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Praxisnachrichten

ASV künftig auch bei Hirntumoren und Darmerkrankungen

23.12.2021 - Das Behandlungsspektrum in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung, kurz ASV, wird im kommenden Jahr um Tumoren des Gehirns und der peripheren Nerven sowie um chronisch entzündliche Darmerkrankungen erweitert.

Die Details zu den neuen Krankheitsbildern in der ASV hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in zwei Anlagen zur ASV-Richtlinie festgelegt.

Die ASV ist ein Versorgungsbereich für Patientinnen und Patienten, die an einer seltenen Erkrankung oder einer Erkrankung mit besonderem Krankheitsverlauf leiden.

Tumoren des Gehirns und der peripheren Nerven

Das ASV-Team zur Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Tumoren des Gehirns und der peripheren Nerven muss sich – wie bei allen onkologischen ASV-Erkrankungen – aus ambulant und stationär tätigen Ärztinnen und Ärzten zusammensetzen.

Die Teamleitung können Fachärztinnen und Fachärzte für Hämatologie und Onkologie, Neurologie, Neurochirurgie oder Strahlentherapie übernehmen. Diese Ärzte bilden auch das Kernteam. Sollen auch endokrine Tumore behandelt werden, ist das Kernteam um die Fachgruppe Endokrinologie zu erweitern.

Der G-BA gibt in der neuen Anlage 1.1a Tumorgruppe 7 zur ASV-Richtlinie zudem sächliche und organisatorische Anforderungen vor. Dazu gehören unter anderem Mindestmengen. So muss das ASV-Team pro Jahr mindestens 50 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Diagnose behandeln. Darüber hinaus gelten arztbezogene Mindestmengen analog zur Onkologie-Vereinbarung.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Patientinnen und Patienten, die an einer der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Colitis indeterminata leiden, können künftig in der ASV von spezialisierten Teams aus Fachärztinnen und Fachärzten für Gastroenterologie und Viszeralchirurgie behandelt werden. Auch hier müssen Ärztinnen und Ärzte des ambulanten und stationären Bereichs vertreten sein. Novum ist, dass sich diese Regelung explizit auf das Kernteam bezieht.

Sobald Kinder behandelt werden, ist auch eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt in das Kernteam aufzunehmen – bevorzugt mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugend-Gastroenterologie.

Um an der ASV teilnehmen zu können, muss das Kernteam pro Jahr mindestens 100 Patientinnen und Patienten mit einer gesicherten Diagnose behandeln.

Zudem muss eine 24-Stunden-Notfallversorgung einschließlich einer intensivmedizinischen Behandlung möglich sein sowie eine Zusammenarbeit mit sozialen Diensten und Physiotherapie. Alle Details hat der G-BA in der Anlage 1.1c festgelegt.

Ministerium prüft zunächst Beschlüsse

Das Bundesgesundheitsministerium hat zwei Monate Zeit, die Beschlüsse des G-BA vom 16. Dezember zu prüfen. Erst mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger können interessierte Ärztinnen und Ärzte ihre Teilnahme als ASV-Team beim erweiterten Landesausschuss anzeigen und nach Erhalt der Berechtigung mit der Behandlung beginnen.

ASV-Indikationen

In der ASV können aktuell Patientinnen und Patienten mit den folgenden Erkrankungen behandelt werden:

Besonderer Krankheitsverlauf

  • Kopf- oder Halstumoren
  • Tumoren der Lunge und des Thorax
  • Hauttumoren
  • Urologische Tumoren
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • Gynäkologische Tumoren
  • Gastrointestinale Tumoren / Tumoren der Bauchhöhle

Seltene Erkrankungen

  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Sarkoidose
  • Hämophilie
  • Ausgewählte seltene Lebererkrankungen
  • Morbus Wilson
  • Mukoviszidose
  • Pulmonale Hypertonie
  • Marfan-Syndrom
  • Tuberkulose

Geplant für 2022

Im Jahr 2022 berät der Gemeinsame Bundesausschuss über neue ASV-Anlagen zu Knochen- und Weichteiltumoren sowie zu Multipler Sklerose.

Teilnahme: Von der Idee bis zur Arbeit in der ASV

Sie möchten als Ärztin oder Arzt in der ASV arbeiten? Die Teilnahme ist nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick vielleicht aussieht. Die KBV erklärt auf einer extra Internetseite Schritt für Schritt den Weg in die ASV. Mehr

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