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Krankenhäuser: Frischzellenkur ist besser als verlängertes Siechtum

Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt laut einer aktuellen Studie, die Anzahl an Krankenhäusern in Deutschland drastisch zu reduzieren – die Experten raten zu einer Umwandlung der Krankenhausstruktur. Dies deckt sich mit der Position der KBV.

Berlin, 16. Juli 2019 – „Ein krampfhaftes Festhalten am Status quo bringt niemanden weiter. Kleine und defizitäre Krankenhäuser um jeden Preis zu erhalten, ist nicht zielführend – auch nicht im Sinne der Menschen vor Ort. Denn diese Häuser haben weder die personellen noch apparativen Kapazitäten, um Patienten umfassend zu versorgen. Ganz zu schweigen davon, dass sie dies aufgrund mangelnder Routine, etwa bei operativen Eingriffen, auch nicht in der gebotenen Qualität leisten können.“ Das hat Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute in Berlin erklärt.

Zu der erneut vorgetragenen Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Kliniken verstärkt für die ambulante Versorgung zu öffnen, weil die Kassenärztlichen Vereinigungen Engpässe hier nicht lösen könnten, sagte Gassen: „Auch durch ständige Wiederholung wird diese Aussage nicht wahrer. Das Gegenteil ist der Fall. Viele regionale Krankenhäuser wären gar nicht in der Lage, eine umfassende Grundversorgung zu gewährleisten, weil ihnen schlichtweg die Ressourcen fehlen. Welches Landkrankenhaus verfügt denn heute beispielsweise noch über eine augenärztliche oder eine gynäkologische Abteilung?“

Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister betonte: „Es kann ja wohl nicht sein, dass die Krankenhäuser sich ambulante Leistungen einverleiben, um überhaupt überlebensfähig zu bleiben. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Es gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen, dass ein erheblicher Teil von Behandlungen, die heute noch stationär erfolgen, genauso gut oder sogar besser in den Praxen erfolgen könnte. Das wäre nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoller, sondern auch im Sinne der Patienten. Doch es geht bei dieser Debatte gar nicht darum, wer recht hat, sondern darum, konstruktive Lösungen zu erarbeiten, gerne auch gemeinsam. Wir haben bereits einen solchen Lösungsvorschlag gemacht, und zwar in Form der Intersektoralen Gesundheitszentren“, führte Hofmeister weiter aus.

In einem von der KBV in Auftrag gegebenen Gutachten hat die Universität Bayreuth das Konzept der Intersektoralen Gesundheitszentren entwickelt: Kleine, defizitäre Krankenhäuser sollen so umgebaut werden, dass Standorte grundsätzlich erhalten bleiben und die Alltagsversorgung sichergestellt werden kann. „Das Entscheidende an unserem Konzept ist, dass die Versorgung und auch Arbeitsplätze vor Ort gewährleistet bleiben. Deshalb lautet unser Motto ‚Umbau statt Abbau‘“, betonte Hofmeister.

„Das Konzept stößt auf Interesse“, so KBV-Chef Gassen und ergänzte: „Für einen Dialog mit Kommunen und Krankenhäusern sind wir gerne bereit. Ziel sollte sein, die knappen ärztlichen und pflegerische Ressourcen zu bündeln. Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch. Eine Frischzellenkur ist allemal besser, als das Siechtum mancher Häuser weiter unnötig zu verlängern.“