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Omikron-Welle in den Praxen

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation in den Praxen ein?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Die Praxen sind wieder hoch belastet. Zum einen haben wir insgesamt Atemwegsinfekte, so wie sie für die Jahreszeit in anderen Jahren auch üblich sind. Zum zweiten sind aber tatsächlich jetzt Höchststände, was Covid-positive Patienten angeht, da, die wir so noch nicht hatten in der Pandemie. Wichtig ist dabei, dass von diesen Patienten die ganz überwiegende Mehrheit symptomarm oder symptomfrei ist oder leichte Symptome oberer Atemwegsinfekte hat. Und das ist ganz wichtig, weil das dazu führt, dass wir natürlich in der Art des Umgangs mit diesen Patienten - Behandlungen, Quarantäne etc. - uns auch darauf einstellen müssen.“

Wie ist das Infektionsgeschehen beim Praxispersonal?

„Bei der Art, wie sich Omikron verbreitet, nämlich ganz schnell und eigentlich bei fast allen - selbst wenn man geimpft ist, ist ja doch die Chance, Omikron zu akquirieren, relativ hoch - ist natürlich auch das Praxispersonal, sind die Mitarbeitenden davon betroffen. Da aber, noch mal, die ganz überwiegende Mehrheit glücklicherweise nach allen bisher vorliegenden Daten nicht schwer oder ernsthaft krank wird, war es höchste Zeit, zum Beispiel die Quarantäne-Regeln anzupassen. Das muss auch weiter immer wieder evaluiert werden und auch das Test-Regime muss sicher wieder auf medizinische Ursprünge zurückgeführt werden. Medizinisch ist immer so, dass Labor nur gemacht werden soll, wenn es klinische Konsequenzen hat. Da ja die Nachverfolgung aufgegeben wurde. Das ist bei den Mengen nicht mehr möglich. Das haben auch die Gesundheitsämter längst konzediert und insofern müsste hier auch ein Umdenken, ein Neudenken erfolgen.“

Bilden die Praxen weiterhin einen Schutzwall?

„Mehr denn je. Denn wie eben beschrieben, sind tatsächlich die Zahl der Covid-positiv Getesteten höher als je zuvor in der Pandemie. Gott sei Dank nicht die der Schwerkranken. Würden die Praxen aber wegbrechen und würde dieser Schutzwall auch nur ein Leck haben, würden die Krankenhäuser untergehen. Das ist Gott sei Dank nicht der Fall. Und auf die Praxen ist und wird auch weiterhin Verlass sein.“

Welche Schutzmaßnahmen helfen den Praxen bei Ihrer Arbeit?

„Das Wichtigste ist natürlich nach wie vor, die Atemschutzmasken sowohl bei Patienten als auch bei dem Personal, und zwar FF2-Masken, sorgfältig und richtig sitzend zu tragen, und ansonsten können die Praxen gut mit solchen Infekten und Infektionskrankheiten umgehen. Was das Test-Regime angeht, muss es eine Konzentration auf die klinischen Fälle, auf die Notwendigkeit, Therapien eventuell einzuleiten, also auf Menschen, die krank sind, geben. Eine Fokussierung, so wie wir sie sonst auch kennen und die Quarantäne-Regeln, müssen so sein, dass nicht ganze Praxen oder Strukturen lahmgelegt werden.“

Was fordern Sie noch für die Praxen?

„Ich glaube, es ist mehr als höchste Zeit, dass auch die Mitarbeitenden in den Praxen, die sowohl in den Praxen seit zweieinhalb Jahren den Schutzwall bilden und wirklich Ungeheures leisten, Großartiges leisten, als auch privat natürlich, wie wir alle als Eltern, als Partner, als Arbeitnehmer betroffen sind von der Pandemie. Und diese Belastung bisher in kaum einer Form ernsthaft gewürdigt wurde. Und es gab ja Boni-Zahlungen an alle möglichen, die das sicher auch verdient haben, aber eben nicht an die medizinischen Angestellten in den Praxen. Und das wird höchste Zeit, dass solche Bonuszahlungen als Dank des Staates, der Gesellschaft auch an diese Klientel wirklich ausgelobt werden.“

Die Omikron-Welle hat Deutschland und damit auch die Arztpraxen erreicht. Wird die ambulante medizinische Versorgung weiter der Schutzwall für die Krankenhäuser sein können? Diese Frage beantwortet Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV und erläutert zudem, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um das abzusichern.