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Elektronische Patientenakte: viel Arbeit für viele Akteure

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Die ePA ist eine riesige Aufgabe. Sie wird ja der Kern der zukünftigen Digitalstrategie der Bundesregierung sein. Und das Vorgehen bei der ePA ist arbeitsteilig: Wir als KBV haben die Aufgabe, die medizinischen Inhalte bereitzustellen. Die Gematik wird die Technik und die Umsetzung vorbereiten und die Krankenkassen geben ihre Inhalte dazu und vor allem die PVS-Hersteller müssen auch ihren technischen Beitrag leisten, damit die ePA auch in die Krankenhäuser und in die Praxen kommen kann. Die Voraussetzungen sind einmal, dass natürlich die technischen Spezifikationen von der Gematik vorgegeben werden. Darüber hinaus ist es aber ganz wichtig, dass auch die Industrie dafür sorgt, dass auch die Konnektoren-Updates rechtzeitig kommen. Wir stehen jetzt vor der Frage, dass zunächst noch ein eHealth-Konnektor-Update kommen muss. Damit es überhaupt möglich ist, dass der Arzt beispielsweise medizinische Daten mit Signatur an einen Kollegen oder in die TI verschicken kann. Darüber hinaus muss dann noch, bevor die ePA 2021 ausgerollt werden soll, auch noch ein ePA-Konnektor-Update kommen. Das sind alles schwierige Aufgaben, die Zeit brauchen und die einfach auch logistisch ein Problem sind, denn wir haben die Erfahrung bisher gemacht, dass es eben dauert, bis man 150.000 Arzt-, Zahnarztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken mit der Software ausstattet. Deshalb haben wir Sorge, dass dieser Zeitplan sehr, sehr eng wird und nur mit Schwierigkeiten gehalten werden kann.“

Und was obliegt der KBV?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Die KBV hat die Aufgabe, den zentralen Teil der ePA bereitzustellen, nämlich die medizinischen Daten. Die medizinischen Inhalte und auch die Semantik muss die KBV entwickeln. Wir nennen das MIOs: medizinische Informationsobjekte. Diese MIOs werden von uns entwickelt, werden dann in ein Kommentierungsverfahren gegeben, ins Benehmen gesetzt mit allen vielen, vielen Beteiligten und dann als endgültiges Produkt an die Gematik gegeben und die Gematik entscheidet dann, wann sie den PVS-Herstellern die Vorgaben macht, diese Objekte in die ePA einzustellen. Das ist ein langes Verfahren und die KBV hat die zentrale Rolle. Denn ohne die medizinischen Inhalte, diese MIOs wird es nicht möglich sein, mit den ePA irgendeine Verbesserung der Versorgung zu erreichen.“

Wie weit sind die MIOs?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Wir haben eine Konzeption entwickelt. Der erste Schritt ist vor allem erstmal auch ein Verfahren zu entwickeln, wie man die übrigen zu beteiligenden Stakeholder, Personen mit einbezieht. Dazu gibt es eine Verfahrensordnung, die ist abgenommen, die ist umgesetzt worden. Damit haben wir das Verfahren beschrieben, wie wir die Übrigen einbeziehen wollen. Jetzt geht es an die Arbeit. Wir selbst haben die Konzeption entwickelt und wir sind dabei, ein Team aufzubauen von Mitarbeitern, die auch die Umsetzung leisten können. Es ist klar, dass es da viel Neuland gibt, dass es auch schwierig ist Mitarbeiter zu finden, weil dieser Markt für entsprechende Entwickler, die SNOMED können beispielsweise, eine Programmiersprache, eine Kodiersprache können, natürlich eng ist. Wir arbeiten daran, wir haben auch die ersten Mitarbeiter gewinnen können, sodass wir zuversichtlich sind, dass wir Anfang des nächsten Jahres auch die ersten MIOs in die Kommentierungsphase geben können.“


