,63 Euro je Quartal und Arzt/Psychotherapeut Sobald der Anschluss an die TI erfolgt ist, wird die Pauschale quartalsweise gezahlt.

 

Vergütung des eMP

Für das Anlegen und Aktualisieren eines eMP erfolgt eine ärztliche Vergütung, die extrabudgetär gezahlt wird. Sie entspricht der Vergütung, die bereits für den bundeseinheitlichen Medikationsplan festgelegt wurde. Eine detaillierte Übersicht zur Vergütung ist hier zu finden.

Hausärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner

  • Einzelleistungsvergütung für Patienten ohne Chronikerpauschale:
    • GOP 01630 (39 Punkte/2021: 4,34 Euro) als Zuschlag zur Versichertenpauschale; im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt berechnungsfähig, wenn ein Medikationsplan erstellt wurde. Etwaige Aktualisierungen sind damit abgegolten.
  • Zuschlag für Patienten mit Chronikerpauschale:
    • GOP 03222/04222 (10 Punkte/2021: 1,11) Euro als Zuschlag zur Chronikerpauschale einmal im Behandlungsfall, unabhängig davon, ob der Arzt einen Plan erstellt oder aktualisiert hat; wird von der KV zugesetzt. Der Zuschlag ist in den drei Quartalen, die der Berechnung der GOP 01630 unmittelbar folgen, nicht berechnungsfähig.
    • Der Zuschlag wird nicht gezahlt, wenn Ärzte in demselben Behandlungsfall den hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) abrechnen. Dieser vergütet bereits die Erstellung und/oder Aktualisierung eines Medikationsplans.

Fachärzte

  • Einzelleistungsvergütung für Patienten, bei denen die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale Onkologie, die GOP 30700 (Schmerztherapie), die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers abgerechnet wird:
    • GOP 01630 (39 Punkte/ca. 4 Euro) als Zuschlag zur jeweiligen Pauschale; im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt berechnungsfähig, wenn ein Medikationsplan erstellt wurde. Etwaige Aktualisierungen sind damit abgegolten.
  • Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale (dies gilt nicht für Humangenetiker, Laborärzte, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Nuklearmediziner, Pathologen, psychologische Psychotherapeuten, Radiologen und Strahlentherapeuten) für die Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplans:
    • Zuschlag einmal im Behandlungsfall, unabhängig davon, ob der Arzt einen Plan erstellt oder aktualisiert hat; wird von der KV zugesetzt.
    • Höhe des Zuschlags ist je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch (2 bis 9 Punkte): Fachgruppen, die viele Medikamente verordnen und deshalb häufiger einen Plan aktualisieren oder ausstellen werden, erhalten einen höheren Zuschlag als Fachgruppen mit durchschnittlich wenigen Verordnungen.
    • Der Zuschlag ist in den drei Quartalen, die der Berechnung der GOP 01630 für die Erstellung des Medikationsplans unmittelbar folgen, nicht berechnungsfähig.

Serie zu den Anwendungen der Telematikinfrastruktur

NFDM, eMP, eAU: Hinter diesen Abkürzungen stehen medizinische Anwendungen in der Telematikinfrastruktur (TI). Einige, wie das Notfalldatenmanagement (NFDM) und der elektronische Medikationsplan (eMP), sind bereits verfügbar, andere starten in den nächsten Monaten. Die KBV stellt sie in einer Serie in den PraxisNachrichten vor. Jeden Donnerstag erscheint ein Beitrag mit wichtigen Hinweisen und praktischen Tipps. Praxen können zudem ein Erklärvideo und eine Praxisinformation abrufen.

Teil 1 vom 12. Mai: TI-Anwendungen in diesem Jahr: Serie in den PraxisNachrichten startet

Teil 2 vom 20. Mai: Der Notfalldatensatz – lebenswichtige Angaben sofort zur Hand

Teil 3 vom 27. Mai: Der elektronische Medikationsplan – immer auf dem aktuellsten Stand bei der Medikation

Teil 4 vom 3. Juni: Die elektronische Patientenakte – Befunde, Laborwerte, Arztbriefe

Teil 5 vom 10. Juni: KIM-Dienst: Medizinische Dokumente sicher digital versenden

Teil 6 vom 17. Juni: Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – direkte digitale Übermittlung an die Krankenkasse

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