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Impftermine über 116117: Was die Nummer leisten kann

Die Impftermin-Buchung in NRW hat die 116117 an ihre Grenzen gebracht. Warum?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Der Start war wie erwartet holprig. Das hatten wir auch der Landesregierung unmissverständlich und schriftlich mitgeteilt. Wenn sie über 1 Million über 80-Jährige aufruft, gleichzeitig sich impfen zu lassen oder Termine zu buchen und jedem bekannt ist, das nicht annähernd genug Impfstoff für alle da ist, dann gibt es einen Run in den ersten Minuten. So wie bei einem Stones-Konzert, wenn alle Karten wollen, und dann brechen die Leitungen zusammen. Das ist völlig normal. Das haben wir antizipiert. Das haben wir vorhergesagt. Das ist dennoch so gemacht worden und das ist jetzt auch so gekommen. Am Abend waren dann allerdings in Westfalen z.B. über 200.000 Termine vergeben, d. h. im Lauf des Tages hat sich das normalisiert. Die Systeme haben sich stabilisiert und es gibt Termine. Es gibt allerdings keinen Impfstoff für so viele Menschen.“


Warum muss es überhaupt die 116117 sein?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Das war für uns ein schwieriges Ringen. Die Bundesregierung hat sehr früh klar zu erkennen gegeben, dass die 116117 die einzige Nummer ist, die bundesweit bekannt ist, die dafür geeignet ist. Es gibt die 112, die 110. Die kommen aus naheliegenden Gründen nicht in Frage und darüber hinaus gibts nur noch 116117 - Fluch unseres Erfolges. Und wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass zwar die Nummer genutzt werden könne, dann aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen. Eine Bedingung war z.B. wir haben eine Bestell-System gefordert, für die zu Impfenden, dass sie einbestellt werden. Zweitens haben wir gesagt, es darf nur Kohorten aufgerufen werden, die auch wirklich versimpft werden können. Also nur so viele Menschen aufrufen, wie auch Impfstoff da ist. All das ist nicht getan worden. Seit kurz nach Weihnachten sind flächendeckend Fernseh-Anzeigen fürs Impfen geschaltet und dort wird suggeriert, dass jeder, der einfach anruft, einen Impf-Termin bekommt. Das war so nie geplant. Das haben wir immer abgelehnt, haben wir gesagt. Das geht schief. Und dennoch ist es so gemacht worden Die Nummer nicht anzubieten, hätte bedeutet, dass trotzdem Menschen bei dieser Nummer anrufen. Das erleben wir z.B. in Hessen, wo es ja noch größere Wellen schlägt. Denn dort rufen die Menschen, wenn sie bei der 116117 nicht durchkommen, die 1 12 an, und das zeigt, dass unsere Sorge berechtigt war, dass wenn wir die Nummer nicht angeben, sie trotzdem angerufen wird, und wir hätten dann überhaupt keinen Hintergrund gehabt, um diese Anrufe weiterzuleiten. Zurzeit werden die Anrufe weitergeleitet an Callcenter, die die Länder oder der Bund betreiben, das betreiben also nicht wir. In einzelnen Fällen betreiben KVen im Auftrag der Länder diese Callcenter für die Impf-Termine. Es ist grundsätzlich die Verantwortung aber bei Land und Bund.“

Wie kann die Impftermin-Buchung dann verbessert werden?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Solange der Impfstoff weiter so knapp bleibt, halten wir nach wie vor ein Einbestell-System für das einzig richtige und das einzige System, was unaufgeregt funktioniert und Preußler-Straub von der Barmer hat deutlich gesagt, das wäre für die Krankenkassen kein Problem, ein solches Einladungs-System zu initiieren und er wundere sich, warum das nicht getan würde. Das kann ich nur unterstreichen."

Wie soll das laufen, wenn deutlich mehr Menschen geimpft werden können?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "Wenn genug Impfstoff da ist, dass wir in den Praxen impfen können, dann brauchen wir das Ganze nicht mehr. Denn dann kann man der Bevölkerung einfach nach Alterskohorten sagen, jeder vor dem Soundsovielten Soundsovielten Geborene soll sich mit seinem oder seiner Ärztin in Verbindung setzen und bekommt dann dort einen Termin. Wenn in den Praxen ausreichend Impfstoff vorhanden ist, dann können wir ohne weiteres dort impfen. Lassen Sie mich ein Zahlen-Beispiel geben: Wenn nur 50.000 Vertragsarzt-Praxen teilnehmen an einer solchen Impfung, jede nur 20 Menschen am Tag impft, während das eine Millionen Bürgerinnen und Bürger am Tag, die geimpft werden können. Sie sehen, was für eine unglaubliche Menge man da verimpfen kann, wenn genug Impfstoff da ist. Ein weiterer Vorteil wäre, dass diese Menschen nicht einmal weit irgendwo hinmüssten, so wie jetzt in Impf-Zentren."

Was kann die 116117 leisten?

Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: "116117 selbst ist für etwas völlig anderes konzipiert. Sie hat zwei Funktionen, die eine Funktion ist, Termine nach dem Termin-Service-Gesetz zu vermitteln, Termine bei Fachärzten, Termine auch bei Hausärzten, bei Psychotherapeuten. Folge-Termine, Spezialisten-Termine. All dies leistet die 116117 arbeitstäglich. Darüber hinaus ist sie zu den sprechstundenfreien Zeiten auch die Akut- und Notfallnummer für den ambulanten Akut- und Notfalldienst bei der oder unter der Bürgerinnen und Bürger Hilfe bekommen. Unterhalb des Levels des akuten lebensbedrohlichen Notfalls, wo dann die 1 12 geboten ist. Das leistet 116117 unter normalen Umständen auch tadellos. Die 116117 liefert also technisch genau das, was sie liefern soll. Sie liefert das umfänglich und zuverlässig und stabil. Das Problem liegt an einer falschen Erwartungshaltung, die der Bevölkerung suggeriert wird, nämlich dass jeder gleichzeitig drankommen kann, einen Impf-Termin zu bekommen. Und das kann nicht funktionieren und das wird nicht funktionieren.“

Die 116117, bekannt als Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienst, übernimmt nun auch Aufgaben bei der Organisation der Corona-Impfung. Wiederholt kam es dabei zu Problemen via Telefon oder Website. Nicht unerwartet kam das für Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, der ein ganz anderes Vorgehen bei der Einladung der Impfberechtigten vorschlägt.