Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Videos

Digitalisierung im TSVG: Was jetzt auf die KBV zukommt

Wie viel Digitalisierung steckt im neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: "Fangen wir einfach mal an mit der elektronische Gesundheitskarte. Dies soll am Ende des Jahres dann von den Krankenkassen so ausgestattet werden, technisch, dass man damit auch diese nearfield communication machen kann, das heißt, das was sie wahrscheinlich alle auch kennen, dass man die Karte auf ein Lesegerät legen kann und damit können Daten übertragen werden. Damit kann man die Karte auch nutzen, um sich zu identifizieren oder seine Daten freizugeben. Dann hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass die Krankenkassen verpflichtend ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte in 2021 zur Verfügung stellen müssen. Andernfalls gibt es Sanktionen. Das heißt, alle Krankenkassen werden das dann tun. Das könnte ein Schritt sein, die Digitalisierung wirklich voranzutreiben und den Patienten die Möglichkeit zu geben, selbst seine Daten zu sehen, einzusehen und teilweise auch an weiterbehandelnde Ärzte oder andere Institutionen weiterzugeben. Das ist die berümte ePA. In dem Zusammenhang ist es natürlich notwendig, dass die medizinischen Daten, die in die ePA gehen, auch standardisiert sind. Sonst könnte man sie ja nicht einheitlich verwenden und weiter nutzen. Da hat die KBV die Aufgabe bekommen, diese medizinischen Informationsobjekte - wir nennen die MIOs abgekürzt - zu definieren. Das ist eine Herkulesaufgabe und andererseits sind wir froh, dass wir die Aufgabe bekommen haben, denn einer muss sie erledigen und sie muss rechtzeitig erledigt werden. Der vierte Aspekt ist, dass die gematik vom Gesetzgeber neu strukturiert wird. Er selbst, der Gesetzgeber, will 51 Prozent der Anteile der GmbH übernehmen. Damit hat er das alleinige Sagen, die Alleinverantwortung in der gematik und kann natürlich damit nach eigenem Gusto auch Dinge entscheiden. Wir sind unsicher, wie das sich auswirken wird, wir sind unser, ob er damit durchregieren wird, der Gesetzgeber, oder ob er weiterhin auf den Sachverstand der bisherigen Gesellschafter setzt und nur im Zweifelsfall von seiner entscheidenden Stimmmacht in der gematik Gebrauch machen wird. Wir müssen es sehen, wir müssen hoffen es jedenfalls, dass es damit eine Beschleunigung gibt, und dass die Prozesse und die Einflussnahme und der Sachverstand der Beteiligten - das sind die Krankenkassen, das sind die Leistungserbringer - nicht zurückgedrängt wird, denn das war der große Vorteil, dass alle Beteiligten ihre Interessen eingebracht haben. Allerdings hat es auch dazu geführt, dass manche Prozesse etwas länger gedauert haben, aber nicht unbedingt schlechter geworden sind."

MIOs?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: "Die medizinischen Informationsobjekte, ein etwas sperriger Begriff, bedeutet letztlich nur, dass wir oder dass eine Institution festlegen muss, welche medizinischen Inhalte werden in der elektronischen Patientenakte gespeichert, wie sind diese zu verschlüsseln, zu kodieren und wie sind sie dann technisch in EDV-Programme umzusetzen. Drei gewichtige Aufgaben. Und das ist gerade im Bereich der Medizin eine große Herausforderung, weil dort standardisiert werden muss. Und man kennt das im Laborbereich, da kommen Laborwerte in verschiedenen Maßeinheiten an. Keine Einheit ist falsch, aber eine muss genommen werden, damit diese Daten in allen Programmen gelesen werden können. Das ist ein Anwendungsbeispiel, aber es gibt auch komplexere Anwendungen, beispielsweise was für uns viel relevanter ist im Bereich der Niedergelassenen ist natürlich zum Beispiel ein Impfpass. Der sollte bitte auch standardisiert werden, damit er in jedem PVS-System in gleicher Weise kodiert wird, in gleicher Weise dann auch weitergegeben werden kann, in gleicher Weise dann auch technisch in die ePA des Patienten geschickt werden kann und dann bei einem weiter- oder nachbehandelnden Arzt auch ausgelesen werden kann. Das ist diese Aufgabe, die vor uns liegt, und sie können, man kann sich vorstellen, dass damit auch ein zumindest Qualitätssprung, zumindest eine Beschleunigung der Informationsweitergabe erfolgen kann."

