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Stand 24.08.2020

Anwendungen in der TI

Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Der elektronische Medikationsplan (eMP) ist die digitale Weiterentwicklung des bereits im Oktober 2016 eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplans (BMP). Neu ist, dass nun sowohl Haus- als auch Fachärzte den Plan aktualisieren müssen und ihn direkt auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) speichern können. So dient der Plan der Information aller am Medikationsprozess Beteiligten. 

Start:
Ab Sommer 2020 - sobald die notwendige Technik in der Praxis verfügbar ist und die oder der Versicherte die PIN für die eGK von der Krankenkassen erhalten hat. 

Den eMP müssen Haus- und Fachärzte für anspruchsberechtigte Versicherte ausstellen und aktualisieren, sofern diese das wünschen. 

Voraussetzungen:
TI-Anbindung (mit E-Health-Konnektor), Konnektor-Modul eMP, PVS-Modul eMP, weiteres Kartenterminal, eHBA

Detaillierte Informationen zum eMP

Funktion

Bereits seit 2016 gibt es den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP), um Patientinnen und Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Arzneimittel zu unterstützen. Er soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt, sowie die Selbstmedikation. Dazu werden unter anderem der Wirkstoff, die Dosierung, der Einnahmegrund und sonstige Hinweise zur Einnahme aufgeführt. Gab es den BMP für die Versicherten bisher nur auf Papier, wird der elektronische Medikationsplan - in der stets aktuellen Version - auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. Anspruch auf die Papierversion, die sich direkt aus dem eMP erstellen lässt, haben die Versicherten aber weiterhin. 

Der eMP geht noch einen Schritt weiter: Er soll dafür sorgen, dass alle am Medikationsprozess Beteiligten immer die aktuellsten Informationen zur Hand haben. Deshalb sind nun zur Aktualisierung des eMP neben Hausärzten sowohl Fachärzte als auch Apotheken verpflichtet, sobald sie die Medikation ändern oder ausreichend Kenntnis über eine Änderung haben. Es gibt zudem eine Kommentarfunktion als ergänzende Information für die Mitbehandler. Voraussetzung ist die Zustimmung der Patientin oder des Patienten. Später kommen weitere Funktionalitäten dazu, etwa historisierte Arzneimitteldaten. Das Datenmanagement via eMP soll zukünftig für Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfungen genutzt werden können, beispielsweise für Interaktionschecks.

detaillierte Informationen zum Inhalt und zum BMP

Anspruch

Anspruch auf die Erstellung und Aktualisierung eines eMP haben Versicherte, die mindestens drei systemisch wirkende, zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschriebene Arzneimittel dauerhaft – das heißt (voraussichtlich) für einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – anwenden. 

PIN-Eingabe der Versicherten

Versicherte haben die Möglichkeit, ihre Notfalldaten und den elektronischen Medikationsplan zusätzlich mit einer PIN vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. In der Standardeinstellung ist die PIN beim eMP aktiviert - ein eMP kann dementsprechend nur dann auf der eGK gespeichert, von dort ausgelesen oder aktualisiert werden, wenn die oder der Versicherte die Karten-PIN kennt. Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb zunächst nachfragen, ob die PIN bekannt ist. 

Die sechsstellige PIN versenden die Krankenkassen an ihre Versicherten. Bisher haben jedoch nur wenige Versicherte eine PIN erhalten.  

Technische Voraussetzungen

Grundlage für den eMP ist ein Anschluss an die Telematikinfrastruktur mit dem sogenannten E-Health-Konnektor. Dieser unterstützt neben dem Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) auch medizinische Anwendungen. Praxen, die bereits an die TI angebunden sind, benötigen ein Konnektor-Update - damit wird ihr vorhandenes Gerät zum E-Health-Konnektor. Die Updates sind teilweise bereits verfügbar; andere Hersteller haben sie für Mitte 2020 angekündigt. Praxen sollten sich für weitere Informationen an ihren PVS-Hersteller oder IT-Dienstleister wenden.  

