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Gassen: „Die Videosprechstunde ist die Sahne auf der Torte“

Zum aktuellen Stand der Digitalisierung in den Arztpraxen, insbesondere auch während der Corona-Pandemie hat der Ärztenachrichtendienst (änd) den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, interviewt.

Gassen macht gleich zu Beginn des Interviews deutlich, dass er keinen Boom der Videosprechstunden sieht. Zwar wurden am Anfang der Corona-Krise die Quotenregelungen zur Videosprechstunde aufgehoben, um Möglichkeiten zu schaffen, dass Patienten nicht in die Praxen kommen müssten. Die beste Technik nütze am Ende aber nichts, wenn die notwendige Bandbreite nicht zur Verfügung stehe. Die Videosprechstunde, so Gassen, scheitere oft schlicht an der Internet-Verfügbarkeit. 

Somit gebe es zwar derzeit eine höhere Nachfrage, aber Gassen glaube nicht, dass das Bestand haben werde. Als Gründe nannte er unter anderem Rückmeldungen von Patienten, die zeigten, dass lediglich zehn Prozent die Videosprechstunde als hilfreich empfunden haben. Eine Videosprechstunde sei ein ergänzendes Tool, den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt werde sie aber nicht ersetzen. Zurzeit seien rund 25.000 Praxen zur Videosprechstunde angemeldet.

„Die Videosprechstunde ist etwas wie die Sahne auf der Torte“, verdeutlicht Gassen seine Einschätzung im Interview mit dem änd. Er gehe davon aus, dass Videosprechstunden in fünf bis zehn Jahren zum normalen Angebot einer Praxis gehören werden. 

Kein Nachteil für Digital-Verweigerer 

Ob ein Arzt Videosprechstunden anbietet oder nicht, sei für Patienten bei der Arztwahl nicht so wichtig. „Das Vertrauen zum Arzt/ zur Ärztin ist meiner Einschätzung nach das entscheidende Kriterium“, sagte Gassen dem änd. Zudem handele es sich bei „Digital-Verweigerern“ mitunter um ältere Kollegen, deren Praxis eigentlich nicht mehr am Netz wäre, die sich aber in der Verantwortung sähen, ihre Patienten weiter zu versorgen und ihre Arbeit liebten. Diese Ärzte hätten verständlicherweise, durch ihre vergleichsweise nur noch kurze Praxistätigkeit, wenig Interesse viel Geld und Mühe in eine aus ihrer Sicht oft verzichtbare Digitalisierung zu investieren. 

Im Interview war sich Gassen aber sicher: „Abgestraft werden diese Kollegen aber vom Patienten nicht. Dafür wird ärztliche Leistung viel zu stark nachgefragt.“

Finanzierung der Videosprechstunde 

Abschließend äußerte sich Gassen im Interview auch zur Finanzierung der Videosprechstunde. Die Chance, dass die Quotenregelung dauerhaft komplett aufgehoben werde, halte er für eher gering. Die KBV wolle keine reinen Videokonsultationszentren fördern, sondern sehe die Videosprechstunde als normale vertragsärztliche Versorgung innerhalb der bestehenden Praxisstrukturen. 

Das Interview auf aend.de