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Atezolizumab

Handelsname:

Tecentriq®

Anwendungsgebiet:

Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms nach vorheriger Chemotherapie. Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen oder ALK-positiven Tumormutationen sollten vor der Therapie mit Atezolizumab bereits eine auf diese Mutationen zielgerichtete Therapie erhalten haben.*

Pharmazeutischer Unternehmer:

Roche Pharma

Beginn des Verfahrens:

01.10.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses:

16.03.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie            Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Erwachsene, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Nivolumab oder Pembrolizumab nach vorheriger Chemotherapie angezeigt ist
Docetaxel, Pemetrexed (außer bei überwiegend plattenepithelialer Histologie), Nivolumab oder Pembrolizumab (nur für Patienten mit PD-L1 exprimierenden Tumoren) Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen
b) Erwachsene, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Nivolumab und Pembrolizumab nach vorheriger Chemotherapie nicht angezeigt ist
Best-Supportive-Care** Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

 

Zusammenfassung:

Atezolizumab ist seit Oktober 2017 zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) nach vorheriger Chemotherapie sowie zur Behandlung des Urothelkarzinoms im Verkehr. Bei der Nutzenbewertung im Anwendungsgebiet NSCLC hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zwischen mehreren Patientengruppen unterschieden (siehe oben). Grundlage der Nutzenbewertung war die offene randomisierte Studie OAK, in der insgesamt 1.225 Patienten 1:1 in den Azetolizumab bzw. Docetaxel-Arm randomisiert wurden.

Für Atezolizumab zeigte sich ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil von 3,5 Monaten. Bei der Morbidität kam es zu Vorteilen bei den Krankheitssymptomen Bluthusten, Schmerzen in der Brust sowie bei den eher therapiebedingten Symptomen Übelkeit/Erbrechen, Appetitverlust, Diarrhö, Mundschmerzen, Schluckschmerzen, Alopezie und periphere Neuropathie. Keine statistisch signifikanten Unterschiede gab es bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Sehr große Vorteile traten bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen, schweren unerwünschten Ereignissen CTC-AE Grad ≥ 3 sowie beim Therapieabbruch wegen unerwünschter Ereignisse auf. Zudem zeigten sich bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen Pneumonie, Erkrankungen des Bluts und Lymphsystems, febrile Neutropenie und Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (alle vom CTCAE Schweregrad ≥ 3 oder schwerwiegend) sowie Alopezie sehr große Vorteile für Atezolizumab. Nachteile traten bei den immun-vermittelten unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) und bei Skelettmuskel-, Knochen und Bindegewebserkrankungen auf.

Das Ausmaß der Wirksamkeit von Atezolizumab nimmt mit zunehmender Expression von PD-L1 im Tumor zu, die aktuellen Cut-Off-Werte werden jedoch noch diskutiert. Die bisherigen Ergebnisse zur Wirksamkeit der PD-1/PD-L1-Inhibitoren lassen keine sichere Grenze erkennen, unterhalb derer die Immuntherapie nicht wirksam ist. Zudem ist PD-L1 in NSCLC-Tumoren heterogen exprimiert, was eine exakte Bestimmung des Expressionslevels in dem meist nur limitierten Biopsiematerial erschwert.

In der Gesamtschau kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass für die Patientengruppe a ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Atezolizumab vorliegt. Für die Patientengruppe b lagen keine Daten vor, weshalb ein Zusatznutzen von Atezolizumab nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Atezolizumab darf nur durch in der Therapie von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie oder Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Gemäß den Vorgaben der EMA hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Risikominimierung ist seitens des pharmazeutischen Unternehmers Schulungsmaterial sowie ein Patientenausweis zur Verfügung zu stellen. Der Patient ist aufgefordert, den Patientenausweis immer bei sich zu tragen. Das Schulungsmaterial für Angehörige von Gesundheitsberufen enthält insbesondere Anweisungen zum Umgang mit den unter Atezolizumab potenziell auftretenden immunvermittelten Nebenwirkungen sowie zu infusionsbedingten Reaktionen.