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Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der NS-Zeit verliehen

25.11.2021 - Der Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ist am Dienstag zum achten Mal verliehen worden. Mit dem Herbert-Lewin-Preis werden seit 2006 wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auseinandersetzen.

Den Preis verlieh die Jury für die Arbeit von Dr. Stephan Heinrich Nolte und Dr. Vera Trnka mit dem Titel „In den Grauzonen der Geschichte – der Prager Kinderarzt Berthold Epstein (1890-1962)“. Der Pädiater Berthold Epstein überlebte in Auschwitz als Häftlingsarzt und praktizierte nach der Befreiung in Prag.

Die preisgekrönte Arbeit ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem in Marburg niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt Nolte und der tschechischen Biochemikerin und Zeitzeugin Trnka, die als Kind von Shoa-Überlebenden 1946 in Prag geboren wurde.

Beispiel für deutsch-tschechisch-jüdische Verständigung

Dieses vorbildliche Gemeinschaftswerk liefert der Jury zufolge gleichzeitig ein eindrucksvolles Beispiel für die deutsch-tschechisch-jüdische Verständigung in der Gegenwart. Die Arbeit werfe außerdem ein bezeichnendes Licht auf die schwierige Situation und die weitere Anfeindung jüdischer Ärzte nach dem Nationalsozialismus in Osteuropa, wie am Beispiel der damaligen Tschechoslowakei gezeigt werde.

Zudem lobt die Jury die in deutscher und englischer Sprache erschienene jüdische Miniatur über das Leben der Kinderärztin Lucie Adelsberger von Benjamin Kuntz, die von großem Engagement für das Schicksal jüdischer Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus zeuge und auch Anstoß für weiteres Gedenken gegeben habe.

Historische Aufarbeitung

Ziel des Preises ist die historische Aufarbeitung, aber auch die Erinnerung an engagierte Ärztinnen und Ärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Zugleich soll das Interesse nachfolgender Generationen für die Aufarbeitung der Vergangenheit geweckt werden.

Prof. Dr. Herbert Lewin (1899-1982), nach dem der Forschungspreis benannt ist, war ein deutscher Arzt und von 1963 bis 1969 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Zum achten Mal ausgelobt

Das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die KBV hatten den Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus zum achten Mal ausgelobt.

Teilnehmen konnten Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Studierende sowie an medizinischen Fakultäten oder medizinhistorischen Instituten tätige Wissenschaftler.

Zur Jury gehören neben Vertretern der Auslober auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie der Bundesverband Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland.

Professor Dr. Herbert Lewin

Herbert Lewin wurde am 1. April 1899 in Schwarzenau geboren. Nach einem Medizinstudium arbeitete er in der jüdischen Poliklinik in Berlin, ab 1937 bis zu seiner Deportation durch die Nationalsozialisten als Chefarzt im jüdischen Krankenhaus in Köln. Nach seiner Befreiung nahm Lewin seine Arzttätigkeit wieder auf. In den Jahren 1963 bis 1969 bekleidete er das Amt des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er starb am 21. November 1982 in Wiesbaden (Quelle).

Am 4. Oktober 2004 wurde in Berlin der Platz an der Wegelystraße nach Herbert Lewin benannt. Dort hat auch die KBV ihren Sitz.

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