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Honorarberichte: Starker Fallzahlrückgang zu Beginn der Pandemie – Umsätze leicht gesunken

28.10.2021 - Der Ausbruch des Coronavirus Anfang 2020 hat in den ersten Monaten der Pandemie zu einem starken Fallzahlrückgang in den Arztpraxen geführt. Die Zahl der Behandlungsfälle sank im zweiten Quartal um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Bei den Honorarumsätzen je Arzt ist ein leichtes Minus von 1,1 Prozent zu verzeichnen. Das geht aus den neuesten Honorarberichten der KBV zum ersten und zweiten Quartal 2020 hervor.

Größere Honorareinbußen konnten vor allem durch die gesetzlichen Regelungen zum Schutzschirm verhindert werden, wie KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen den PraxisNachrichten sagte. Er erinnerte daran, dass die Praxen gerade zu Beginn der Pandemie übermäßig viel hätten leisten müssen, auch wenn weniger Patienten aus Sorge vor einer Ansteckung mit Corona in die Praxen gekommen seien, betonte Gassen und fügte hinzu: „Der Behandlungs- und Zeitaufwand war einfach viel höher.“

Höhere Umsätze je Behandlungsfall

Ein Effekt der gesunkenen Fallzahlen sind die deutlich höheren Fallwerte im zweiten Quartal: Im Bundesdurchschnitt stieg der Honorarumsatz je Behandlungsfall um 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dazu beigetragen hat auch, dass die Krankenkassen die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) in der vereinbarten Höhe auszahlen mussten, auch wenn die Fallzahl niedriger war.

Im hausärztlichen Bereich sank die Anzahl der Behandlungsfälle coronabedingt im zweiten Quartal etwas stärker als bei den Fachärzten – und zwar um 13,3 Prozent. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall stieg im Bundesdurchschnitt um 11,4 Prozent. Dennoch weist der Bericht beim Honorarumsatz je Hausarzt ein Minus von 3,2 Prozent aus.

In den Facharztpraxen wurden im selben Zeitraum 10,9 Prozent weniger Fälle gezählt. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall lag im Schnitt um 14,4 Prozent höher als im zweiten Quartal 2019. Beim Honorarumsatz je Facharzt ergibt sich ein Plus von 0,1 Prozent.

Großes Plus bei extrabudgetären Leistungen

Die Gesamtvergütung erhöhte sich im Berichtszeitraum (zweites Quartal 2020) um 280,2 Millionen Euro (+2,7 Prozent) auf 10,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das größte Plus wurde bei den extrabudgetären Leistungen erzielt: Der Vergütungsanteil stieg um 21,8 Prozent. Zurückzuführen ist das vor allem auf das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), wonach Leistungen unter anderem für neue Patienten sowie für Patienten, die über die Terminservicestellen vermittelt werden, extrabudgetär vergütet werden.

Dagegen sank die MGV um 7,0 Prozent – vor allem infolge der Bereinigung um die TSVG-Leistungen, die extrabudgetär honoriert werden.  

Leichtes Honorarplus im ersten Quartal 2020

Im Honorarbericht für das erste Quartal 2020 sind die Auswirkungen der Pandemie dagegen noch kaum sichtbar. Der Honorarumsatz erhöhte sich in den ersten drei Monaten des Jahres im Bundesdurchschnitt um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Behandlungsfallzahl sank um 2,9 Prozent. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall stieg um 4,3 Prozent.

Die Gesamtvergütung wuchs um 311,1 Millionen Euro (+3,0 Prozent) auf 10,6 Milliarden Euro. Das größte Plus mit 24,3 Prozent wurde auch in diesem Zeitraum bei den extrabudgetären Leistungen erzielt. Grund sind vor allem die TSVG-Leistungen, die nunmehr außerhalb der MGV vergütet werden. Diese sank dagegen um 8,7 Prozent.

