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PraxisNachrichten: Hinterher ist man immer schlauer

Kodierunterstützung ab Januar 2022: Übergangsfrist für PVS-Update mit neuen Funktionen bis Ende Juni

16.12.2021 - Die neue Kodierunterstützung wird zum Jahreswechsel eingeführt. Praxen, deren Softwaresysteme die neuen Funktionen anbieten, erhalten ein Update und wenden diese ab dem 1.  Januar an. Für Praxen, bei denen die Kodierunterstützung noch nicht integriert ist, ändert sich zunächst nichts. Softwarehersteller haben für die Bereitstellung längstens bis zum 30. Juni 2022 Zeit.

Ärzte und Psychotherapeuten erhalten mit der Kodierunterstützung eine Lösung aus einer Hand – von der Suche bis zur Auswahl eines Diagnosenkodes sind alle Funktionen im Praxisverwaltungssystem (PVS) integriert. Es gibt keine grundsätzlich neuen Regeln oder Vorgaben: Basis ist und bleibt die ICD-10.

Die Anwendung hilft vielmehr dabei, die vorhandenen, aber teils recht komplizierten Regelungen der ICD-10-GM noch besser anzuwenden und im Praxisalltag möglichst schnell und unkompliziert den passenden Kode zu finden. Hierfür werden neue und bewährte Funktionen kombiniert (siehe Infokasten unten).

Eine neue unterstützende Funktion ist der Kodier-Check. Er läuft im Hintergrund und wird zunächst bei einer Kodierung in den vier Diagnosenbereichen Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus und Folgen des Bluthochdrucks aktiviert – Krankheitsbildern mit hohen Fallzahlen und einer komplexen Kodierung.

Stellt der Kodier-Check Unstimmigkeiten fest, erhält der Arzt beispielsweise den Hinweis, dass ein spezifischerer ICD-10-GM-Kode vorhanden ist, und bietet für diesen direkt eine Auswahl zur Ergänzung oder Änderung an. Der Arzt kann den Kode ändern oder auch ablehnen.

Bewährte Funktionen wie die Kodesuche und die Kennzeichnung von Dauerdiagnosen und anamnestischen Diagnosen sind ebenfalls Teil der Kodierunterstützung. Sie wurden überarbeitet und stehen weiter für alle Diagnosebereiche bereit. Neu ist, dass neben der ICD-10-GM künftig auch die dafür vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte herausgegebene Verschlüsselungsanleitung im PVS enthalten ist.

Übergangsfrist bis Ende Juni 2022

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz war die KBV beauftragt worden, verbindliche Vorgaben zum Kodieren zu erstellen und zum 1. Januar 2022 einzuführen. Die Umsetzung der Kodierunterstützung in der Software ist Bestandteil der Zertifizierung von PVS-Systemen, die die KBV durchführt.

Im Laufe des Zertifizierungsverfahrens zeichnete sich ab, dass nicht alle Hersteller die neuen Funktionen bis zum Jahreswechsel umsetzen können und ihr Produkt zertifiziert haben würden. Daher hat die Vertreterversammlung der KBV am 3. Dezember 2021 eine Übergangsregelung beschlossen, die eine Verlängerung des Umsetzungs- und Zertifizierungszeitraumes vorsieht.

Damit erhalten die Softwarehersteller Zeit für die Bereitstellung der Kodierunterstützung längstens bis zum 30. Juni 2022.

Gleichzeitig müssen Praxen in diesem Übergangszeitraum die Kodierunterstützung nur soweit anwenden, wie das PVS die jeweils technischen Voraussetzungen erfüllt. Das heißt: Praxen, deren Softwaresysteme die Kodierunterstützung anbieten, wenden diese neuen Funktionen ab dem 1. Januar 2022 an, für Praxen, die noch nicht die neuen Funktionen der Kodierunterstützung in ihrem PVS haben, ändert sich zunächst nichts.

Eine aktuelle Übersicht der für die Kodierunterstützung zertifizierten Softwareprodukte stellt die KBV online bereit (siehe Infokasten unten).

Infoangebot für Praxen

Weitere Informationen hat die KBV in einem umfangreichen Serviceheft in der Reihe PraxisWissen zusammengestellt, das kostenlos bestellt werden kann (siehe „Mehr zum Thema“).

