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Daratumumab

Handelsname: Darzalex®

Anwendungsgebiet:

  • Behandlung des Multiplen Myeloms bei Erwachsenen, die bereits mindestens eine Therapie erhalten haben, in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder Bortezomib und Dexamethason*

Pharmazeutischer Unternehmer: Janssen-Cilag

Beginn des Verfahrens: 15.08.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.02.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder Bortezomib und Dexamethason
  • Bortezomib in Kombination mit pegyliertem, liposomalen Doxorubicin oder
  • Bortezomib in Kombination mit Dexamethason oder
  • Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason oder
  • Elotuzumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason
Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen
b) Daratumumab als Monotherapie
  • patientenindividuelle Therapie nach Maßgabe des Arztes, insbesondere in Abhängigkeit von den Vortherapien sowie der Ausprägung und Dauer des Ansprechens sowie unter Beachtung der Zulassung der jeweiligen Arzneimittel
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Daratumumab ist seit Juni 2016 in Verkehr und war zunächst zugelassen zur Monobehandlung des Multiplen Myeloms bei Erwachsenen, die bereits mit einem Proteasom-Inhibitor und einem Immunmodulator behandelt wurden, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen konsentiert (Beschluss vom 01.12.2016). Seit August 2017 ist Daratumumab auch als Dreifachkombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder mit Bortezomib und Dexamethason in Verkehr.

Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens galt der medizinische Zusatznutzen von Daratumumab bereits durch die Zulassung als belegt. Der G-BA musste ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der in der Zulassungsstudie vom pharmazeutischen Unternehmer gewählten Vergleichstherapie bewerten. Nachdem aber für Daratumumab die Umsatzgrenze von 50 Millionen Euro überschritten wurde, fand eine erneute Nutzenbewertung für die Monotherapie (b) sowie eine erstmalige Bewertung für die Kombinationstherapie (a) statt.

Der pharmazeutische Unternehmer legte für die Dreifachkombination (a) zwei laufende, offene randomisierte kontrollierte Studien vor: die CASTOR-Studie für Daratumumab add-on zu Bortezomib und Dexamethason im Vergleich zu Bortezomib und Dexamethason sowie die POLLUX-Studie für Daratumumab add-on zu Lenalidomid und Dexamethason im Vergleich zu Lenalidomid und Dexamethason. Im Rahmen der Nutzenbewertung wurde eine metaanalytische Auswertung der beiden Zwillingsstudien vorgenommen, da das Design der Studien mit Ausnahme der jeweiligen Begleit- und Kontrolltherapie sehr ähnlich war und die berichteten Effekte für fast alle betrachteten Endpunkte homogen waren. In der Metaanalyse zeigte sich unter der Kombinationstherapie ein großer Vorteil beim Gesamtüberleben. Nachteile gab es bei den schweren unerwünschten Ereignissen CTCAE Grad ≥ 3 sowie bei einzelnen nicht schwerwiegenden Nebenwirkungen. Vor diesem Hintergrund hat der G-BA einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen konsentiert.

Für die Monotherapie (b) legte der pharmazeutische Unternehmer erneut die einarmige, offene Phase-II-Zulassungsstudie SIRIUS vor. Als Vergleich zog er diesmal eine retrospektive Beobachtungsstudie heran. Der Vergleich war nach Ansicht des G-BA allerdings für die Nutzenbewertung nicht geeignet. Deshalb wurde der Zusatznutzen als nicht belegt bewertet.

Hinweise für die Praxis

1. Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Daratumumab muss durch in der Therapie von Patienten mit multiplem Myelom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie erfolgen.

Gemäß der Vorgaben der EMA hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Risikominimierung muss der pharmazeutische Unternehmer Schulungsmaterial und einen Patientenausweis zur Verfügung stellen. Das Schulungsmaterial für das medizinische Fachpersonal und Blutbanken enthält Anweisungen zum Umgang mit den durch Daratumumab bedingten Risiken für Interferenzen mit Blutgruppenbestimmungen (indirekter Antihumanglobulintest bzw. Coombs-Test). Die durch Daratumumab induzierten Interferenzen mit Blutgruppenbestimmungen können bis zu sechs Monate nach der letzten Infusion des Arzneimittels bestehen. Deshalb soll das medizinische Fachpersonal die Patienten darauf hinweisen, ihren Patientenausweis bis sechs Monate nach dem Behandlungsende mit sich zu tragen.

2. Praxisbesonderheit

Daratumumab wird ab dem ersten Behandlungsfall als Praxisbesonderheit anerkannt. Dies gilt für die Anwendungsgebiete, bei denen der Gemeinsame Bundesausschuss einen Zusatznutzen festgestellt hat.

Vereinbarung über die Anerkennung der Verordnung von Daratumumab als Praxisbesonderheit