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Praxisnachrichten

Praxen greifen gezielt zur Kamera - Goldstandard bleibt persönlicher Patientenkontakt

27.05.2021 - Nach einem rasanten Anstieg der Videosprechstunden im ersten Halbjahr der Pandemie sind die Zahlen im Juli, August und September 2020 gesunken. Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Ärzte und Psychotherapeuten die Kamera gezielt einsetzten – und sobald es möglich sei, wieder den persönlichen Patientenkontakt vorzögen, sagte KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister den PraxisNachrichten.

Im dritten Quartal 2020 hatte es deutlich weniger Infektionsfälle gegeben als in den Monaten zuvor. Insgesamt 22.505 Ärzte und Psychotherapeuten führten in dieser Zeit Videosprechstunden durch. Im zweiten Quartal 2020 waren es noch 31.397, im Quartal davor 16.869 und Ende 2019 nur 168 Ärzte und Psychotherapeuten (siehe Infokasten).

Rund 500.000 Videosprechstunden

Im ersten Halbjahr 2020 hatte es einen wahren Boom bei den Videosprechstunden gegeben: Nach bundesweit knapp 3.000 Videosprechstunden im gesamten Jahr 2019 waren es allein im ersten Quartal 2020 rund 203.000 und im zweiten Quartal 2020 sogar knapp 1,2 Millionen (die PraxisNachrichten berichteten). Im dritten Quartal lag die Zahl dann bei rund 500.000 Videosprechstunden – und damit auf einem nach wie vor sehr hohen Niveau.

Wenn Patienten wegen der hohen Infektionszahlen nicht immer in die Praxis kommen können, ist die Videosprechstunde eine gute Ergänzung, so Hofmeister. „Der Goldstandard bleibt aber der persönliche Kontakt zum Patienten. Das zeigen die aktuellen Zahlen zur Nutzung der Online-Sprechstunde“, betonte er.

Erfahrungsberichte aus der Praxis – zwei Videos

„Es geht besser als wir vorher dachten, das muss man ganz klar sagen“, erzählt die Psychologische Psychotherapeutin Sabine Maur in einem Video aus der Reihe „Meine Meinung“. Dass es die Möglichkeit der Videosprechstunde gibt, habe sie schon länger gewusst, diese aber wenig genutzt: „Dann kam Corona und wir mussten uns umstellen“.

Auch Dr. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, erzählt in der Reihe „Meine Meinung“ von seinen Erfahrungen mit der Videosprechstunde. „Dass das jetzt Routine ist, hat auch die Pandemie mitgebracht“, sagt er im Video. Der Kinder- und Jugendarzt berichtet, für welche Anlässe Videosprechstunden geeignet seien und wann ein Praxisbesuch unerlässlich sei.

Die beiden Videos sind in der KBV-Mediathek abrufbar (siehe „Mehr zum Thema“). Zu jedem Video gibt es auch eine Textfassung.

Praxen stehen der Digitalisierung offen gegenüber

Die Zahlen zur Videosprechstunde sind aus Sicht der KBV auch ein Beleg dafür, dass die Praxen der Digitalisierung offen gegenüberstehen. Sie nutzen digitale Anwendungen, wenn sie diese für ihre Arbeit als sinnvoll und nützlich erachten. Abhängig vom Behandlungskontext und den jeweiligen Gegebenheiten wird das Instrument der Videosprechstunde gezielt in der Patientenversorgung eingesetzt.

Videosprechstunde in Zahlen

  Anzahl Videosprechstunden* Anzahl Ärzte und Psychotherapeuten*
3. Quartal 2020 501.066 22.505
2. Quartal 2020 1.165.921 31.397
1. Quartal 2020 202.653 16.869
4. Quartal 2019 1.592 168
3. Quartal 2019 543 53
2. Quartal 2019 385 45
1. Quartal 2019 424    42

* So häufig wurden 2019 und 2020 Videosprechstunden von Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten durchgeführt und die entsprechende Leistung (GOP 01450) abgerechnet.
Quelle: KBV

7 Punkte, die Sie zur Videosprechstunde wissen sollten

  1. Sie benötigen einen zertifizierten Videodienstanbieter; eine Online-Sprechstunde zum Beispiel per Zoom, oder Skype ist nicht erlaubt.
    PDF-Übersicht zertifizierter Videodienstanbieter
  2. Die Patientin oder der Patient muss für die Videosprechstunde eine Einwilligung abgeben. Dieser Prozess wird in der Regel über den zertifizierten Videodienstanbieter unterstützt.
  3. Die Videosprechstunde muss vertraulich und störungsfrei verlaufen – wie eine normale Sprechstunde.
  4. Sie können aktuell aufgrund der Corona-Pandemie unbegrenzt Videosprechstunden anbieten. Das heißt: Fallzahl und Menge der berechnungsfähigen Leistungen sind nicht limitiert.
  5. Die ärztliche Videosprechstunde ist seit 2019 bei allen Indikationen möglich – und zwar auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war.
  6. Die Videosprechstunde wird zeitlich befristet bis zum 30. September 2021 finanziell gefördert: Sie erhalten zusätzlich zur regulären Vergütung für bis zu 50 Online-Visiten im Quartal gut zehn Euro je Sprechstunde zusätzlich (sofern mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchgeführt wurden).
  7. Sie können Leistungen im Rahmen der Videosprechstunde erst dann abrechnen, wenn sie ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zuvor angezeigt haben, einen zertifizierten Videodienstanbieter zu nutzen. In einigen KV-Regionen ist diese Regelung zurzeit ausgesetzt. Praxen sollten sich dazu bei ihrer zuständigen KV informieren.

Weitere Informationen, etwa zum konkreten Ablauf einer Videosprechstunde und der Vergütung der einzelnen Leistungen, stellt die KBV auf einer Themenseite bereit.

Sonderregelungen zur Videosprechstunde während der Pandemie

Damit Patienten während der Corona-Pandemie nicht in jedem Fall in die Praxis kommen müssen, wurden die Regelungen zur Videosprechstunde gelockert. Seit Frühjahr 2020 können Ärzte und Psychotherapeuten unbegrenzt Videosprechstunden anbieten. Das heißt: Fallzahl und Menge der berechnungsfähigen Leistungen sind nicht limitiert.

Psychotherapeuten dürfen während der Corona-Krise bestimmte Leistungen zusätzlich per Videosprechstunde durchführen und abrechnen. Neben Einzeltherapiesitzungen sind in Ausnahmefällen auch Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen per Video möglich, ohne dass vorher ein unmittelbarer persönlicher Kontakt mit dem Patienten stattgefunden hat.

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