Darüber hinaus gibt es ein Informationsangebot im Internet sowie ein Erklärvideo, das Praxen bei der Einführung unterstützen soll.

Funktionen und Bausteine der Kodierunterstützung

Die Kodierunterstützung wird in der Praxissoftware bereitgestellt und kombiniert bekannte und neue Funktionen rund um die Kodierung. Sie bietet Praxen eine Lösung aus einer Hand – von der Suche bis zur Auswahl eines Diagnosenkodes. Denn alle Informationen der ICD-10-GM zum Kodieren sind in der Software enthalten. Langes Suchen oder Nachschlagen in Büchern oder im Internet, was bei komplexen Diagnosen der Fall sein kann, entfällt.

Kodesuche

Übersicht: Freitextsuche nach Kodes der ICD-10-GM

  • Suche kann fachgruppenspezifisch angepasst werden, sodass nur eine Auswahl von Kodes angezeigt wird
  • Freiwillige Nutzung

Beschreibung: Über die Kodesuche in der Praxissoftware können Praxen wie bisher Stichworte oder Kodes eingeben und bekommen Vorschläge angezeigt. Für eine schnellere und übersichtlichere Suche kann eine Fachgruppe voreingestellt werden, sodass nur eine spezifische Auswahl von Kodes angezeigt wird.

Aktion: Die Praxis kann den gefundenen Kode auswählen und übernehmen oder weitersuchen.

Benutzungshinweise

Übersicht: Hinweise aus der ICD-10-GM, zum Beispiel zur Meldepflicht einer kodierten Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz

  • Hinweise werden wie bisher beim Kodieren angezeigt

Beschreibung: Wurde ein Kode ausgewählt oder direkt eingegeben, zeigt die Software die in der ICD-10-GM hinterlegten Benutzungshinweise an (sofern vorhanden).

Beispiel: A37.0 Keuchhusten durch Bordetella pertussis: „Diagnosen dieses Kodes sind gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) in der Regel meldepflichtig.“

Aktion: Die Praxis kann den Kode anpassen und/oder beibehalten und übernehmen.

Neu: Verschlüsselungsanleitung

Übersicht: Hinweise aus der Verschlüsselungsanleitung des BfArM

  • Kodebezogene Hinweise oder Anzeige als Gesamtdokument möglich
  • Freiwillige Nutzung

Beschreibung: Künftig ist auch die Verschlüsselungsanleitung des BfArM hinterlegt, und die Praxis kann sich auf Wunsch einzelne Hinweise direkt bei der Kodeeingabe oder das Gesamtdokument anzeigen lassen.

Beispiel: Wird der Kode R55 G Synkope und Kollaps eingegeben, erscheint auf Wunsch der passende Hinweis zum Kapitel XVIII der ICD-10-GM Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind, und es wird erläutert, dass diese Schlüsselnummern in der Regel nur verwendet werden sollen, wenn auch nach entsprechender Diagnostik oder in Verbindung mit einem Zusatzkennzeichen keine spezifischere Diagnose gestellt werden kann.

Aktion: Die Praxis kann den Kode anpassen und/oder beibehalten und übernehmen.

Neu: Kodier-Check

Neu: Kodierregelwerk zur Plausibilisierung der gewählten Diagnosenkodes mit Hinweisen und Korrekturvorschlägen auf Basis der ICD-10-GM; zunächst für die Diagnosenbereiche: Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus und Bluthochdruckfolgen.

  • Kodier-Check kann direkt beim Kodieren oder bei der Abrechnung durchgeführt werden
  • Kodierregelwerk enthält obligate und fakultative Regeln für den Kodier-Check – fakultative Regeln können deaktiviert werden

So funktioniert der Kodier-Check

Dauerdiagnosen

Funktion zur Kennzeichnung von Dauerdiagnosen sowie zur Verwaltung und Unterstützung bei der Übertragung in die Abrechnung bleibt erhalten.