Wie bewerten Sie dabei die Zusammenarbeit mit der gematik?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Die Zusammenarbeit läuft zurzeit gut. Ich gehe aber davon aus, dass es auch so bleibt. Wir haben ja beide unsere Aufgaben zu erledigen. Die gematik hat auch Zeitvorgaben, wir auch. Wir sind ständig im Austausch. Es macht ja keinen Sinn, erst das fertige Produkt zu entwickeln und dann abzuliefern und dann eventuell noch Fehler zu haben, weil die gematik ja dafür zuständig ist, die technischen Spezifikationen zu überprüfen. Die Arbeit läuft gut und alle Beteiligten sind sich klar, dass es nur gelingen kann diesen ehrgeizigen Zeitplan bis Anfang 2021 zu halten, wenn alle gemeinsam mitarbeiten. Der Zeitplan ist politisch gesetzt. Er wird eingehalten. Wenn Sie mich fragen wie es umsetzbar ist: Es ist eine schwierige Aufgabe und wir haben uns zunächst einmal MIOs ausgesucht, die medizinisch schon weitgehend definiert sind. Beispielsweise der Impfpass, da gibt es Vorgaben vom Robert-Koch-Institut, von der Impfkommission. Wir haben beispielsweise das Mutterschaftsheft und die Früherkennung. Das ist alles schon mal medizinisch vorstrukturiert. Das sind unter dem Aspekt leichtere Objekte, allerdings sind sie teilweise sehr komplex inhaltlich. Aber wir gehen davon aus, dass wir umsetzen können, und wir werden uns danach erst an die schwierigeren Aufgaben begeben. Es ist aber auch so, aus unserer Sicht ist es wichtig, dass in die ePA, auch in den medizinischen Teil zunächst Dinge kommen, die der Patient auch verstehen kann und auch nutzbringend anwenden kann. Ein Impfpass beispielsweise macht Sinn für den Patienten aber auch für die Ärzte, die sofort erkennen können, schnell erkennen können, wo sind Impflücken und wo kann ich die schließen oder muss ich sie schließen, im Gespräch mit meinem Patienten, der muss ja zustimmen.“

Der Konnektor braucht noch ein Update. Er kann ja bisher nur das Versichertenstammdatenmanagement...

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Er kann keine Verschlüsselung. Er kann keine Signierung durch die elektronische Arztunterschrift, und das muss nachgerüstet werden. Diese Nachrüstung ist zunächst einmal dieser eHealth-Konnektor. Wir gehen davon aus, dass der im ersten Quartal des nächsten Jahres zumindest bei einem großen Hersteller kommen wird und dann hoffentlich auch schnell von den anderen Herstellern. Und wir brauchen noch ganz wichtig für die ePA noch ein zweites Konnektor-Update, das ist der ePA-Konnektor. Und dieser ePA-Konnektor und auch die anderen müssen natürlich auch noch mit dem PVS, mit dem Praxisverwaltungssystem der Ärzte verbunden werden. Auch das ist noch eine Aufgabe. Und wenn die dann entwickelt sind, müssen sie ja noch eingespielt werden in die bis zu 150.000 Arzt-/Zahnarztpraxen. Eine logistische, große Herausforderung. Und wir dürfen diese Updates auch nicht zu spät bekommen bzw. die Hersteller sie zu spät entwickeln, denn sie müssen sie ja in die Praxis einspielen. Also, es wird eine schwierige Aufgabe. Die zeitliche Herausforderung ist, bis Ende nächsten Jahres das alles zu schaffen, damit Anfang 2021 wirklich die ePAs befüllt werden können mit medizinischen Daten.“

Die ePA soll nach dem Willen des Gesundheitsministers zum Herzstück des digitalen Gesundheitswesens werden, und das so schnell wie möglich. Um den straffen Zeitplan einhalten zu können, müssen viele verschiedene Akteure an einem Strang ziehen. Aufgabe der KBV ist es, die medizinischen Inhalte zu definieren. Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV, berichtet, wie die Arbeit voranschreitet und was er von den anderen Akteuren erwartet.