Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

So funktioniert die eAU

Die elektronische AU-Bescheinigung - direkte digitale Übermittlung an die Krankenkasse

17.06.2021 - Mit einem Klick alle notwendigen Adressaten über eine Arbeitsunfähigkeit informieren, statt Papierausdrucke per Post zu verschicken – das ist das Ziel der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. In diesem Jahr startet jedoch nur der erste Schritt: die digitale Übermittlung an die Krankenkassen. Der sechste Teil der Serie TI-Anwendungen der PraxisNachrichten erläutert, wie der Prozess abläuft.

Mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) wird die Telematikinfrastruktur (TI) zum ersten Mal für die Digitalisierung eines Papier-Formulars genutzt. In Zukunft sollen weitere folgen, darunter das elektronische Rezept. Da das bisherige Muster 1 drei verschiedene Empfänger bedient, ist die digitale Umsetzung in mehreren Schritten geplant.

Start ab Oktober 2021, zweite Stufe folgt Mitte 2022

Zunächst sind ab dem 1. Oktober 2021 Arztpraxen in der Pflicht, die bisherige Ausfertigung für die Krankenkassen digital als eAU dorthin zu übermitteln. Papier- und Blankoformular werden dann durch einfache unterschriebene Ausdrucke für Versicherte und Arbeitgeber ersetzt. Die Information des Arbeitgebers übernimmt zunächst weiterhin der Versicherte selbst.  

Ab dem 1. Juli 2022 sollen die Krankenkassen die Daten digital an den Arbeitgeber weiterleiten. Patienten erhalten einen einfachen Papierausdruck und auf Wunsch zusätzlich einen Papierausdruck für den Arbeitgeber.

Praxen sollten beachten, dass mit der Einführung der eAU das bisher genutzte Muster 1 „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ nicht mehr gültig ist. In begrenzten Ausnahmefällen, etwa bei Störungen der TI oder anderen technischen Ausfällen, werden Papierausdrucke aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) erzeugt, die übergangsweise zur Information von Krankenkasse und Arbeitgeber genutzt werden können. Nach Behebung der Störung werden dann die digitalen Informationen versandt.    

Erstellung mit der Praxissoftware

Praxen erstellen die eAU – wie bisher die Papier-AU – in ihrem PVS und versenden sie direkt daraus über die TI mithilfe eines KIM-Dienstes. Letzterer steht für „Kommunikation im Medizinwesen“ und bezeichnet den besonders sicheren E-Mail-Dienst der TI. Auch die beiden Papier-Ausdrucke für den Versicherten und seinen Arbeitgeber druckt er über das PVS aus und gibt sie dem Patienten unterschrieben mit.

Elektronische Signatur notwendig

So, wie der Arzt die Papier-AU unterschreibt, benötigt die eAU eine sogenannte qualifizierte elektronische Signatur (QES). Für dieses besonders sichere Verfahren müssen Ärzte nicht nur ihren elektronischen Heilberufsausweis in das Lesegerät stecken, sondern auch noch ihre PIN eingeben. Da das im Praxisalltag bei der Vielzahl an auszustellenden AUs zu viel Zeit kosten würde, hat sich die KBV für eine Komfortsignatur stark gemacht. Hier geben Ärzte für einen bestimmten Zeitraum jeweils bis zu 250 Signaturen frei. Für die Komfortsignatur benötigen Ärzte jedoch eine weitere Ausbaustufe des Konnektors, die diese Funktion unterstützt (PTV4+-Konnektor). Diese ist noch nicht flächendeckend erhältlich.

Ein anderes Signaturverfahren – die Stapelsignatur – ist bereits in allen Praxen möglich, da sie mit dem E-Health-Konnektor funktioniert. Ärzte signieren hierbei einen vorbereiteten elektronischen Dokumentenstapel. Bei der eAU wäre das möglich, da es ausreicht, alle an einem Tag gesammelten AU-Bescheinigungen einmal täglich an die Krankenkassen zu senden.

Die KBV empfiehlt jedoch für die eAU die Komfortsignatur, da die Daten hier sofort versandt und eventuelle Probleme bei der Datenübermittlung direkt erkannt werden. Der Arzt kann dem Patienten in diesem Fall Ersatz-Ausdrucke mitgeben.

