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Gassen: Wir brauchen eine Langfriststrategie

Ein Lockdown sei eine Notbremse und keine langfristige Strategie zur Pandemiebekämpfung, sagte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er sei daher skeptisch, ob die verschärften Corona-Maßnahmen bis zum 10. Januar wirklich den erhofften Nutzen bringen werden.

„Es ist schwer vorstellbar, dass der von der Politik als Messlatte genannte Wert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen durch diesen Lockdown nachhaltig unterschritten werden wird – egal, ob der Lockdown nun drei oder zehn Wochen dauert“, so Gassen. Dabei verweist er auch auf Länder wie Spanien, die trotz harter Maßnahmen immer noch hohe Todeszahlen zu beklagen hätten.

Der KBV-Chef plädiert deshalb vor allem für einen besseren Schutz von Risikogruppen: Durch Verwendung von FFP2-Masken, regelmäßige Tests von Heimbesuchern und Pflegepersonal sowie Entzerren von Verkehr und Kundenströmen ließe sich langfristig deutlich mehr erreichen als mit dem pauschalen Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Auch kleine, aber effektive Verbesserungen der Corona-Warn-App hält er für sinnvoll.

Bezüglich der Impfpriorisierung fordert Gassen klare und nachvollziehbare Regeln. Sobald ein logistisch anspruchsloserer Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar sei, solle außerdem so schnell wie möglich in Arztpraxen geimpft werden. „Wäre genug Impfstoff da, könnten wir das in zwei, drei Monaten schaffen“, so Gassen zum Ziel der Herdenimmunität.

Das Interview beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (17.12.2020)