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Cladribin

Handelsname:

Mavenclad®

Anwendungsgebiet:

Behandlung von Erwachsenen mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose, definiert durch klinische oder bildgebende Befunde*

Pharmazeutischer Unternehmer:

Merck Serono

Beginn des Verfahrens:

01.12.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses:

17.05.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Erwachsene, die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben
Interferon beta-1a, Interferon beta-1b oder Glatirameracetat Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Erwachsene mit hochaktiver Erkrankung trotz Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie
Alemtuzumab, Fingolimod, Natalizumab oder, sofern angezeigt, Wechsel innerhalb der Basistherapeutika (Interferon beta-1a, Interferon beta-1b oder Glatirameracetat) Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

 

Zusammenfassung:

Bei der Nutzenbewertung von Cladribin hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zwischen den folgenden Patientengruppen unterschieden.

Patientengruppe a
Für Patienten mit hochaktiver schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben, lagen keine für die Nutzenbewertung geeignete Daten vor. Deshalb ist ein Zusatznutzen von Cladribin nicht belegt.

Patientengruppe b
Für Patienten mit hochaktiver RRMS trotz einer Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie legte der pharmazeutische Unternehmer einen indirekten Vergleich vor. Hierbei wurde Cladribin mit Fingolimod verglichen; Placebo diente als Brückenkomparator.

Der Studienpool umfasste die Studie CLARITY zum Vergleich von Cladribin mit Placebo. Für den Vergleich von Fingolimod mit Placebo identifizierte der pharmazeutische Unternehmer die Studien FREEDOMS und FREEDOMS II. Allerdings legte er für den adjustierten indirekten Vergleich von Cladribin mit Fingolimod lediglich Ergebnisse für Morbiditätsendpunkte vor (jährliche Schubrate, Behinderungsprogression, Behinderungsprogression und neue oder neu vergrößerte T2-Läsionen).

Da für die Endpunktkategorien Mortalität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen in den herangezogenen Publikationen zu Fingolimod keine Auswertungen vorlagen, waren diese auch nicht im Dossier enthalten. Damit war eine Abwägung von Nutzen und Schaden nicht möglich. Zudem war die Ähnlichkeit der Studienpopulation der Studie CLARITY und der Studien FREEDOMS / FREEDOMS II fraglich. Vor diesem Hintergrund kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Cladribin nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Der Beginn und die Überwachung der Therapie mit Cladribin darf nur von einem Facharzt für Neurologie oder von einem Facharzt für Nervenheilkunde, mit Erfahrung in der Behandlung der Multiplen Sklerose, durchgeführt werden.

Es liegen in nur sehr geringem Umfang Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose (SPMS) mit aufgesetzten Schüben vor.

Gemäß den Vorgaben der EMA hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Risikominimierung ist seitens des pharmazeutischen Unternehmers Schulungsmaterial und ein Patientenausweis zur Verfügung zu stellen. Das Schulungsmaterial für das medizinische Fachpersonal enthält Anweisungen zum Umgang mit der durch Cladribin potentiell bedingten Veränderung der Lymphozytenzahl, schweren Infektionen, der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML), malignen Erkrankungen sowie zu Vorsichtsmaßnahmen bei Patientinnen und Patienten im zeugungsfähigen Alter bezüglich der Verhütung von Schwangerschaften.