Warum definiert die KBV die MIOs?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: "Einer muss es machen und wir glauben eben, dass wir dafür prädestiniert sind, weil eben die meisten ambulanten Fälle natürlich über die KBV und die KVen abgerechnet werden. Und das ambulante System macht etwa 95 Prozent aller Versorgungsleistungen aus. Deshalb ist es notwendig, dass man bei der Definition der MIOs einmal nach Relevanz geht: Was ist zuerst zu machen, was ist wichtig, was ist häufig? und natürlich auch auf die Belange der niedergelassenen Ärzte Rücksicht nimmt. Aber selbstverständlich wird es so sein, dass wir diese MIOs nicht in eigener Zuständigkeit definieren können - das ginge auch aus zeitlichen Gründen nicht - wir werden natürlich auch die Mitarbeit der bisherigen oder der anderen, sei es nun die Medizininformatik, sei es die Krankenhäuser, sei es die Zahnärzte zurückgreifen müssen. Und wir werden auch deren Interessen mit einbeziehen, sodass diese MIOs keine reine ambulante Veranstaltung sein werden. Und der Gesetzgeber hat das auch so gesehen und hat uns auch ins Gesetz geschrieben, dass wir viele, viele andere Beteiligte, die dazu etwas sagen können, ins Benehmen zu setzen haben. Benehmen bedeutet nach unserer Auffassung, dass sie sehr wohl gehört werden müssen und ihre Vorschläge, soweit sie in unsere Konzeption passen, auch übernommen werden. Wir sind auf die Mitarbeit der übrigen Beteiligten, sei es die Krankenhäuser, sei es die Medizininformatik, sei es auch die Industrie angewiesen und wollen das auch gern übernehmen. Aber Fakt ist eins, am Ende muss einer entscheiden, einmal unter Zeitaspekten, und wenn es verschiedene Ansätze gibt, ein MIO zu standardisieren, dann ist die KBV gefordert und wird das auch tun. Andererseits hat der Gesetzgeber ja auch noch die Möglichkeit reingeschrieben ins Gesetz, dass über die gematik auch eine Entscheidung der KBV revoziert werden könnte. Insofern ist da auch eine Hintertür gelassen, falls die KBV mal sich aus Sicht der übrigen Beteiligten in der Standardisierung falsch verhalten würde, falsch standardisieren würde. Wir gehen aber davon aus, dass die Beauftragung der KBV bewusst gemacht worden ist - der Gesetzgeber traut uns das zu - und in Zusammenarbeit mit den übrigen Beteiligten werden wir diese Aufgabe auch zeitgerecht und mit der nötigen Sachkenntnis auch umsetzen."

Wie sieht der Zeitplan aus?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: "Es gibt im Gesetz keinen direkten Zeitplan dazu, weil ja unklar ist, wie viele MIOs, Medizinische Informationsobjekte, im Einzelnen festgelegt werden müssen. Wir selbst sehen aber eine gewisse, ein Zeitlimit damit, dass die ePA ja von den Krankenkassen verpflichtend ab 2021 allen Versicherten angeboten werden muss. Wir gehen deshalb davon aus, dass bis ins vierte Quartal des Jahres 2020 hinein die ersten MIOs, die für die Versorgung und auch für die Versicherten relevant sind, auch umgesetzt werden müssten. Das ist unsere erste Zeitvorstellung."

Das frisch gebackene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) regelt nicht nur den Zugang zum Arzt oder Psychotherapeuten, es enthält auch einige Punkte zur Digitalisierung. Welche das sind, erläutert KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Und er erklärt auch, was es eigentlich mit diesen MIOs (Medizinischen Informationsobjekten) auf sich hat, für die die KBV nun verantwortlich ist.

Weitere Videos zum Thema

Weitere Informationen zum Thema