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Praxisnachrichten

Vergütung für Zweitmeinung vor Wirbelsäulen-Eingriffen geregelt

23.12.2021 - Für das Zweitmeinungsverfahren vor planbaren Eingriffen an der Wirbelsäule ist jetzt die Vergütung im EBM geregelt worden. Damit können auch Anästhesisten, Neurologen und Neurochirurgen die Aufklärung und Beratung ab 1. Januar abrechnen. Einen entsprechenden Beschluss hat der ergänzte Bewertungsausschuss gefasst.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte dazu bereits Details festgelegt – unter anderem welche Arztgruppen berechtigt sind und für welche Eingriffe an der Wirbelsäule das gilt (die PraxisNachrichten berichteten).

Präambel des EBM für Erstmeiner angepasst

Ärztinnen und Ärzte, die zu einer Operation an der Wirbelsäule raten, sind verpflichtet, ihre Patienten über ihren Rechtsanspruch auf eine Zweitmeinung zu informieren und nötige Unterlagen für den Zweitmeiner zusammenzustellen. Dafür können sie die Gebührenordnungsposition 01645 (75 Punkte / 8,34 Euro) abrechnen. Dies gilt bei allen Indikationen, für die der G-BA ein Zweitmeinungsverfahren vorsieht.

Mit der Anpassung des EBM ist sichergestellt, dass auch Anästhesisten mit der Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“, Neurologen und Neurochirurgen diese Leistung abrechnen können. Dazu wurde die Präambel der Kapitel 5.1 und 16.1 des EBM angepasst.

Ebenfalls berechtigt als Erstmeiner bei Operationen an der Wirbelsäule sind Orthopäden und Unfallchirurgen, Allgemeinmediziner und Hausarztinternisten mit der Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“ sowie Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Diese Ärzte konnten die Leistung bereits bei anderen Indikationen, bei denen Patienten eine zweite Meinung einholen können, abrechen.

Die Abrechnung der Zweitmeinung selbst ist ebenfalls im EBM geregelt und für alle Indikationen gleich. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.

Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Für den „Erstmeiner“ ist für die Eingriffe an der Wirbelsäule die neue bundeseinheitliche GOP 01645F vorgesehen.

Durch den „Zweitmeiner“ erfolgt eine Kennzeichnung aller im Zweitmeinungsverfahren durchgeführten und abgerechneten Leistungen als Freitext im Feld freier Begründungstext (KVDT‐Feldkennung 5009) mit dem Code 88200F.

Zweitmeinung nunmehr bei insgesamt sechs Eingriffen möglich

Da es eine Vielzahl möglicher Operationen an der Wirbelsäule gibt, hat der G-BA bestimmte Eingriffe als relevant für die Zweitmeinung definiert (siehe Infokasten). Bisher bestand schon bei diesen fünf Eingriffen, soweit sie planbar sind, Anspruch auf Zweitmeinung: Mandeloperationen (Tonsillektomie, Tonsillotomie), Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien), arthroskopische Eingriffe an der Schulter, Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom sowie Implantationen einer Knieendoprothese.

Kein Rechtsanspruch auf Zweitmeinung bei bestimmten planbaren Eingriffen besteht bei solchen Eingriffen, die aufgrund von akuten traumatischen Ereignissen oder aufgrund von akut auftretenden neurologischen Komplikationen notwendig sind. Gleiches gilt bei Eingriffen aufgrund von Tumorerkrankungen, da in beiden Fällen die vorgegebene Mindestwartezeit vor der Zweitmeinung nicht adäquat ist.

Details zur Zweitmeinung vor Eingriffen an der Wirbelsäule

Eingriffe an der Wirbelsäule

Bei der Indikation für einen der folgenden Eingriffe darf künftig eine Zweitmeinung eingeholt werden:

  • Osteosynthese (dynamische Stabilisierung) an der Wirbelsäule,
  • Spondylodese,
  • Knöcherne Dekompression,
  • Facettenoperationen (Facettendenervation, -Thermokoagulation, -Kryodenervation),
  • Verfahren zum Einbringen von Material in einen Wirbelkörper (mit oder ohne vorherige Wirbelkörperaufrichtung),
  • Exzision von Bandscheibengewebe oder
  • Implantation einer Bandscheiben-Endoprothese.

Anforderungen an Zweitmeiner

Durch eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung und damit zu hoher Zahlen bestimmter planbarer „mengenanfälliger“ Eingriffe verringert werden. Fachärzte folgender Fachrichtungen sind zur Zweitmeinung bei planbaren Eingriffen an der Wirbelsäule berechtigt:

  • Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Orthopädie
  • Chirurgie mit der Schwerpunktbezeichnung Unfallchirurgie
  • Neurochirurgie
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin
  • Neurologie
  • Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Anästhesiologie jeweils mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“

Diese nichtärztlichen Fachberufe können zur Beratung hinzugezogen werden:

  • Physiotherapeuten/-innen im Sinne des Masseur- und Physiotherapeutengesetzes (MPhG)
  • Krankengymnasten/-innen im Sinne des § 16 MPhG

Zweitmeinungsverfahren: Vergütung

Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen ärztliche Untersuchungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung zwingend erforderlich sind.

So werden die Leistungen vergütet:

„Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Die GOP ist mit 75 Punkten (8,34 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

„Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.

Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen ab dem Inkrafttreten des jeweiligen Zweitmeinungsverfahren befristet für drei Jahre extrabudgetär.

Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem Zweitmeinungsverfahren durch den „Erstmeiner“ ist für die Eingriffe an der Wirbelsäule die neue bundeseinheitliche GOP 01645F vorgesehen.

Durch den „Zweitmeiner“ hat eine indikationsspezifische Kennzeichnung aller im Zweitmeinungsverfahren durchgeführten und abgerechneten Leistungen als Freitext im Feld freier Begründungstext (KVDT‐Feldkennung 5009) ebenfalls für Eingriffe an der Wirbelsäule mit dem Code 88200F zu erfolgen.

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