Notwendige Technik für Praxen ist teilweise verfügbar

Für die eAU benötigen Praxen einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) idealerweise – für die Komfortsignatur - mit einem ePA-Konnektor. Das dafür notwendige Software-Update eines Herstellers ist bereits zugelassen, die beiden anderen werden im Sommer erwartet. Beim erforderlichen eAU-Modul für das PVS ist die Industrie unterschiedlich weit. Hier sollten sich Praxen bei ihrem PVS-Anbieter nach der avisierten Zulassung erkundigen. Ärzte können auf einen Blick in der KBV-Zulassungsliste Digitale Muster (PDF-Dokument) sehen, welche Softwaresysteme bereits zertifiziert sind.

KIM-Dienst und elektronischer Heilberufsweis sind von verschiedenen Anbietern bestellbar. Ärzte sollten sich rechtzeitig vor Start der eAU um einen KIM-Dienst bemühen. Praxen erhalten eine Erstattung für die Technikkosten (siehe Infokasten).

Detaillierte Informationen zur eAU

Auf einer Themenseite im Internet informiert die KBV detailliert und aktuell zur eAU. Daneben stehen für Haus- und Fachärzte ein Video und eine ausführliche Praxisinformation bereit.

Erstattung für die Technik

Die Details für die Kostenerstattung der Technik haben KBV und GKV-Spitzenverband in der TI-Finanzierungsvereinbarung geregelt (aufbauend auf der Ausstattung für den E-Health-Konnektor).

Komponente Pauschale Hinweise zur Kostenerstattung und Finanzierung der Betriebskosten
Update zum ePA-Konnektor (Teil der Pauschalen für die ePA 400 Euro einmalig Wenn das Konnektor-Update erfolgt ist, wird die Pauschale gezahlt.
KIM-Dienst 100 Euro einmalig für das Einrichten

23,40 Euro je Quartal für Betriebskosten
Wenn der Dienst in der Praxis funktionsfähig ist und sie das gegenüber der KV nachweisen kann, hat die Praxis Anspruch auf Auszahlung.

Abrechenbar seit 1. April 2020, auch wenn noch kein KIM-Dienst nutzbar ist.
Elektronischer Heilberufsausweis ab Generation 2.0 (Teil der Pauschalen für die TI-Grundausstattung 11,63 Euro je Quartal und Arzt/ Psychotherapeut Sobald der Anschluss an die TI erfolgt ist, wird die Pauschale quartalsweise gezahlt.

Die KBV setzt sich aktuell dafür ein, dass auch die Kosten für das erforderliche PVS-Update erstattet werden.

Serie zu den Anwendungen der Telematikinfrastruktur

NFDM, eMP, eAU: Hinter diesen Abkürzungen stehen medizinische Anwendungen in der Telematikinfrastruktur (TI). Einige, wie das Notfalldatenmanagement (NFDM) und der elektronische Medikationsplan (eMP), sind bereits verfügbar, andere starten in den nächsten Monaten. Die KBV stellt sie in einer Serie in den PraxisNachrichten vor. Praxen können zudem ein Erklärvideo und eine Praxisinformation abrufen.

Teil 1 vom 12. Mai: TI-Anwendungen in diesem Jahr: Serie in den PraxisNachrichten startet

Teil 2 vom 20. Mai: Der Notfalldatensatz – lebenswichtige Angaben sofort zur Hand

Teil 3 vom 27. Mai: Der elektronische Medikationsplan – immer auf dem aktuellsten Stand bei der Medikation

Teil 4 vom 3. Juni: Die elektronische Patientenakte – Befunde, Laborwerte, Arztbriefe

Teil 5 vom 10. Juni: KIM-Dienst: Medizinische Dokumente sicher digital versenden

Teil 6 vom 17. Juni: Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – direkte digitale Übermittlung an die Krankenkasse

Teil 7 vom 24. Juni: Das elektronische Rezept – digitale Verordnung für apothekenpflichtige Arzneimittel

Teil 8 vom 1. Juli: Weitere Digitalisierungsschritte für Psychotherapeuten

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten