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Digitalisierung in der Coronakrise

Wie hat sich das Thema Digitalisierung in den zurückliegenden Wochen entwickelt?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Viele Praxen haben erkannt, auch durch Nachfrage von ihren Patienten, dass es sinnvoll ist, Digitalisierung einzusetzen. Und ich denke, dass damit auch ein Schub sowohl bei den Ärzten wie auch bei den Patienten gekommen ist, nach sinnvoller Digitalisierung in den Praxen. Beispielsweise ist die Videokonferenz, die Videosprechstunde ja sehr stark angenommen worden. Nun kann man sagen, ob das wirklich eine große Digitalisierung ist. Fakt ist, dass damit erstmalig auch Möglichkeiten der digitalen Nutzung erlebbar gemacht worden sind und auch angenommen worden sind, sowohl vom Arzt, von den Arztpraxen wie auch von den Patienten. Ein Beispiel aus einer KV: Dort waren vor Beginn der Corona-Maßnahmen, der Einschränkungen, nur vier Genehmigungen für Video Sprechstunden ausgestellt. Kurz danach, 1-2 Wochen danach, haben über 700 Praxen sich dafür interessiert und die Genehmigung beantragt. Das zeigt, wenn sinnvolle Maßnahmen, sinnvolle Werkzeuge vorhanden sind, werden sie auch genutzt.“

Hätten Sie sich gewünscht, dass eAU und eRezept schon in den Praxen im Einsatz gewesen wären?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Bei elektronischer Arbeitsunfähigkeit und dem elektronischen Rezept muss man unterscheiden zwischen zwei Dingen, die in dem Fall leicht verwechselt werden. Es geht einmal um den elektronischen Übermittlungsweg, also kommt das Rezept beispielsweise elektronisch aus der Arztpraxis über den Patienten zum Apotheker. Und zweitens, was häufig gerne damit in Zusammenhang gebracht wird, ist eigentlich eine Fernbehandlung. Beides ist teilweise bei den Corona-Maßnahmen erfolgt. Beispielsweise konnte man ja auch eine Zeit lang jetzt durch Beschlüsse des Bundesausschusses eine telefonische Arbeitsunfähigkeit bei seinem Arzt beantragen und die wurde dann auch ausgestellt. In der Tat, ich würde mir wünschen, dass dieses Instrument schon besser vorhanden gewesen wäre, aber ich muss auch darauf hinweisen, dass manche dieser Maßnahmen, die jetzt angedacht sind, nicht sehr praxistauglich sind. Ich würde mir erwarten, dass es auch noch praktischer umgesetzt werden kann, die eAU, aber auch das elektronische Rezept.“

Worin liegt das Problem?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Bei der eAU ist das Problem aus unserer Sicht, dass es eine doppelte Ausstellung geben wird. Ab dem nächsten Jahr wird es so sein, dass der Patient einen Papierausdruck seiner Arbeitsunfähigkeit bekommt. Gleichzeitig muss der Arzt auch noch elektronisch diese Meldung in die TI schicken und damit zur Krankenkasse. Später wird die Krankenkasse dann auch die AU weiterleiten an den Arbeitgeber. Und wir würden uns vorstellen, dass Digitalisierung bitte nur einen Weg macht und keine Hybrid-Lösung, also Papier und Elektronik.“

