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Emicizumab

Handelsname: Hemlibra®

Anwendungsgebiet: Routineprophylaxe von Blutungsereignissen bei Patienten mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Hemmkörpern

Pharmazeutischer Unternehmer: Roche Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.04.2018

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 20.09.2018

Zusammenfassung des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a. Patienten, für die eine alleinige Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten eine patientenindividuelle Therapie darstellt
eine patientenindividuelle Therapie unter Berücksichtigung von Faktoren wie z.B. dem Hemmkörper-Titer, Blutungsereignissen, Blutungsrisiko und Verträglichkeit unter Verwendung eines Präparats mit Bypassing-Aktivität (mit Faktor VIII-Inhibitor-Bypassing-Aktivität angereicherte Humanplasmafraktion) Anhaltspunkt für nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
b. Patienten, für die eine andere Therapie als eine alleinige Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten die patientenindividuelle Therapie darstellt
siehe oben Zusatznutzen ist nicht belegt

Emicizumab ist seit April 2018 als Routineprophylaxe von Blutungsereignissen bei Patienten mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Hemmkörpern bei allen Altersgruppen in Verkehr. Es handelt sich um einen chimären, bispezifischen, humanisierten monoklonalen Antikörper, der den aktivierten Gerinnungsfaktor IX und den Gerinnungsfaktor X verbindet, um die Funktion des fehlenden aktivierten Faktors VIII nachzuahmen. im Im Gegensatz zu den bisher üblichen Faktor-VIII-Präparaten wird Emicizumab wöchentlich subkutan injiziert.

Für die Nutzenbewertung wurde die offene, aktiv kontrollierte Phase-III-Studie HAVEN 1 herangezogen. Die Studie vergleicht in ihrem randomisierten Teil Emicizumab als Routineprophylaxe mit einer Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten bei Erwachsenen und Jugendlichen (≥ 12 Jahre) mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Hemmkörpern. Die Daten zeigen zusammenfassend Vorteile von Emicizumab gegenüber der Bedarfsbehandlung bei der Morbidität (jährliche Blutungsrate) und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Die Vorteile lassen sich jedoch nicht quantifizieren.

Für Reaktionen an der Injektionsstelle zeigte sich ein statistisch signifikanter Nachteil für Emicizumab, der jedoch als nicht schwerwiegend eingeschätzt wurde und in seiner Bedeutung unklar blieb. Die geringe Patientenzahl innerhalb der Studie erlaubte es zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung nicht, eine abschließende Beurteilung des Nebenwirkungsprofils von Emicizumab vorzunehmen. Des Weiteren fehlten Langzeitdaten zur Sicherheit und Immunogenität von Emicizumab.

Für die Teilpopulation der Patienten mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Hemmkörpern, für die eine alleinige Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten eine patientenindividuelle Therapie darstellt (a), hat der G-BA auf Grundlage der Studiendaten einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen abgeleitet. Für die Teilpopulation, für die eine andere Therapie als eine alleinige Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten die patientenindividuelle Therapie darstellt (b), wurde kein Zusatznutzen abgeleitet, da sowohl der vom pharmazeutischen Unternehmer dargelegte adjustierte indirekte Vergleich als auch die vorgelegten intraindividuellen Vergleiche wegen zu großer Unsicherheiten nicht herangezogen werden konnten.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Emicizumab soll durch in der Behandlung der Hämophilie erfahrene Fachärzte erfolgen.

Gemäß den Vorgaben der EMA hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Risikominimierung muss der pharmazeutische Unternehmer Schulungsmaterial für medizinisches Fachpersonal, Patienten/Betreuungspersonen (Patientenpass und Trainingsmaterial) sowie für Laborpersonal zur Verfügung stellen. Das Schulungsmaterial enthält spezifische Informationen zum Umgang mit thrombotischer Mikroangiopathie und Thromboembolie, zur Anwendung von Bypassing-Präparaten und zum Einfluss von Emicizumab auf Gerinnungstests (Gefahr von Missinterpretationen).