Daneben sind folgende Komponenten in der Praxis notwendig:

  • Konnektor-Modul eMP
  • PVS-Update für eMP
  • eventuell ein zusätzliches Kartenterminal im Sprechzimmer
  • elektronischer Heilberufeausweis (eHBA) 

Vonseiten der Versicherten:

  • PIN für die elektronische Gesundheitskarte (eGK)

weitere Informationen zur TI-Ausstattung

Erstattung: Technikkosten

Die Details haben KBV und GKV-Spitzenverband in der TI-Finanzierungsvereinbarung geregelt.

Die Praxen haben Anspruch auf die Erstattung der Kosten ab dem Zeitpunkt, zu dem sie die benötigten Komponenten für eMP und/oder Notfalldatenmanagement (NFDM) vorhalten und anwenden können. Das müssen Praxen gegenüber ihrer KV nachweisen können. 

Komponente Pauschale 
NFDM/eMP-Updates für Konnektor und PVS 530 Euro einmalig
Zusätzliches Kartenterminal (kann für NFDM und eMP genutzt werden)

535 Euro je Kartenterminal

Anspruch: ein zusätzliches Terminal je angefangene 625 Betriebsstättenfälle

Zusatzpauschale NFDM/eMP

60 Euro je angefangene 625 Betriebsstättenfälle 

befristet bis 30.09.2020

Zuschlag Betriebskosten auf die bereits im Rahmen der TI-Erstausstattung gezahlten Betriebskosten 4,50 je Quartal

Hinweis: Für die technische Erstausstattung zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur und die Finanzierung des laufenden Betriebs gelten eigene Pauschalen. Darin enthalten ist auch eine quartalsweise Pauschale zur Finanzierung des elektronischen Heilberufsausweises (eHBA), der für das Auslesen und Befüllen der elektronischen Gesundheitskarte benötigt wird.  

weitere Informationen zur Finanzierung der TI-Anbindung

Vergütung für Ärzte der hausärztlichen Versorgung

Einzelleistungsvergütung

Hausärzte erhalten eine Einzelleistungsvergütung (GOP 01630) für Patienten, die entsprechend der Regelung in Paragraf 29a Bundesmantelvertrag-Ärzte mindestens drei verordnete systemisch wirkende Medikamente dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – anwenden. Für diese Patienten ist die Chronikerpauschale in den drei folgenden Quartalen nicht berechnungsfähig.

Die GOP 01630 kann im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt einmalig abgerechnet werden. Aktualisierungen sind damit abgegolten.

  • Der Zuschlag (GOP 01630) beträgt 39 Punkte (2019: 4,22 Euro).
  • Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Der Zuschlag kann je Patient im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt einmalig abgerechnet werden.

Abrechnungsausschluss: Im Behandlungsfall nicht neben der Chronikerpauschale (GOP 03220/04220), den Zuschlägen zur Chronikerpauschale (GOP 03221/03222 und GOP 04221/04222) sowie Leistungen des hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplexes (GOP 03362) berechnungsfähig.

Zuschlag zur Chronikerpauschale

Hausärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner erhalten einen Zuschlag zur Chronikerpauschale. Mit dem Zuschlag wird die gegebenenfalls erforderliche Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung bei Patienten vergütet, die aufgrund einer lebensverändernden chronischen Erkrankung hausärztlich beziehungsweise pädiatrisch behandelt werden.

  • Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall (ein Quartal) gezahlt, das heißt Ärzte erhalten den Zuschlag unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.
  • Der Zuschlag (GOP 03222/04222) ist mit 10 Punkten (2019: 1,08 Euro) bewertet.
  • Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Der Zuschlag der Hausärzte (GOP 03222) ist nicht berechnungsfähig, wenn in demselben Behandlungsfall der hausärztlich geriatrische Betreuungskomplex (GOP 03362) abgerechnet wird. Dieser vergütet bereits die Erstellung und/oder Aktualisierung eines Medikationsplans.
  • Der Zuschlag (GOP 03222/04222) ist nicht berechnungsfähig, wenn im Behandlungsfall schon die Einzelleistung (GOP 01630) berechnet wurde. Er ist auch nicht in den drei Quartalen berechnungsfähig, die der Berechnung der GOP 01630 unmittelbar folgen.
  • Der Zuschlag wird von der Kassenärztlichen Vereinigung unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt.

Hinweis: Wann die Chronikerpauschale abgerechnet wird

Für die kontinuierliche ärztliche Behandlung eines chronisch kranken Patienten können Hausärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner die Chronikerpauschale abrechnen. Voraussetzung ist, dass es in den letzten vier Quartalen in mindestens drei Quartalen einen Arzt-Patienten-Kontakt wegen dieser Erkrankung gab, wobei mindestens zwei davon persönlich erfolgt sein müssen.

Dieser Zeitraum schließt das aktuelle Quartal mit ein. Zu den vier Quartalen zählen also das laufende Quartal und die drei vorherigen.

Geregelt wird die Berechnung der Chronikerpauschale im EBM (Abschnitt 3.2.2 bzw. 4.2.2). Danach liegt eine kontinuierliche ärztliche Behandlung vor, wenn „im Zeitraum der letzten vier Quartale wegen derselben gesicherten chronischen Erkrankung(en) jeweils mindestens ein Arzt-Patienten-Kontakt pro Quartal in mindestens drei Quartalen in derselben Praxis stattgefunden hat“.

Beispiel: Der Patient kommt im September 2018 in die Praxis. Der Arzt kann die Chronikerpauschale abrechnen, da zum Zeitpunkt der Abrechnung in den letzten vier Quartalen in mindestens drei Quartalen ein Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden hat:

  • Viertes Quartal 2017: Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt
  • Erstes Quartal 2018: Kein Kontakt
  • Zweites Quartal 2018: Mittelbarer Arzt-Patienten-Kontakt (telefonisch oder Ausstellung eines Wiederholungsrezeptes)
  • Drittes und abzurechnendes Quartal 2018: Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt zu Beginn des Quartals, Abrechnung der Gebührenordnungsposition 03220/04220 möglich

Vergütung für Vertragsärzte der fachärztlichen Versorgung

Einzelleistungsvergütung

Fachärzte erhalten für onkologische Patienten, Schmerzpatienten sowie Patienten mit einer Organtransplantation eine Einzelleistungsvergütung (GOP 01630), wenn sie die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale Onkologie, die GOP 30700 beziehungsweise die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers abrechnen.

  • Die Abrechnung erfolgt als Zuschlag (GOP 01630):
    • zur Zusatzpauschale Onkologie der Fachgruppen Chirurgie, Gynäkologie, HNO, Dermatologie, Internisten mit Schwerpunkt (SP) Gastroenterologie und SP Pneumologie, MKG und Urologie*
    • zur GOP 30700 in der Schmerztherapie
    • zur Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers
  • Der Zuschlag beträgt jeweils 39 Punkte (2019: 4,22 Euro).
  • Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Der Zuschlag kann je Patient im Laufe von vier Quartalen nur von einem Vertragsarzt einmalig abgerechnet werden.
Vergütung Medikationsplan für onkologische Patienten,
Patienten nach einer Transplantation sowie für Schmerzpatienten
Patienten GOP 01630 als Zuschlag zur Bewertung 
Patienten in onkologischer Behandlung bei den Fachgruppen Chirurgie, Gynäkologie, HNO, Dermatologie, Internisten mit Schwerpunkt (SP) Gastroenterologie und SP Pneumologie, MKG und Urologie

Zusatzpauschale Onkologie (07345, 08345, 09345, 10345, 13435, 13675, 15345 und 26315)*

39 Punkte
Schmerzpatienten GOP 30700
Patienten nach einer Transplantation Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers (13437, 13439, 13561, 13601 und 13677)
Abrechnungsausschluss: Im Behandlungsfall nicht neben den Zuschlägen zu den Grundpauschalen (05227, 06227, 07227, 08227, 09227, 10227, 13227, 13297, 13347, 13397, 13497, 13547, 13597, 13647, 13697, 14217, 16218, 18227, 20227, 21227, 21228, 22219, 26227, 27227 und 30701) berechnungsfähig.