Haus- und Fachärzte im ersten Quartal

Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt im hausärztlichen Versorgungsbereich stieg in den ersten drei Monaten des Berichtsjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent. Der Umsatz je Behandlungsfall erhöhte sich um 1,2 Prozent.

Im fachärztlichen Versorgungsbereich ist der Honorarumsatz je Arzt um 1,2 Prozent und der Honorarumsatz je Behandlungsfall um 6,9 Prozent gewachsen.

Zuwächse bei Psychotherapeuten – Verluste bei Augenärzten

Deutliche Unterschiede sind bei den jeweiligen Fachgruppen sowohl bei Honorarzuwächsen als auch den Honorarverlusten in beiden Quartalen zu verzeichnen. Vor allem Augenärzte, Radiologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte müssen insbesondere im zweiten Quartal Honorarverluste hinnehmen.

Die höchsten Zuwächse in den großen Abrechnungsgruppen im fachärztlichen Bereich verzeichneten in den ersten drei Monaten Neurologen (+3,9 Prozent), HNO-Ärzte (+3,4 Prozent), ärztliche Psychotherapeuten (+2,7 Prozent) und Gynäkologen (+2,1 Prozent). Ein leichtes Plus konnten zudem Psychologische Psychotherapeuten (+1,0 Prozent), Kardiologen (+0,9 Prozent) und Radiologen (+0,6 Prozent) verbuchen.

Bei Fachärzten für Chirurgie (+/-0,0 Prozent) und Fachärzten für Dermatologie (+/-0,0 Prozent) gab es keine Veränderung.

Rückläufig sind dagegen die Honorarumsätze im Bundesdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr in den Fachgruppen Augenheilkunde (-3,7 Prozent), Anästhesiologie (-2,0 Prozent), Orthopädie (-0,8 Prozent) und Urologie (-0,4 Prozent).

Minus auch für Radiologen und Chirurgen

Spürbare Verluste mussten im zweiten Quartal vor allem Radiologen (-6,8 Prozent), Augenärzte (-5,6 Prozent), Chirurgen (-5,8 Prozent), Orthopäden (-3,5 Prozent) und HNO-Ärzte (-3,5 Prozent) hinnehmen.

Ein leichtes Minus beim durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt weist der Honorarbericht für Hautärzte (-1,0 Prozent) und Kardiologen (-1,6 Prozent) aus.

Dagegen konnten ärztliche Psychotherapeuten (+8,2 Prozent) und Psychologische Psychotherapeuten (+6,9 Prozent) mit Abstand das größte Plus verbuchen. Zuwächse des Honorarumsatzes je Arzt haben auch Fachärzte für Anästhesiologie (+0,1 Prozent), für Gynäkologie (+1,0 Prozent), und für Urologie (+0,3 Prozent) zu verzeichnen.

Honorarumsatz aus vertragsärztlicher Tätigkeit

Der Honorarumsatz wird häufig mit dem Einkommen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verwechselt. Der Honorarumsatz ist die Zahlung an den Arzt oder Psychotherapeuten für den Betrieb der Praxis und die Versorgung der Patienten. Der Umsatz ist nicht mit dem Nettoeinkommen gleichzusetzen.

Das Nettoeinkommen, also das Geld, das der Arzt/Psychotherapeut für seine Arbeit bekommt, beträgt durchschnittlich nur 25,5 Prozent des Honorarumsatzes. Aus den anderen 74,5 Prozent des Honorarumsatzes finanziert er

  • Praxiskosten, zum Beispiel für Personal, Miete, Energie und Versicherungen, medizinische Geräte. Diese Betriebsausgaben sind je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch. Sie betragen im Durchschnitt über alle Gruppen 48,1 Prozent des Honorarumsatzes.
  • Steuerzahlungen (16,3 Prozent)
  • berufsständische Altersversorgung (7,3 Prozent)
  • Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherungen (2,9 Prozent)

Erst nach Abzug aller Kosten erhält man das Nettoeinkommen, das dem Arzt persönlich zur Verfügung steht.

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