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aktualisiert am 17.01.2024

Praxisverwaltungssysteme (PVS)

Rahmenvereinbarung für Praxissoftware – Vorteile für alle Seiten

Jede Praxis muss sich auf ihre Software verlassen können. Funktioniert sie nicht einwandfrei, erschwert das den Praxisablauf und gefährdet schlimmstenfalls die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Nur zu funktionieren, reicht allerdings nicht aus. Die Software muss auch verlässlich und benutzerfreundlich sein und zu angemessenen sowie transparenten Preisen angeboten werden.

Bei der Zertifizierung der Praxissoftware prüft die KBV, dass ein Praxisverwaltungssystem (PVS) gesetzlich bestimmte Anforderungen erfüllt – zum Beispiel, ob die hinterlegten Formulare den Vorgaben entsprechen. Dies bildet nur begrenzt ab, wie gut es in der Praxis funktioniert. Dazu hat die KBV nun einen weiteren Auftrag vom Gesetzgeber erhalten: Eine Rahmenvereinbarung zu erstellen, die bislang offene Punkte abdeckt.

Die Rahmenvereinbarung ist freiwillig für PVS-Anbieter. Sie abzuschließen, bringt aber Vorteile für alle Seiten:

  • Nutzerfreundlichkeit: Das PVS bietet durch anwendungsübergreifende Funktionen eine komfortablere Unterstützung der Praxisabläufe.
  • Preistransparenz: Jede Ärztin und jeder Arzt weiß genau, welche Kosten auf die Praxis zukommen. Gleiches gilt für jede Psychotherapeutin und jeden Psychotherapeuten. Klar ist auch, wie lange die vereinbarten Preise gelten.
  • Sicherheit: Die Praxis wird vom PVS-Anbieter über Installation und sicherheitskritische Einstellungen informiert.
  • Service: Die Praxis hat einen Ansprechpartner und kann sich darauf verlassen, dass sich dieser innerhalb vereinbarter Servicezeiten um das Anliegen kümmert.
  • Updates: Quartals-Updates werden einfach und unkompliziert online bereitgestellt.
  • Entlastung: Wenn die Software hält, was sie verspricht, sorgt das für Zufriedenheit auf allen Seiten. Es entsteht kein unnötiger Aufwand durch Beschwerden oder Anfragen, die gestellt beziehungsweise beantwortet werden müssen.
  • Sichtbarkeit: Die PVS-Anbieter zeigen, dass ihre Systeme wichtige Standards und hohe Qualitätsvorgaben einhalten und dies auch in Zukunft tun werden. So können Praxen auf einen Blick erkennen, dass ein PVS sie in der Praxis bestmöglich unterstützen wird.

Die KBV hat bei der Erstellung der Rahmenvereinbarung die Industrie von Beginn an eingebunden. Die PVS-Anbieter waren vom 6. Dezember 2023 bis zum 5. Januar 2024 zur Kommentierung eingeladen. Mit mehr als hundert eingegangenen Kommentaren stieß die Kommentierung auf große Resonanz.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist die Rahmenvereinbarung?

Der Gesetzgeber hat der KBV ermöglicht, eine Rahmenvereinbarung für informationstechnische Systeme zu erstellen. Zu finden ist dieser Auftrag in Paragraf 332b SGB V. Die KBV hat dies angenommen und gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen eine Rahmenvereinbarung für PVS erstellt. Diese steht nun zur Kommentierung bereit:

Kommentierungsplattform

Was regelt die Rahmenvereinbarung?

Die Rahmenvereinbarung soll laut Gesetzestext die Leistungspflichten, Vertragsstrafen, Preise, Laufzeiten und Kündigungsfristen von PVS-Anbietern gegenüber den Vertragsärztinnen und Vertragsärzten regeln. Auch die Vertragspsychotherapeutinnen und Vertragspsychotherapeuten gehören dazu.

Wann kommt die Rahmenvereinbarung?

Nach der Kommentierungsphase wertet die KBV die Rückmeldungen aus. Danach wird die überarbeitete Rahmenvereinbarung veröffentlicht. PVS-Anbieter können diese dann mit der KBV schließen.

Wer genau schließt wofür die Rahmenvereinbarung mit wem?

Jeder PVS-Anbieter kann für jedes seiner angebotenen PVS eine Rahmenvereinbarung mit der KBV schließen.

Wie lange gilt die Rahmenvereinbarung?

Sie hat eine Laufzeit von 24 Monaten ab dem Datum, an dem sie geschlossen wurde.

Ist die Rahmenvereinbarung Pflicht?

Nein, es ist kein PVS-Anbieter verpflichtet, eine Rahmenvereinbarung abzuschließen.

Statements der Kassenärztlichen Vereinigungen zur Rahmenvereinbarung

Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO)

„Sobald die erste Rahmenvereinbarung nach §332b zwischen der KBV und einem PVS-Anbieter geschlossen ist, wird die KV Nordrhein (KVNO) ihre Mitglieder gezielt darauf hinweisen. Insbesondere für PVS-wechselwillige Praxen wird hierdurch deutlich mehr Transparenz und Vergleichbarkeit hergestellt, als dies heute der Fall ist. Auch KVNO-Mitglieder, die keinen PVS-Wechsel anstreben, profitieren künftig von den Rahmenvereinbarungen: So können sie sich z. B. einen schnellen Überblick zur Leistungsfähigkeit des Marktes verschaffen und ihren PVS-Anbieter zu einem besseren Preis-/Leistungsangebot motivieren.“

Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB)

„Wesentliches Ziel der Rahmenvereinbarung ist es aus Sicht der KV Bayerns, in Bezug auf die unterschiedlichen Praxisverwaltungssysteme (PVS) gewissermaßen die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir hoffen, dass durch die Rahmenvereinbarung im bislang recht verschlossenen, undurchsichtigen Markt der PVS mehr Transparenz in Bezug auf Leistungen, Preise und Produktqualität möglich sein wird. Wenn wir unseren Mitgliedern in der Beratung sagen können, dass sie die PVS der Unternehmen, die dieser Vereinbarung beigetreten sind, bedenkenlos einsetzen können, dann wäre das aus unserer Sicht ein großer Erfolg.“

Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL)

„Der Gesetzgeber hat mit dem § 332b die Grundlage einer Win-Win-Situation sowohl für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten als auch für die Software-Hersteller geschaffen. Die Ärzte profitieren von der erstmaligen Markt-Transparenz und der Vergleichbarkeit der PVS-Produkte, die Hersteller von der Möglichkeit, die Qualität und die zugehörigen Dienstleistungen des jeweiligen Software-Produkts darstellen zu können. Wesentlich ist, dass alle Regelungen der Rahmenvereinbarung auch allen Bestandskunden angeboten werden. Jeder Arzt und jeder Psychotherapeut erhält dadurch die Möglichkeit, von den Vorteilen der beidseitigen Vereinbarung zu profitieren.“

Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN)

„Mit den Rahmenvereinbarungen nach § 332b können wir die Interessen unserer Mitglieder bei der Vertragsgestaltung zentral bündeln und vertreten. Die Rahmenvereinbarung fordert von den PVS- Anbietern Transparenz bezüglich Serviceleistung und Produktqualität an der sich die Anbieter messen lassen müssen. Hier sehe ich die Chance, den Praxen eine bessere Vergleichbarkeit bei der initialen Produktauswahl oder bei einem Systemwechsel zu ermöglichen.“