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Reform der Notfallversorgung: 116117 übernimmt Steuerung rund um die Uhr

Es heißt, die Ärzte in Praxen würden zu wenig arbeiten.
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das ist ein Gerücht, mit dem wir endlich mal aufräumen müssen. Insgesamt steigt die Inanspruchnahme, steigt die Leistung und die gelieferte Arbeitszeit der Ärztinnen und Ärzte und Psychotherapeuten kontinuierlich an, und zwar nicht nur im Notfallbereich, sondern auch im Bereich der Regelversorgung.“

Wie ist das gerade im Hinblick auf die Notfallversorgung?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Dadurch, dass die Inanspruchnahme sich verändert hat, dass Menschen 24/7 medizinische Probleme gelöst haben wollen und sehr wenig differenzieren in wirklich ernsthafte, bedrohliche Notfälle und Dinge, die sie einfach sofort erledigt haben wollen – das ist die Generation App – wird das Personal, das wir dafür einsetzen können, immer knapper. Und um eine solche 24/7-Versorgung tatsächlich überall sicherzustellen, braucht man dringend dieses Personal, und das haben wir nur einmal, und deswegen ist unsere wichtigste Aufgabe, diese Ströme zu kanalisieren und zu steuern.“

Was trägt die KBV dazu bei?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Die KBV hat mit ihrem Konzept 2020 und den Erweiterungen dieses Konzepts bereits schon längst begonnen umzusetzen, dass zum Beispiel die 116117 flächendeckend 24/7 erreichbar ist, dass die ersten Portalpraxen gebildet werden über die schon bestehenden, schon lange bestehenden Portalpraxen hinaus, die es ja schon zum Teil seit vielen Jahren und manchmal Jahrzehnten gibt, die Bereitschaftspraxen, die Bereitschaftsdienste zu aktualisieren, zu modernisieren. Da wird ungeheuer viel unternommen mit regional sehr unterschiedlichen Ausprägungen, was notwendig ist, weil die Strukturen regional sehr unterschiedlich sind.
Das können Sie sich vorstellen, dass ein Bundesland wie Hamburg völlig andere Herausforderungen zu meistern hat als Hessen mit großen ländlichen Räumen, anders als Thüringen, wieder mit einer ganz anderen Struktur. Sodass also dort von der Partnerpraxis an den Kliniken bis hin zu Portalpraxen, die dahinter geschaltet sind, von Terminservicemöglichkeiten, die über diese 116117 angeboten werden, wie es in Hamburg der Fall ist. Es gibt fahrende Bereitschaftsdienste eigentlich fast überall, es gibt Bereitschaftspraxen, kinderärztliche sowie allgemeinmedizinische, es gibt andere Bereitschaftsdienste. Das heißt, es gibt einen ganz bunten Strauß im Hintergrund. Für den Bürger und den Patienten bleibt es immer gleich: Über die 116117 wird geholfen.“

Was soll die 116117 perspektivisch leisten?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Man muss im Grunde versuchen, den Patient, den Bürger schon da zu erreichen, wo sein Problem beginnt. Wenn er das Gefühl hat, er braucht medizinische Hilfe, muss er jemanden erreichen können, idealerweise erstmal telefonisch. Und dort muss versucht werden zu klären, wie dringlich ist das. Kann ein solcher Patient zum Beispiel tagsüber in die Routineversorgung eingesteuert werden, in die ambulante, muss ein Patient sofort notärztlich gesehen werden, muss er am selben Tag noch gesehen werden etc.? Sind es vielleicht, wie wir aus dem Ausland wissen, in 10 bis 20 Prozent der Fälle nur Bagatellen oder vergessene Rezepte oder Fragen, sodass ein Großteil dieser Anrufer möglicherweise nach dem Telefonat schon ganz beruhigt und zufrieden seiner Sorgen entledigt ist?
Wir haben beim Gesetzgeber angefragt, dass er uns die Möglichkeit gibt, diese Nummer und eine solche Triage tatsächlich 24/7 zu betreiben. Interessanterweise haben die KVen zurzeit noch gar nicht die rechtliche Möglichkeit, auch während der Sprechzeiten solche Angebote zu machen. Wir erwarten, dass der Gesetzgeber sich da bewegt, und wir würden über diese Nummer 116117 bundesweit und flächendeckend dann allen Menschen das Angebot machen, sich dort zu informieren, vorzuinformieren und sich dort sozusagen steuern zu lassen. Alldiejenigen, die nicht ohnehin zu ihrem Hausarzt zuerst gehen oder zu ihren gewohnten und vertrauten Ärzten.“

