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Digitalisierung in Praxen: Verzögerungen bei eHBA, später Feldtest bei eAU

Wie sieht es aktuell bei der Digitalisierung aus?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Die Digitalisierung läuft. Allerdings starten wir jetzt demnächst die großen Massen-Anwendungen und da gibt es einiges an Fristen noch zu beachten, die wahrscheinlich nicht einzuhalten sind."

Was meinen Sie konkret?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Es geht darum, dass zum 1.7. die Arztpraxen ePA-ready sein sollten, das bedeutet, dass sie in der Lage sein sollten, eine ePA zu befüllen. Und dabei braucht es verschiedene technische Geräte. Das bedeutet zuerst einmal den elektronischen Heilberufeausweis oder für die Psychotherapeuten den entsprechenden Ausweis. Es braucht ein Konnektor-Update und es braucht eine Verbindung zwischen PVS-System und dem Konnektor."

Wo gibt es aktuell die größten Probleme?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Die größten Probleme bereitet uns der eHBA. Das ist leider so, dass die Herausgeber dieses elektronischen Heilberufeausweises von dem Ansturm wohl überfordert sind. Es gibt lange Lieferfristen, wie wir von Ärzten wissen bis zu acht Wochen und noch länger. Und das ist jetzt schon abzusehen, dass nicht alle Ärzte zum 1.7. einen elektronischen Heilberufe Ausweis zur Verfügung haben. Und damit läuft auch die Forderung des Gesetzgebers ins Leere. Ein besonderes Problem sind dabei auch die Psychotherapeuten, weil Stand jetzt immer noch kein Hersteller technisch in der Lage ist, einen entsprechenden Ausweis für die Psychotherapeuten zu produzieren. Das soll aber auch kurzfristig in der Lage sein, umgesetzt zu werden. Aber auch das dauert natürlich, wenn entsprechende lange Lieferfristen bestehen. Also, macht uns große Sorge und da glauben wir da muss der Gesetzgeber einschreiten."

Und die anderen Komponenten?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Da sieht es auch schwierig aus, bei den Konnektoren muss es ein Update geben. Es gibt jetzt noch drei echt auf dem Markt befindliche. Wir wissen nicht genau, wie weit sie sind. Teilweise sind sie in der Zulassung bei der Gematik. Aber auch da gehen wir davon aus, dass zum 1.7. nicht alle vorliegen werden, nicht alle Updates. Und man darf nicht vergessen: Sie müssen auch ausgeliefert werden. Sie müssen nicht nur zugelassen werden. Und dasselbe hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese Konnektoren mit dem PVS-System verbunden werden müssen. Auch da muss Software-Arbeit von den PVS-Herstellern geleistet werden."

Was schließen Sie daraus?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Also Fakt ist: Keiner kann Unmögliches verlangen. Das betrifft auch den Gesetzgeber. Das heißt, da faktisch die Fristen zum 1.7. nicht gehalten werden können - übrigens auch fraglich, ob zum 1.10., wenn mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeit eine große Massen-Anwendung startet, wird es wahrscheinlich auch nicht so sein, dass alles schon technisch zur Verfügung steht - dann erwarten wir vom Gesetzgeber, dass er das zur Kenntnis nimmt und die Sanktionen aufhebt, zumindest aber die Fristen entsprechend verlängert. Das muss sein, denn Sanktionen führen nicht unbedingt dazu, dass eine Anwendung freudig begrüßt wird. Wir glauben eher, wichtiger ist, dass entsprechend ausgetestete und sichere Produkte in den Praxen sein müssen, rechtzeitig zur Verfügung stehen. Und dann kann man auch damit etwas erreichen."

Vor der Einführung der eAU soll es einen Feldtest geben…

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Ja, das ist leider ein ganz trauriges Kapitel. Wir haben in der, wir als KBV haben in der Gematik-Gesellschafterversammlung durch Beschluss erreicht, dass es einen Feldtest geben soll, bevor die eAU ausgerollt wird. Das ist durchgegangen. Gott sei Dank. Wir hatten das für unbedingt notwendig. Aber jetzt zeigt sich, dass dieser Feldtest erst Mitte August diesen Jahres starten soll. Er wird normalerweise 6 Wochen wie auch immer dauern müssen, damit er wirklich etwas zeigen kann. Praxisanwendung, funktioniert das? Und dann können Sie sich vorstellen, dann sind wir sind ja schon beim 1.10. etwa. Und am 1.10. soll diese Anwendung schon in der Praxis sein. Wenn jetzt der Praxistest ernst gemeint ist, dann müssen ja auch die Ergebnisse, die Mängel, vielleicht aber auch das Positive mit einfließen können. Und dann ist auf jeden Fall keine Zeit mehr, eventuell erkannte Mängel noch einzubauen in die Software. Das geht nicht, wenn es zum 1.10. gestartet werden soll. Also bedeutet das auch aus unserer Sicht: Test früher starten und oder die eAU noch entsprechend nach hinten schieben."

Was bedeutet das alles für die Praxen?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Sie sehen schon an meiner Reaktion: So geht das nicht, das Tempo ist zu hoch. Die Praxen haben für sich selbst erkannt, sie wollen und werden in der Impfkampagne massiv mitarbeiten. Das sind 20, 30, 40 Impfungen am Tag, wenn genügend Impfstoffe da sind. Und sie machen das teilweise zusätzlich über die normale Belastung hinaus. Da ist es unmöglich, das auch noch zusätzlich der Praxisinhaber sich darum kümmern muss, welche Komponenten, technische Komponenten für die TI wann wo eingeführt werden müssen. Wir erwarten deshalb, dass da Druck rausgenommen wird, dass die Termine verschoben werden, damit genau das passieren kann, damit der Arzt nämlich das Wichtige machen kann, die Bevölkerung durchimpfen kann. Das ist unsere Forderung. Da muss die Politik auch drauf Rücksicht nehmen."

Und für die Psychotherapeuten?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Da ist das große Problem, ja, wie ich eben sagte, dass sie noch gar keinen eHBA bekommen können, weil die technische Spezifikation nicht steht. Wir selbst haben auch beim Bundesministerium interveniert. Die Psychotherapeutenkammer auch. Wir sind da beide dran. Ich glaube jetzt, dass spätestens im Mai die technische Spezifikation steht. Und dann gilt dasselbe, was ich für die ärztlichen eHBAs gesagt habe: Die Fristen müssen verlängert werden. Anders geht es nicht."

In der zweiten Jahreshälfte starten mit der elektronischen Patientenakte, der elektronischen Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem elektronischen Rezept digitale Anwendungen in der Telematikinfrastruktur, die sehr häufig genutzt werden. Die Umsetzungsfristen für die Praxen hat der Gesetzgeber eng gesetzt. Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV, hat Zweifel, ob die gehalten werden können. An den ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen liegt es dabei aber nicht.

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