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Praxisnachrichten

Eingeschränkte Wirksamkeit von Ronapreve® bei Omikron-Variante

12.01.2022 - Die Antikörperkombination Casirivimab/Imdevimab zur Behandlung und Prophylaxe von COVID-19 ist bei der sich ausbreitenden Omikron-Virusvariante möglicherweise nicht wirksam. Darauf deuten erste In-vitro-Neutralisationstests des unter dem Markennamen Ronapreve® zugelassenen Arzneimittels hin, wie das Bundesministerium für Gesundheit und das Paul-Ehrlich-Institut mitteilten.

Die In-vitro-Tests der auch in Deutschland als Therapieoption verfügbaren monoklonalen Antikörper Casirivimab und Imdevimab   haben eine deutlich verringerte Neutralisierungsaktivität gegenüber der Omikron-Variante ergeben, die auf eine geringere Wirksamkeit hindeutet.

Wirksamkeit gegenüber der Delta-Variante

Gegenüber der Delta-Variante und anderen derzeit zirkulierenden Virusvarianten habe das Arzneimittel seine Neutralisationsaktivität behalten und demzufolge „wahrscheinlich seine Wirkung“, erläutern das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in einem gemeinsamen Informationsschreiben.

Bei der Entscheidung über den Einsatz von Casirivimab/Imdevimab zur Therapie oder Prophylaxe sollte berücksichtigt werden, was über die Eigenschaften der zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten bekannt sei. „Wenn molekulare Test- oder Sequenzierungsdaten verfügbar sind, sollten diese bei der Auswahl der antiviralen Therapie berücksichtigt werden, um eine Anwendung bei Vorliegen von SARS-CoV-2-Varianten auszuschließen, die nachweislich eine geringere Neutralisationsempfindlichkeit gegenüber Ronapreve® aufwiesen“, heißt es in dem Schreiben.

Weitere Empfehlungen des BMG zum Einsatz von Ronapreve®

Das BMG rät darüber hinaus, bestimmte Maßnahmen in Bezug auf die Verwendung von Ronapreve® zu ergreifen. So solle in Regionen, in denen die Delta-Variante noch zirkuliere, die Antikörperkombination mit Casirivimab/Imdevimab weiterhin entsprechend der Indikationen großzügig eingesetzt werden.

Bei der Entscheidung über die Anwendung des Medikaments sollten die individuelle Exposition und das individuelle Risiko einer Infektion mit einer Variante, gegen die das Arzneimittel nicht wirksam sei, berücksichtigt werden. Auch Sequenzierungen, die das Vorliegen der Omikron-Variante nahelegten, könnten veranlasst werden, wenn das Ergebnis der Analysen zeitnah verfügbar sei. Die Diagnostik soll laut BMG jedoch die therapeutische Entscheidung nicht verzögern.

Bei ungewöhnlich langer Viruspersistenz und Seronegativität empfiehlt das Ministerium, die Sequenzierung vor der Verabreichung von monoklonalen Antikörpern abzuwarten und den Fall gegebenenfalls mit einem infektiologischen Zentrum zu diskutieren.

Therapieoption bei Risikopatienten

Die Antikörperkombination Casirivimab/Imdevimab steht in Deutschland seit Frühjahr 2021 bereit; seit November ist auch ein prophylaktischer Einsatz möglich. Sie stellt eine Option für Patienten dar, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung haben. Die Verabreichung erfolgt als intravenöse Infusion oder gegebenenfalls als subkutane Injektion. Seit November ist die Kombination in Europa unter dem Handelsnamen Ronapreve® zugelassen. Die Beschaffung des Medikaments erfolgt zentral über den Bund.

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