Heißt das, auch der Bereitschaftsdienst arbeitet rund um die Uhr?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das würden wir nicht wollen, weil dafür gar nicht genug Ärzte vorhanden sind, sondern wir würden zu den regulären Sprechzeiten eben den Schwerpunkt darauf legen abzuschichten, wer muss tatsächlich am selben Tag noch dringend zum Arzt oder relativ dringend in den nächsten Tagen zum Arzt und würden dann Vermittlungen von Terminen, von Kolleginnen und Kollegen, die erreichbar sind in akzeptabler Distanz, diese Patienten sich noch anzuschauen.“

Wie weit ist all das schon gediehen?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Das geht ganz gut voran. Wie gesagt, Projekte mit regionaler Ausprägung, mit Unterschiedlichkeit, es ist nicht ganz einfach, weil die Infrastruktur solcher Callcenter, das Personal, das qualifizierte, auch zum Teil ärztliche Personal, das gefunden werden muss, das geschult werden muss. Wie gesagt, der Gesetzgeber muss noch einige Änderungen auf den Weg bringen, damit wir das auch außerhalb von Projekten überhaupt machen dürfen. Zurzeit sind das alles Projekte. Das heißt, wir sind auf gutem Weg, aber es ist noch im Aufbau befindlich und da wird auch noch einige Arbeit zu tun sein. Und auch hier gilt wie bei allem anderen: Auch hierfür ist das Personal ausgesprochen knapp.“

Wie steht es um die Finanzierung?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Zurzeit, und das ist sicher erwähnenswert, gehen die Ärztinnen und Ärzte, gehen die KVen in Vorleistung, finanzieren also sowohl die Infrastruktur als auch den Betrieb mehr oder weniger. Die Zahlungen der Krankenkassen für die Notfälle sind nicht auskömmlich. Da sind wir uns sogar mit der DKG einig. Es wird also mittelfristig dringend hier ein Finanzierungskonzept benötigt.“

Wie soll die 1161117 bekannter werden?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Die KBV und die KVen haben sich gemeinsam verpflichtet eine Werbekampagne zu starten für die 116117, die auch demnächst an den Start gehen wird. Und wir hoffen, dass das ein großer Erfolg wird. Auch hier gehen wir wieder gemeinsam in Vorleistung.
Wir sehen das als eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. Das kann nicht nur Aufgabe der Vertragsärztinnen und –ärzte sein, diese Nummer zu propagieren. Wir setzen da auf Politik und Medien, auf eine wie gesagt gesamtgesellschaftliche Anstrengung, diese Nummer wirklich zu propagieren, und wir hoffen, dass mittelfristig dann auch jeder weiß, was diese Nummer kann und die auch nutzt. Ich darf aber nochmal betonen, dass die große Mehrheit der Menschen ja nach wie vor am besten beraten ist, sich Ärzte ihres Vertrauens zu suchen, zu denen sie regelhaft gehen und dass es eigentlich nur den Rest und die akuten Fälle betreffen sollte, die dann über diese Nummer Hilfe überhaupt brauchen.“

Die Notfallversorgung steht vor großen Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen. Immer mehr Menschen suchen rund um die Uhr medizinische Behandlung, auch dann wenn eigentlich kein dringender Bedarf besteht. Die Folge: Rettungsstellen aber auch Bereitschaftsdienste sind völlig überlastet. Die KBV hat dafür ein Gegenkonzept entwickelt. Wie es mit der Umsetzung vorangeht, erläutert Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.