* Internisten mit SP Hämatologie/Onkologie erhalten anstelle einer Einzelleistungsvergütung einen entsprechend höheren Zuschlag auf die Grundpauschale (siehe unten).

Zuschlag zur Grundpauschale

Die meisten Fachärzte erhalten einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale. Mit dem Zuschlag wird die gegebenenfalls erforderliche Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung vergütet.

  • Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall
    (ein Quartal) gezahlt, das heißt Ärzte erhalten den Zuschlag unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.
  • Die Höhe des Zuschlags ist je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch: Fachgruppen, die viele Medikamente verordnen und deshalb öfter einen Plan aktualisieren oder ausstellen, erhalten einen höheren Zuschlag als Fachgruppen mit wenigen Verordnungen. (Fachgruppen, die keine oder sehr wenige Medikamente verordnen, erhalten aufgrund der anteilsmäßig geringen Verordnungen keinen Zuschlag).
  • Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Der Zuschlag ist nicht berechnungsfähig, wenn im Behandlungsfall schon die Einzelleistung (GOP 01630) berechnet wurde. Er ist auch nicht in den drei Quartalen berechnungsfähig, die der Berechnung der GOP 01630 unmittelbar folgen.
  • Der Zuschlag wird von der Kassenärztlichen Vereinigung unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt.
Facharzt
Grundpauschale
Zuschlag zur Grundpauschale
(einmal im Behandlungsfall)
 
GOP Bewertung 
Anästhesist
05210 bis 05212
05227 3 Punkte
Augenarzt
06210 bis 06212
06227 2 Punkte
Chirurg
07210 bis 07212
07227 2 Punkte
Gynäkologe
08210 bis 08212
08227 2 Punkte
Hals-Nasen-Ohrenarzt
09210 bis 09212
09227 2 Punkte
Hautarzt
10210 bis 10212
10227 2 Punkte
Internist ohne Schwerpunkt (SP)
13210 bis 13212
13227 9 Punkte
Internist mit SP Angiologie
13290 bis 13292
13297 2 Punkte
Internist mit SP Endokrinologie
13340 bis 13342
13347 3 Punkte
Internist mit SP Gastroenterologie
13390 bis 13392
13397 2 Punkte
Internist mit SP Hämatologie/Onkologie
13490 bis 13492
13497 9 Punkte
Internist mit SP Kardiologie
13540 bis 13542
13547 2 Punkte
Internist mit SP Nephrologie
13590 bis 13592
13597 9 Punkte
Internist mit SP Pneumologie
13640 bis 13642
13647 6 Punkte
Internist mit SP Rheumatologie
13690 bis 13692
13697 6 Punkte
Kinder- und Jugendpsychiater
14210 und 14211
14217 2 Punkte
Neurologe, Neurochirurg
16210 bis 16212
16218 6 Punkte
Orthopäde
18210 bis 18212
18227 2 Punkte
Phoniater, Pädaudiologen
20210 bis 20212
20227 2 Punkte
Psychiater
21210 bis 21212
21227 6 Punkte
Nervenheilkunde, Neurologie und
Psychiatrie

21213 bis 21215
21228 6 Punkte
Psychosomatiker
22210 bis 22212
22219 2 Punkte
Urologe
26210 bis 26212
26227 2 Punkte
Physikalische und rehabilitative Medizin
27210 bis 27212
27227 2 Punkte
Schmerztherapeut
30700
30701 9 Punkte