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Aktueller Stand bei den MIOs

MIOs: Stand der Dinge beim Standard für ePA und Co

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: „Wir sind im Zeitplan. Das bedeutet, die medizinischen Informationsobjekte, die wir uns vorgenommen haben für dieses Jahr, sind in der Produktion. Wir sind im Zeitplan, das ist nicht einfach, weil es sich um ein hochkomplexes Thema dabei handelt. Wir sind zurzeit dabei, den Impfpass in die Kommentierungsphase zu geben. Das bedeutet, auf einer Plattform können alle berechtigten Interessenten, aber auch jeder sonstige Interessent kann sagen, was er von den MIOs hält, von diesem Impfpass hält, was ihm fehlt, was er für nicht so gut gelöst findet. Wir werden dann alle Kommentare auswerten und in die Weiterentwicklung einfließen lassen. So wird es auch mit den anderen Objekten gehen. Die MIOs sind ja ein Kernbestandteil der elektronischen Patientenakte, die im nächsten Jahr starten soll, und für uns das allerwichtigste Instrument, weil damit die Versorgung verbessert werden kann. MIOS sind die Voraussetzung, dass Ärzte medizinische Daten in einer verständlichen Art und Weise, medizinisch klar, sauber definiert jeweils von einem Arzt zum anderen übertragen können. Das erst schafft die Voraussetzung für eine Versorgungsverbesserung. Deshalb sind die MIOs zentral und wir sind daran höchst interessiert, dass wir das zeitgerecht schaffen und dass wir auch in den nächsten Jahren weitere MIOs schaffen. Die Zeit drängt deshalb so sehr, weil der Gesetzgeber Druck macht. Digitalisierung ist ein großes Thema in der Politik, auch im Bundesgesundheitsministerium. Auch wir verstehen das, dass wir uns wandeln müssen im Gesundheitswesen und die MIOs richtig umgesetzt - auch die ePA richtig umgesetzt - kann in der Tat zu einer Verbesserung der Versorgung führen. Und deshalb sind wir höchst interessiert daran, auch unseren Teil zu leisten. Richtig umgesetzt bedeutet, dass wir das Thema medizinisch sauber anfassen. Es gibt viele medizinische Definitionen für einen Sachverhalt. Wir müssen medizinisch festlegen, wie standardisiert werden soll. Das hat nichts mit Inhalten zu tun. Alles ist richtig oder alles ist falsch - sie können zum Beispiel Labordaten in verschiedenen Werten darstellen und wir müssen uns auf eins einigen, damit der Austausch zwischen den Ärzten und auch im Krankenhaus mit anderen Leistungsbeteiligten, jeder der Einsicht nehmen darf, weiß was mit dem Laborwerte gemeint ist. Das ist wichtig, das ist ein Teil, und auf der anderen Seite müssen wir auch dafür sorgen, dass die Syntaktik, also die Umsetzung in die Codierung und später in die PVS-Systeme in die Rechnersysteme auch einhaltlich funktioniert. Das ist ein Stück Entwicklungsarbeit, das wir auf der technischen Seite nicht alleine leisten müssen, sondern auch gemeinsam mit der gematik. Das zu leisten, ist in den nächsten Jahren eine große Aufgabe, aber kann uns insgesamt einen großen Schritt voranbringen, in der Verbesserung der Versorgung.“

Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: „Die MIOs sind wie gesagt eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe und wir gehen davon aus, dass auch alle anderen medizinischen Daten, die in die ePA kommen sollen, auch diesen MIO-Standards genügen. Hintergrund ist die Möglichkeit, dass demnächst auch für Patienten Apps verordnet werden können und der Patient wird in diesen Apps, die wir noch nicht genau kennen, weil die vom BfArM zugelassen werden müssen, dass da auch medizinische Daten produziert werden und der Patient wird wahrscheinlich diese Daten auch in seine ePA transportieren wollen. Das ist auch legitim und zulässig. Andererseits müssen wir darauf Wert legen, dass diese Standards, mit denen diese medizinischen Daten in den Apps erhoben werden, kompatibel sind zu den MIOs. Eine zusätzliche Aufgabe, die wir auch noch leisten müssen, denn ansonsten macht es keinen Sinn. Sonst hätten Sie zwei verschiedene Welten in einer ePA: macht medizinisch keinen Sinn - führt nur zu Verwirrung. Unsere Vorstellung ist, dass die PVS-Dokumentation weiterhin die einzig führende für den Arzt ist. Er selbst entscheidet, was er in seiner PVS dokumentiert und wie er dokumentiert. Für die Überführung in die ePA werden dann entsprechende Abzüge technisch möglich sein. Wir stellen uns vor, dass es relativ einfach ist, die MIOs und, so erwünscht auch die PDFs, zu überführen. Dann sind die aus der Praxis heraus und sind in der alleinigen Verantwortung des Patienten in der ePA. Das ist auch das Thema, was uns kritisch an der ePA auch umtreibt, weil damit nicht sichergestellt ist, dass die Daten automatisch an die anderen Ärzte weitergegeben werden. Der Patient hat das Recht und das ist auch völlig legitim, dass er nur Teile in seine ePA übernimmt von den Arztdaten und dass er gegebenenfalls bei einem anderen Arzt auch nur Teile zur Verfügung stellt. Damit kann ein weiterbehandelnder Arzt nie sicher sein, dass die ePA, die er sieht, die medizinischen Daten in der ePA vollständig sind. Deshalb ist unsere Forderung, dass wir für einen Austausch oder für eine gemeinsame Behandlung eines Patienten in einem konkreten Behandlungsfall, dass es dort auch eine Möglichkeit geben muss, dass die Daten komplett sind, dass der Patient in dem Fall - er muss da auch zustimmen - dass er dann die Daten nicht verändern kann. Das ist doch eine Forderung, die wir platziert haben. Das würde aus unsere Sicht erst einmal die ePA rund machen und eine Möglichkeit schaffen, dass insgesamt die Versorgung verbessert wird.“

Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten ein?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: „Das wird sich am Nutzerverhalten zeigen. Werden Patienten ePAs wollen und können Ärzte damit auch etwas anfangen, unabhängig von den juristischen Verpflichtungen. Wir werden ja aufgrund der gesetzlichen Vorgabe zum 1. 1. 2021 das Recht des Patienten, eine ePA zu bekommen. Und der Arzt wird dann verpflichtet sein, auch die Daten, die der Patient wünscht, in die ePA zu übertragen. Am Anfang werden das die MIOs sein, die werden natürlich gering sein, maximal fünf nach dem jetzigen Stand. Aber der Patient wird ja auch mehr Daten haben wollen. Und am Anfang sieht auch der Gesetzgeber vor, dass es auch möglich sein soll, Schrift-Dokumente, PDFs zu übertragen. Das ist nicht das, was später mal gewünscht ist, denn diese PDFs können sie ja nicht strukturiert weitergeben in die PVS-Systeme. Sie können sie nur wegspeichern und immerhin müssen sie sie ja aufmachen und den Arztbrief aus dem Krankenhaus lesen. Sie können aber nicht die darin enthaltenen medizinischen Daten, Labordaten oder andere Befunde automatisch einakten. Das ist natürlich ein Nachteil. Und je nachdem, wie schnell es passieren wird, diese Daten auch in die MIO-Welt zu transformieren, umso eher wird das Instrument von der Ärzteschaft auch als sinnvoll angesehen. Es wird ein längerer Transformationsprozess sein, aber wir müssen einfach damit zunächst starten.“

Das erste Medizinische Informationsobjekt ist in der Kommentierungsphase. Die Arbeiten an diesem hochkomplexen Thema laufen fristgemäß. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel berichtet über den aktuellen Stand der Arbeiten und erklärt den Zusammenhang zwischen den MIOs und der ePA.

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