Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Presse

Gassen: „Die Anspruchshaltung ist mitunter irrsinnig“

Über eine Flatrate-Mentalität von Patienten, die geplante Notfallreform von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die zukünftige Landarzt-Versorgung sprach Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Gassen machte im Interview deutlich, dass Rettungsleitstellen am Wochenende auch deshalb überlastet seien, weil viele Patienten denken, sie bekämen im Krankenhaus ein Rundum-Sorglos-Paket. Die Notaufnahmen hätten mit dieser mitunter irrsinnigen Anspruchshaltung keine Zeit für die wirklichen Notfälle, so Gassen weiter. Er plädierte im Gespräch dafür, dass über die Nummern 116117 sowie 112 eine Sortierung der Anrufer vorgenommen werden müsse: „Welcher Fall ist dringend und braucht einen Rettungswagen? Wer wäre gut beim ärztlichen Bereitschaftsdienst aufgehoben?“, fragte Gassen. Er begrüßte zudem die Einrichtung von integrierten Notfallzentren an dafür ausgerüsteten Krankenhäusern. Deutschlandweit wären das, einer Schätzung Gassen zufolge, rund 600 bis 700 Kliniken, also in etwa jede dritte. 

Kritisch betrachtete Gassen im Gespräch mit der NOZ die geplante Notfallreform und die angedachte Neustrukturierung des Sicherstellungsauftrages. „Sollte Spahn uns den Sicherstellungsauftrag wegnehmen, wären wir raus aus der Notfallbehandlung,“ so Gassen. Außerdem gebe es dann abends nur noch Privatsprechstunden, so der KBV-Chef weiter. Er schlug vor, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116117 als Anlaufstelle zu etablieren, um die Patienten besser steuern zu können, bevor sie eine Notaufnahme aufsuchen. Zudem sprach sich Gassen auch für eine Steuerung über ein Wahltarifsystem aus. „Wer sich verpflichtet, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren.“ Wer jederzeit verschiedene Ärzte konsultieren möchte, müsse dementsprechend mehr bezahlen, skizzierte Gassen. Es gehe ausdrücklich nicht darum den Bürger zu belasten, sondern es solle eine Wahloption angeboten werden. 

Artikel in der NOZ