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Neuausrichtung der sQS gefordert

KBV fordert Neuausrichtung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung

09.09.2021 - Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung muss aus Sicht der KBV neu ausgerichtet werden. Aus der grundsätzlich guten Idee sei ein hyperkomplexes System voller bürokratischer Regularien entstanden, heißt es in einem Positionspapier, welches Impulse für eine Veränderung geben soll. Kritisiert wird vor allem der enorm hohe Aufwand, der in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe.

Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung (sQS) habe eine Entwicklung genommen, „die aus unserer Sicht schlecht und schädlich für den Versorgungsalltag ist“, sagt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in einem Video-Interview. Qualitätssicherung sei „selbstverständlich notwendig, aber sie soll die Praxen unterstützen und fördern und nicht in ihren Qualitätsbemühungen behindern“.

Kriedel kritisierte unter anderem, dass alle sQS-Verfahren auf Vollerhebungen beruhten. Jede Praxis müsse jede Prozedur und Qualitätssicherungsparameter immer wieder voll ausfüllen. Effektiver wären sinnvolle Teilerhebungen oder Stichproben.

„Wir hoffen, dass es in der nächsten Legislatur auch möglich sein wird, mit den dann Verantwortlichen über eine sinnvolle Reduktion von bürokratischen Überlastungen der Praxen in der Qualitätssicherung zu reden.“

Grundlegende Idee ist nachvollziehbar

Für die sektorenübergreifende Qualitätssicherung gibt es seit 2010 eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Idee dahinter ist aus Sicht der KBV durchaus nachvollziehbar, da immer mehr medizinische Leistungen sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt werden.

Entstanden sei mittlerweile jedoch ein komplexes und bürokratisches System, das mit enormem Aufwand verbunden sei, kritisiert die Ärztevertretung. Deshalb sei eine Neuausrichtung notwendig, denn es gehe um die Förderung der Qualität und nicht der Bürokratie.

Impulse zur Neuausrichtung

Die sQS soll zielgerichteter, differenzierter, weniger komplex und schlanker werden, heißt es in dem Positionspapier. Die Auswahl der Verfahren und Instrumente müsse sich am Ziel und an der Realität orientieren. Es müsse wieder gewährleistet sein, dass die Vorgaben der Qualitätssicherung die Versorgung verbessern und nicht zu einem Versorgungsverlust führen.

Zu den wichtigsten Impulsen für eine Neuausrichtung, die in dem Positionspapier definiert werden, gehören die Verringerung des Dokumentationsaufwands, eine Reduzierung der Qualitätsindikatoren und der Einsatz von Stichproben statt von Vollerhebungen.

Erfahrungen aus dem Praxisalltag in Videointerviews

Um Verbesserungspotenziale bei der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung aufzuzeigen, hat die KBV unter anderem Videointerviews mit Niedergelassenen geführt. Die insgesamt sechs Filme stellen den Alltag und die Erfahrungen von verschiedenen Fachärztinnen und Fachärzten mit der derzeitigen sQS in den Praxen dar und liefern Anregungen für Verbesserungen. Zwei Filme sind bereits auf der sQS-Themenseite zu finden, zwei weitere folgen in Kürze.

Die fünf wichtigsten Impulse zur Neuausrichtung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung

Für die Neuausrichtung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (sQS) hat die KBV ein Positionspapier verfasst, das Impulse definiert. Das sind die fünf wichtigsten:

Dokumentationsaufwand verringern

Ärzte sind teilweise länger mit zusätzlichen Dokumentationen beschäftigt als mit der eigentlichen Behandlung. Der Dokumentationsaufwand muss verringert werden, damit nicht aus Zeitmangel die Patientenversorgung gefährdet ist. Ärzte und Psychotherapeuten sollen nur das dokumentieren müssen, was hilft die Qualität zu verbessern.

Qualitätsindikatoren reduzieren

Ziel muss sein, die Versorgungsqualität anhand weniger Indikatoren und mit aufwandsarmen Methoden transparent zu machen. Fünf bis sechs Indikatoren pro Verfahren sollten dafür ausreichen. Damit sinken auch die Dokumentationsaufwände.

Stichproben statt Vollerhebung

Eine Rückbesinnung auf die grundsätzlich vorgesehenen Stichproben ist dringend geboten. Diese haben sich als ein zielführendes Instrument bewährt. Alle Verfahren der sQS basieren jedoch auf Vollerhebungen. Tausende von Datensätzen werden unnötig generiert, häufig manuell. Die bürokratischen Aufwände werden hierdurch immer höher.

Nutzen im Blick behalten

Angelaufene Maßnahmen zur Qualitätssicherung müssen immer wieder überdacht werden und unter Umständen dann reduziert oder beendet werden. Bislang mangelt es an Evaluation und dem Willen zu aufwandsarmen Verfahren. Der nachweisliche Nutzen muss den hohen Aufwand rechtfertigen.

Qualität fördern statt Sanktionen

Sanktionen stehen im Widerspruch zu einer Kultur des motivierten Lernens und Weiterentwickelns. Die sQS muss sich auf ihr eigentliches Potential fokussieren, Qualität zu fördern. Unterstützende Maßnahmen wie Qualitätszirkel müssen wieder mehr genutzt werden. Sanktionen können immer nur das letzte Mittel sein.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt. Auch werden Patienten im Verlauf einer Behandlung häufig in beiden Sektoren versorgt. Der Gesetzgeber hat deshalb den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) verpflichtet, Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln.

Seit 2010 gibt es eine entsprechende Richtlinie des G-BA. Aktuell ist dies die Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL), die 2019 die bis dahin geltende Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL) als Rechtsgrundlage für die sQS-Verfahren abgelöst hat.

Die Qualitätssicherung betrifft sowohl Leistungen, die in Praxen und Krankenhäusern angeboten werden, als auch sektorenübergreifende Behandlungsabläufe. Ziel ist eine gleich hohe Qualität in beiden Bereichen.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren

Bislang liegen drei sektorenübergreifende QS-Verfahren mit vertragsärztlicher Beteiligung vor:

  • Verfahren 1 „Perkutane Koronarinterventionen (QS PCI) und Koronarangiographie“,
  • Verfahren 2 „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI)“ und
  • Verfahren 4 „Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET)“.

Drei weitere Verfahren mit vertragsärztlicher Beteiligung – unter anderem das lokal begrenzte Prostatakarzinom – werden durch das IQTIG entwickelt und in den nächsten Jahren durch den G-BA umgesetzt.

Die weiteren QS-Verfahren der DeQS-RL betreffen in erster Linie die Krankenhäuser. Teilweise werden über diese Verfahren belegärztliche Leistungen miterfasst – beispielsweise im Verfahren 3 „Gallenblasenoperationen/Choleszystektomie (QS CHE)“.

Qualitätssicherung im ambulanten Bereich auf hohem Niveau

Der Großteil der Leistungen, die ambulant durchgeführt werden, unterliegt bereits einer zusätzlichen Qualitätssicherung. Für rund 50 Leistungsbereiche – von der Arthroskopie über onkologische Versorgung, Schmerztherapie, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen bis hin zu Zytologie – gibt es spezielle normative Vorgaben.

Hinzu kommen die strukturierten Disease-Management-Programme für chronische Erkrankungen.

Dass die Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung weiter stabil auf hohem Niveau läuft, zeigt auch der Qualitätsbericht der KBV.

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