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Reden

KBV-Versichertenbefragung 2018: Präsentation der Ergebnisse

Statement Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

fast könnte man den heutigen Termin überschreiben mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Anders als in dem gleichnamigen Film ist das Erwachen hier jedoch kein böses, sondern im Gegenteil ein erfreuliches: Die Zufriedenheitswerte der Bürgerinnen und Bürger mit der ambulanten Versorgung sind seit der ersten Versichertenbefragung der KBV vor mittlerweile zwölf Jahren konstant hoch. 91 Prozent der Befragten bringen den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ein hohes oder sehr hohes Vertrauen entgegen. Das sollten sich insbesondere diejenigen Vertreter aus der Politik vor Augen halten, die dem Freiberufler Arzt immer neue dirigistische Zwänge und Kontrollen auferlegen unter dem Vorwand, damit die Versorgung zu verbessern. Nebenbei bemerkt: Dieselben Politiker erzielen ihrerseits häufig Vertrauenswerte in der Bevölkerung, die meilenweit von denen der Ärzte entfernt sind.

Selbst die Wartezeiten, die von der Politik als ein derart drängendes Problem angesehen werden, dass sie aktuell sogar ein eigenes Gesetz dafür macht, sind aus Sicht der allermeisten Patienten vollkommen akzeptabel.

Natürlich ist nicht alles perfekt, auch nicht bei den Wartezeiten. Aber die Situation insgesamt ist gut. Das muss man immer wieder betonen. Besonders die Hausärzte als in der Regel erste Ansprechpartner sind für die allermeisten Patienten kurzfristig verfügbar, das heißt ganz ohne oder binnen einer kurzen Wartezeit. Wir sehen allerdings auch, dass der Anteil derjenigen, die längere Zeit auf einen Termin beim Facharzt warten mussten, gestiegen ist. Entgegen aller Unkenrufe haben wir also kein Zugangsproblem zum Hausarzt, sondern die Fachärzte sind es, um deren Verfügbarkeit wir uns mittelfristig eher kümmern müssen.

Eine deutliche Veränderung zum Vorjahr sehen wir bei der Frage, wohin sich die Menschen wenden, wenn sie nachts oder am Wochenende ärztliche Hife benötigen. Hier gibt mittlerweile die Mehrheit, nämlich 53 Prozent der Befragten, an, sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Hausarzt zu wenden. 33 Prozent gehen direkt ins Krankenhaus. Das sind 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Offensichtlich trägt unsere intensive Kommunikation über den Bereitschaftsdienst als erste Anlaufstelle außerhalb der Praxisöffnungszeiten erste Früchte. Nächstes Jahr werden wir eine große Kampagne starten, um die bundesweite Rufnummer 116117 sowie den damit verbundenen Service noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.

Hierzu gehört auch der Ausbau digitaler und webbasierster Angebote. Wie unsere Befragungen zeigen, sind die Menschen hier grundsätzlich aufgeschlossen. Bemerkenswert bei diesem Thema finde ich, dass diese grundsätzliche Offenheit einhergeht mit einem – aus meiner persönlichen Sicht – gesunden Maß an Skepsis. Die vorherrschende Meinung ist, dass digitale Angebote den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient höchstens unterstützen, jedoch niemals ersetzen können. Dies gilt sowohl für Gesundheits-Apps als auch für die Videosprechstunde. Ich würde sogar behaupten, dass die Rolle des Arztes und der sprechenden Medizin in Zukunft eher zu- als abnehmen wird. Denn die Patienten wünschen sich einen fachkundigen Menschen an ihrer Seite, der ihnen hilft, die Flut der Daten zu analysieren und einzuordnen. Jemanden, der in der schönen, digitalen Gesundheitswelt die Spreu vom Weizen trennt. Den persönlichen Austausch und physischen Kontakt kann eben kein noch so schlauer Algorithmus ersetzen. Vereinfacht könnte man sagen: Digitalisierung ja, aber nicht ohne meinen Arzt!

Das gilt sogar für den Bereich, wo der Arzt zunächst gar nicht unmittelbar involviert scheint: Die Pflege kranker Angehöriger. Hierzu wird Frau Professorin Kuhlmey gleich noch etwas sagen.

Für die KBV bleibt unter dem Strich das Fazit: Unser ambulantes System ist gut! Ich würde mir wünschen, dass die Damen und Herren Politiker mehr auf diese Zahlen schauen und nicht nur auf subjektiv gefühlte Stimmungen. Dann könnten sie sich auch mehr darauf konzentrieren, die echten Herausforderungen in der Versorgung kranker Menschen anzupacken, statt aus unserem System ein Wunschkonzert für alles und jeden zu machen. Denn eines zeigen die Versichertenbefragungen ganz deutlich: Ärzte sind als persönliche Ansprechpartner für die Menschen unersetzlich. Deshalb täten Politik und Krankenkassen gut daran, die Arbeitsbedingungen der Niedergelassenen zu erleichtern und endlich die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen, statt die Ärzte und Psychotherapeuten mit ständig neuen Vorgaben und Eingriffen zu vergraulen.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)