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Brigatinib

Handelsname: Alunbrig®

Anwendungsgebiet: Behandlung des fortgeschrittenen ALK (Anaplastische Lymphomkinase)-positiven nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) bei Erwachsenen, die mit Crizotinib vorbehandelt wurden

Pharmazeutischer Unternehmer: Takeda

Beginn des Verfahrens: 15.01.2019

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 04.07.2019

Zusammenfassung des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Ceritinib oder Alectinib Zusatznutzen ist nicht belegt

Für die Nutzenbewertung lagen keine direkt vergleichenden Studien oder adjustierte indirekte Vergleiche über einen gemeinsamen Brückenkomparator von Brigatinib gegenüber Ceritinib vor. Stattdessen hatte der pharmazeutische Unternehmer die Ergebnisse aus dem zulassungskonformen Brigatinib-Arm der Studie ALTA und dem Ceritinib-Arm der Studie ASCEND-5 vorgelegt und miteinander verglichen - einerseits anhand eines Matching-adjustierten indirekten Vergleichs (MAIC) in der Hauptanalyse und andererseits anhand eines naiven Vergleichs in einer Sensitivitätsanalyse.

Der MAIC wurde aufgrund gravierender methodischer Unsicherheiten jedoch nicht zur Nutzenbewertung herangezogen. Insgesamt entsprach die Datenlage aus dem MAIC einem nicht-kontrollierten Vergleich. Für entscheidende methodische Teilschritte im MAIC existierten zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung keine methodisch anerkannten, standardisierten Verfahren, etwa zur Selektion der Baseline-Charakteristika und Schätzung der Gewichte der Patienten. Ebenso lagen für das Angleichen der Patientenpopulationen aus beiden Studien auf Ebene individueller bzw. virtueller individueller Patientendaten keine methodischen Publikationen vor. Zudem konnten die Kriterien für die Auswahl der Klinikärzte und die genaue Ermittlung der Kollinearität (insbesondere das Untersuchen der paarweisen Multikollinearität) nicht nachvollzogen werden. Daraus ergab sich insgesamt das Risiko einer hohen Verzerrung (Selektionsbias) und einer ergebnisgesteuerten Berichterstattung, das durch das Fehlen eines Brückenkomparators zusätzlich verstärkt wurde. Darüber hinaus bestand die inhaltliche Problematik, dass durch den MAIC auf eine Vortherapiesituation mit Chemotherapie adjustiert wurde, die nicht (mehr) die derzeitige Versorgungsrealität der TKI-Vorbehandlung abgebildet hat.

Für die in der Sensitivitätsanalyse dargestellten Ergebnisse des naiven Vergleichs zweier Studien ohne Berücksichtigung der strukturellen Unterschiede war keine Aussage zum Zusatznutzen von Brigatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableitbar.

Als unterstützende Evidenz wurden für Brigatinib in nicht vergleichender Form die Ergebnisse des zulassungskonformen Brigatinib-Arms der Studie ALTA, AP26113-11-101 und ALTA-1L dargestellt. Aus der nicht vergleichenden Darstellung der Brigatinib-Ergebnisse aus den Studien ALTA und AP26113-11-101 ergab sich kein Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie, weshalb keine Aussage zum Zusatznutzen von Brigatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie möglich war. Da die Patienten in der Studie ALTA-1L aufgrund der fehlenden Vorbehandlung mit Crizotinib nicht den Patienten der Zielpopulation im vorliegenden Anwendungsgebiet entsprachen und im Kontrollarm mit Crizotinib behandelt wurden, ließ sich aus diesen Ergebnissen keine Aussage zum Zusatznutzen von Brigatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten.

Da keine geeigneten Daten vorlagen, kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Brigatinib zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit ALK-positivem, fortgeschrittenen NSCLC, die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden, nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Brigatinib darf nur durch in der Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Bronchialkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie sowie Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Der ALK-positive NSCLC-Status sollte vor der Einleitung der Behandlung mit Brigatinib bekannt sein. Ein validierter ALK-Test ist notwendig, um Patienten mit ALK-positivem NSCLC zu identifizieren. Die Bestimmung des ALK-positiven NSCLC-Status sollte von Laboratorien mit einer nachgewiesenen Erfahrung in der erforderlichen speziellen Technik durchgeführt werden.