Und beim Stichwort Signatur?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Kompliziertes Thema, aber ganz wichtig für die Praxis. Wir sprechen einmal von der Stapelsignatur. Das bedeutet, dass der Arzt dann viele Signaturen auf einmal erledigen kann, in einem Rutsch sozusagen. Und das stellen wir uns vor für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, würde bedeuten, dass der Arzt dann am Abend oder wann auch immer es ihm im Praxisablauf passt, alle AUs bis zu dem Zeitpunkt zusammenfasst und mit einer Signatur quasi elektronisch unterschreibt und dann rausschickt in die Telematikinfrastruktur. So, das ist bei der elektronischen AU machbar, weil der Patient das nicht direkt mitnehmen muss. Er bekommten einen Papierausdruck weiterhin, aber das, was elektronisch geschickt werden muss, das kann er auch einmal am Tag machen. Das kann man mit der Stapelsignatur lösen. Das andere Thema, was Sie ansprechen, ist die Komfortsignatur. Beim elektronischen Rezept kann der Arzt nicht warten, bis abends, der Patient will das Rezept ja mitnehmen. Also muss es eine vereinfachte Möglichkeit dafür geben. Und da stellen wir uns eine Komfortsignatur vor, haben auch massiv in der Gematik dafür geworben und auch Druck ausgeübt. Und es sieht so aus, dass in der Tat eine solche Komfortsignatur für das Rezept kommen soll. Und sie sieht so aus, dass der Arzt dann einmal morgens seine Signatur eingibt, sich damit praktisch freischaltet und jeweils dann, wenn er ein Rezept ausstellt, noch einmal an seinem Rechner. das bestätigt, aber viel einfacher als mit der elektronischen Signatur. Wir halten das für eine grundsätzlich praxistaugliche Lösung und erwarten, dass die Gematik die auch so schnell wie möglich umsetzt. Denn das setzt auch noch Änderungen am Konnektor voraus. Alles hängt fast mit allem zusammen in dieser elektronischen Umsetzung der Verordnungen, und es ist notwendig, dass alle Bausteine ineinandergreifen und auch sicher und komfortabel zu bedienen sind.“

Was wünschen Sie sich grundsätzlich von den Praxen im Hinblick auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„Mein Wunsch wäre, dass die Praxen das, was sie elektronisch machen können, auch umsetzen. Das heißt zum Teil gibt es ja gesetzliche Vorgaben. Das muss umgesetzt werden. Mein Wunsch wäre aber auch, dass sie sich möglichst rechtzeitig auf die Bedingungen vorbereiten, sich informieren. Was wird gebraucht, zum Beispiel der elektronische Heilberufeausweis, die Konnektoren und auch die Updates einzuspielen. Denn ansonsten kann es immer wieder zu Problemen führen. Wir haben beispielsweise jetzt erlebt, dass es ein technisches Problem gegeben hat bei einer neuen elektronischen Gesundheitskarte, die nearfield-fähig ist, das ist also die Möglichkeit, dass auch ohne Einlesen die Daten übertragen werden können. Wir kennen das alle von Kreditkarten. Da hat es ein technisches Problem gegeben mit dem Konnektor. Auch das muss berücksichtigt werden. Da würden wir bitten, wenn es ein Update gibt, dass der Arzt das auch dann möglichst schnell einspielt. Weil, es gibt keine automatischen Updates, das heißt, der Arzt muss selbst entscheiden, ob er dieses Update in seinem System einpflegt und auf der anderen Seite natürlich auch an die Hersteller ins Stammbuch geschrieben und die Gematik: Bitte ausreichend testen. Nur praxistaugliche und ausreichend ausgetestete Produkte zur Verfügung zu stellen, damit es eben nicht zu solchen Rückrufaktionen kommen muss bzw. zu schnell einzuspielenden Updates.“

Wird die KBV auch in diesem Jahr die Praxen nach ihrer Einschätzung fragen?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
„In jedem Fall, das ist ganz wichtig, weil gerade durch die Corona-Problematik sich gezeigt hat, dass viele Ärzte jetzt den Wert von Digitalisierung auch von der Nutzung in ihrer Praxis anders einschätzen und neu bewerten. Das ist für uns sehr interessant zu sehen, wie Ärzte darauf reagiert haben, ob wir dann auch als KBV und als KV-System Unterstützung leisten können im Rahmen einer sinnvollen Digitalisierung.“

Die Coronakrise hat es einmal mehr gezeigt: Die Digitalisierung ist aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Einiges - wie die Videosprechstunde - ist bereits im Einsatz. Vieles ist noch auf dem Weg. Wichtig bleibt, dass alle Anwendungen praxistauglich sind, so sieht es Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV. Seine Sicht auf die aktuellen digitalen Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung erläutert er im Video.

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