  • Freiwillige Nutzung

Ergänzend: Funktion zur Kennzeichnung von anamnestischen Diagnosen und deren Verwaltung und Unterstützung bei der Übertragung in die Abrechnung

  • Freiwillige Nutzung

Diagnosenbereiche Herzinfarkt und Schlaganfall

Neu: Prüfung bei Kennzeichnung eines Kodes als Dauerdiagnose, inwieweit dieser dafür geeignet ist

  • Hinweise werden beim Kodieren angezeigt

Neu: Quartalsübergreifender Dauerdiagnosen-Check – Kodierregelwerk zur Validierung der Patientendaten; prüft das dauerhafte Vorhandensein von Akutdiagnosen ebenfalls mit entsprechenden Hinweisen auf alternative Kodiermöglichkeiten

  • Freiwillige Nutzung

Weitere Infos zu Dauerdiagnosen und anamnestischen Diagnosen

Aktuelle Übersicht zertifizierter PVS mit Kodierunterstützung

Praxen können in einer regelmäßig aktualisierten Liste der KBV nachsehen, ob ihr Praxisverwaltungssystem die Kodierunterstützung bereits eingebunden hat. Weitere Informationen erhalten sie bei ihrem PVS-Anbieter.

Zulassungsliste Kodierunterstützung (PDF-Dokument)

Video-Tipp: Die Kodierunterstützung

Bluthochdruck, Grippe oder Mittelohrentzündung.
Bei solchen Krankheiten ist die Wahl des richtigen Diagnosekodes Routine.

Eine im Praxisverwaltungssystem integrierte Kodesuche oder Hinweise zur Abrechnung unterstützen Ärzte und Psychotherapeuten bereits jetzt.

Wird das Krankheitsbild aber komplexer, gestaltet sich die Suche nach einem passgenauen Diagnoseschlüssel mitunter schwierig.
In manchen Fällen kommen dann zusätzliche Nachschlagewerke zum Einsatz.
Ein Aufwand der zwar viel Zeit und Nerven kostet, sich aber bezahlt macht.
Denn: je genauer die Kodierung, desto besser lässt sich die Morbiditätsstruktur messen - und damit auch eine Veränderung im Behandlungsbedarf darstellen.
Und das hat Einfluss auf die vertragsärztliche Vergütung und die Zuweisung von Geldern an Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds.
Zur Umsetzung des gesetzlichen Auftrags aus dem TSVG hat die KBV eine Kodierunterstützung entwickelt, die in jedes PVS passt.

Damit wird das Kodieren einfacher, ohne neue Bürokratie zu erzeugen.
Zum 1. Januar 2022 stehen in den Praxisverwaltungssystemen bewährte, erweiterte und neue Funktionen bereit.

- Grundlage der Kodierung bleibt die ICD-10
- Es kommen keine Regeln oder Vorgaben hinzu.
- Bewährte Funktionen, wie die der Dauerdiagnosen, bleiben erhalten.
- Alle erforderlichen Informationen befinden sich nun an einem Ort.
- Und - ein neuer Kodier-Check unterstützt die Anwender direkt beim Kodieren.

Hierfür ist ein Kodierregelwerk in der Software hinterlegt - für zunächst vier Diagnosebereiche.
Nutzen und Aufwand werden regelmäßig überprüft; Diagnosebereiche aktualisiert und schrittweise erweitert.
Wählt der Arzt einen Kode aus einem dieser Bereiche, wird die Software im Hintergrund aktiv.
Ist alles korrekt - bemerkt der Anwender davon nichts.
Nur, wenn der Kodier-Check eine Unstimmigkeit erkennt, erscheint ein Korrekturvorschlag.
Bestätigt der Arzt diesen Vorschlag, wird die Auswahl automatisch in alle relevanten Bereiche des Praxisverwaltungssystems übertragen.
Ganz ohne Mehraufwand.
Die angebotenen Vorschläge helfen beim Kodieren, und der Arzt legt fest, ob eine Änderung des ICD-10-Kodes in dem konkreten Behandlungsfall zutrifft.
Denn die ärztliche Entscheidung hat auch weiterhin oberste Priorität.
Weitere Informationen zum Kodieren finden Sie auf der Themenseite – Kodieren - der KBV

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind seit dem Jahr 2000 gesetzlich verpflichtet, jede Behandlungsdiagnose so spezifisch wie möglich mit ICD-10-GM-Kodes zu verschlüsseln. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat der Gesetzgeber die KBV beauftragt, zum 1. Januar 2022 Regelungen zur Vergabe und Übermittlung der Kodes festzulegen. Die KBV hat den gesetzlichen Auftrag so umgesetzt, dass die Kodierung von Diagnosen umfassend durch die Praxisverwaltungssysteme (PVS) unterstützt wird: digital, aus einer Hand und mit Maß.

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