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eAU und eRezept sind noch nicht reif für Regelbetrieb


Wie steht es um die Einführung der eAU?

Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied: "Ich könnte fast sagen, das würden wir auch gerne wissen. Wir haben nach einigen Irrungen und Wirrungen in der Öffentlichkeit jetzt eine klare Aussage auch noch mal vom BMG bekommen. Ein Schreiben, das besagt, dass nach Auskunft des BMG zum 1.7., zum 1. Juli dieses Jahres die eAU regelhaft umgesetzt werden soll. Das bedeutet natürlich, dass zu diesem Zeitpunkt auch alle Technik in den Praxen installiert und funktionsfähig sein muss. Wir hatten ja im letzten Jahr eine Testphase, die war nicht sehr erfolgreich. Und sie hat auch dazu geführt, dass die neue Regierung Ende letzten Jahres schon gesagt hat, die verpflichtende Einführung der eAU zum 1. Januar wird verschoben zum 1.7. und wir gehen davon aus, dass diese Zeit ausreicht, die Technik bereitzustellen und funktionsfähig zu machen. Wenn nicht, dann werden wir selbstverständlich auf das BMG zugehen und sagen die Technik ist nicht ausgereift, es geht noch nicht, die Versorgung leidet darunter. Aber zurzeit gehen wir davon aus, dass der 1. 7. zu halten sein wird."

Was sollten Praxen jetzt tun?

"Sie sollten sich auf jeden Fall drum kümmern, dass sie die notwendigen Komponenten beschaffen. Die sind weitgehend am Markt verfügbar. Manchmal ausgetestet. Manche Hersteller bieten es noch nicht an. Die Ärzte, die Praxen sollten sich frühzeitig drum kümmern und dann möglichst, wenn es geht, auch einmal ausprobieren, ob es klappt. Wenn die Technik klappt, wenn alles klappt, sollten sie das auch schon einsetzen. Das ist ja dann praktisch das vorgezogene Inkrafttreten. Aber es gibt in vielen Fällen auch Probleme. Und dann ist es so: abgestuftes Vorgehen. Empfehlung wäre zunächst mal, wenn das PVS angepasst ist, dann bitte den neuen Ausdruck machen, den sogenannten Stylesheet, den Patienten mitgeben, unterschreiben und mitgeben, wie das alte Papierverfahren. Und auch wo das nicht funktioniert, da kann auch das alte Papier genommen werden, wenn das Muster 1 noch vorhanden ist, Muster 1 nehmen, bis eben die Technik steht."

Probleme scheint es beim KIM-Dienst zu geben…

"Ja, da hören wir gerade, das ist eine der wichtigen Komponenten für die Übertragung der elektronischen Arbeitsunfähigkeit, da hören wir aus vielen Praxen, dass es sehr schwierig ist, diesen KIM-Dienst sicher zu installieren. Und viele Ärzte können das nicht selbst machen, weil die Technik nicht so eingängig ist, wie ein E-Mail-Client zu installieren. Also brauchen sie häufig Technik. Das kostet a) Geld. Und b) sind die Techniker nicht jederzeit verfügbar und insofern ist das auch eine Verzögerung. Wir hoffen, dass es auch im Laufe des ersten Halbjahres durchaus möglich ist, in jeder Praxis einen Dienst zu installieren."

Wie sieht es beim eRezept aus?

"Beim eRezept sind wir Gott sei Dank in einer anderen Phase. Wir haben noch keine verpflichtenden Termine für die Einführung. Das ist auch notwendig, weil es die größte Massenanwendung in der Versorgung ist. Sie wissen, wie viele Millionen Rezepte, im Jahr über 600 Millionen Rezepte werden ja ausgestellt. Das muss klappen. Das ist auch ein Thema in jeder Praxis. Und wir können es nicht erlauben, dass die Praxen dadurch behindert werden, in ihrer Versorgung. Und es ist wichtig, das hat auch die Politik erkannt. Und wir haben auch immer deutlich darauf hingewiesen, dass der Test im letzten Jahr mit etwa 40 erfolgreich versandten Rezepten in der Region Berlin Brandenburg natürlich in keiner Weise ausreichend war, um eine solche Massenanwendung für alle Praxen zu testen. Und deshalb sind wir froh, dass es keine verpflichtende Terminierung gibt, sondern dass das Ergebnis der Umsetzung des Regelbetriebs davon abhängig gemacht wird, wie die Tests aussehen und wie die Tests ausfallen, dass sie erfolgreich sein müssen."

