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Budgetierung einschränken: Grundleistungen voll vergüten

Welchen Anreiz muss die Politik bieten, um eine Ausweitung der Sprechstunden durchzuset-zen?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Na, der Anreiz müsste schon erheblich sein, denn die Arbeitsbelastung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ist ja bereits jetzt sehr hoch. Sie wissen, die durchschnittliche Arbeitszeit liegt deutlich über 50 Stunden die Woche. Sicherlich wäre ein pekuniärer Anreiz insofern notwendig, weil wir uns in der unglücklichen Situation befinden, dass wir seit Jahren eine Budgetierung haben, die dazu führt, dass in den meisten KVen hohe Abstaffe-lungsquoten bestehen, das heißt also dass Ärzte und Psychotherapeuten in der Regel für ihre Leistungen aus der MGV nur Anteile bezahlt bekommen. In der Regel werden 10 bis 20 Prozent des Honorars nicht ausgezahlt.“

Sie fordern also das Ende der Budgetierung?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das wäre die grundsätzliche Forderung. Die bleibt auch unverändert bestehen. Die Ab-schaffung der Budgetierung wäre natürlich auch bei den übervollen Kassen der Krankenkas-sen sicherlich auch in einem Zug ein großer Schritt. Von daher haben wir uns aus meiner Sicht sehr moderat geäußert, haben gesagt, wir fordern zunächst die Entbudgetierung der Grundleistungen und als Grundleistungen verstehen wir die mit dem Erstkontakt vergesell-schafteten Pauschalen im haus- und fachärztlichen Versorgungsbereich.“

Um wlche Summe geht es dabei?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Die Summe ist gar nicht so hoch. Wir haben 660 Millionen Behandlungsfälle im Jahr und fast 1,2 Milliarden Arzt-Patienten-Kontakte, und die Summe, die für die Ausbudgetierung dieser Grundleistungen erforderlich wäre, würde den Einzelfall – also die 660 Millionen Fälle – um noch nicht mal 1 Euro verteuern, also eine Größenordnung von einer runden halben Milliarde.“

Was würde die Entbudgetierung für die Versorgung bedeuten?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Zum einen wäre es ein Signal an die Ärzte und Psychotherapeuten, dass Leistung, die er-bracht wird und angefordert wird, auch bezahlt wird. Es ist ein Unding, dass das nicht der Fall ist. Und zum andern könnte man so natürlich durch beim ein oder anderen noch die Mo-tivation wecken, noch mehr als die ohnehin schon große Arbeitsbelastung zu leisten. Das wird nicht bei allen verfangen, das werden wir auch nicht bei allen brauchen, aber wenn man noch Sprechstunden heben will, Arztzeit heben will, dann ist es natürlich völlig undenkbar, das zu tun, so lange man die bisher geleistete Arztzeit nicht vollständig vergütet.“

Wie schätzen Sie die Chancen ein, diese Forderung durchzusetzen?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das wird man sehen. Ich halte des Vorschlag für sachgerecht. Er addressiert das Problem der Erstkontakte, also der angeblichen Terminnot. Die würde damit aus Sicht der KBV beho-ben und das wäre natürlich auch ein klares Signal an die Ärzte und Psychotherapeuten, dass erbrachte Leistungen, angeforderte Leistungen auch bezahlt werden.“

Was, wenn die Entbudgetierung nicht kommt?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Wenn die Forderung, die die KBV aufgestellt hat, in der Form nicht kommt, wir also unver-ändert mit Quotierungen von 10 bis 20 Prozent Abstaffelung leben müssen, dann kann ich mir nicht vorstellen, wie in diesem Rahmen dann mehr Sprechstundenzeiten auf die Straße zu bringen sein sollen.“

Ärzte sollen mehr Sprechstundenzeit für Patienten anbieten, auch wenn sie im Schnitt bereits 50 Stunden in der Woche arbeiten. So steht es im Koalitionsvertrag. Der Ärger über diesen Eingriff in die ärztliche Freiberuflichkeit ist groß. Zumal viele Leistungen durch die Budgetierung nicht einmal bezahlt werden. Welche Anreize die Politik setzen müsste, um die Ärzteschaft zum Entgegenkommen zu bewegen, erläutert Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.