Halten Sie die jetzige Testphase für ausreichend?

"Jein. Dazu muss ich differenzieren. Die Gematik geht davon aus, dass es ausreicht, wenn mindestens 30.000 Rezepte erfolgreich im Bundesgebiet versandt sind. Das ist sicherlich schon ein Markt, wo man sagen kann, es scheint zu klappen, aber für uns ist das kein ausreichender Test. Man kann nicht das ganze Bundesgebiet, alle Praxen dazu nehmen, im Prinzip Testlabor zu sein, die Praxen haben etwas anderes vor. Und deshalb ist unsere Forderung im Rahmen dieser Testphase, dass man Regionen definiert, wo ausreichend repräsentativ die Beteiligten zusammenkommen, also das heißt genügend Ärzte mit genügend PVS-Systemen, Apotheken und auch die übrigen Beteiligten, wo das dann ausprobiert werden kann. Das nützt ja nichts, wenn in einer Region es klappen würde mit meinetwegen auch 30.000 oder mehr erfolgreich versandten Rezepten. Wichtig ist auch eine wissenschaftliche Evaluation, denn es bedeutet ja, wir wollen ja auch wissen, warum ein Rezept gut versandt worden ist oder wenn es hakt, woran hat es gehakt. Damit wir diese Dinge auch korrigieren können, damit wirklich bei der verpflichtenden Einführung und Umsetzung es in jeder Praxis ganz, ganz einfach klappt. Ich erinnere nur an das Thema Komfortsignatur. Das ist eine Anwendung, die muss in der Praxis laufen. Die darf nicht zu zusätzlichem Aufwand in den Praxen führen. Und deshalb die klare Forderung nach einem geregelten, wissenschaftlich begleiteten Modell-Versuch."

Wie können sich Praxen auf das eRezept vorbereiten?

"Sie können im Prinzip dasselbe tun, was auch bei der eAU ist. Erstmal sich der Technik bedienen. Sobald sie das das wissen von Ihren Systembetreuern, dass die Geräte zur Verfügung stehen, anschaffen. Und wenn sie mögen, wenn das klappt bei ihnen in der Praxis, auch schon mal ausprobieren. Das kann man nur jedem empfehlen, denn auch die Technik, wie gesagt, kann sein, dass der einzelne Hersteller nicht genügend Techniker hat, wenn man Techniker braucht, sein System anpassen muss. Das sollte man auf jeden Fall schon nutzen und auch umsetzen. Und wer Interesse hat bei den Praxen, sollte sich bitte auch melden, für die Tests zur Verfügung stellen. Wer Interesse hat, der das ausprobieren will. Das ist auf jeden Fall gut für das gesamte System, dass wir möglichst viele Testungen haben, wissen, dass es funktioniert."

Wann halten Sie die Testphase für abgeschlossen?

"Die Testphase ist für mich abgeschlossen, wenn wir die Meldungen haben aus den niedergelassenen Praxen, die das schon ausprobiert haben, aber auch vor allem aus dem Test, dem regulierten Test, wenn die wissenschaftliche Evaluation uns zeigt, ja, es hat geklappt und wo es nicht geklappt hat, da haben wir die Fehler erkannt und die haben wir auch korrigiert. Und dann können wir sagen - ja, es klappt, wir können es umsetzen, denn die Ärzte wollen das ja, sie wissen ja, das eRezept kommt. Viele sagen auch okay, ist vielleicht sogar, wenn es klappt, auch eine Erleichterung. Aber es muss klappen und nicht wie heute, dass man das 3- bis 4-fache an Zeit braucht, um sein Rezept raus zu schicken. Das kann es nicht sein. Und deshalb klare Abnahme in der gematik, auch dass wir als Gesellschafter die Ergebnisse der Modellversuche und des wissenschaftlichen Begleitens sehen, bewerten und sagen, okay, können wir freigeben, passt."

Neue digitale Anwendungen dürfen erst verpflichtend in die Praxen kommen, wenn sie ausreichend getestet sind und reibungslos funktionieren. Das gilt auch bei der eAU und dem eRezept. Den aktuellen Stand stellt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel dar.