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Kriedel: „Die Politik muss die Praxen unterstützen. Digital wie analog.“

„Die Praxen, die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV spielen eine unverzichtbare Rolle für den künftigen Erfolg der Digitalisierung – und damit auch für den Erfolg der ambulanten vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung.“ Das hat Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der heutigen digitalen Vertreterversammlung seiner Organisation betont.

Berlin, 3. Mai 2021 – „Warum wohl klopft das Bundesgesundheitsministerium ständig an unsere Tür? Weil wir – KVen und KBV gemeinsam – doch die Einzigen sind, die zuverlässig liefern: praktikable und lebensnahe digitale Produkte für unsere Ärzte und Psychotherapeuten sowie Patientinnen und Patienten“, sagte Kriedel. Damit das auch in Zukunft so bleibe, bedürfe es mehrerer Paradigmenwechsel in Legislative und Exekutive. „Wir brauchen keine Gimmicks, Apps und pseudo-digitalisierten Verwaltungsabläufe. Wir müssen analysieren, welche Versorgungsprobleme und Defizite am drängendsten sind, welche davon Verbesserungspotenzial durch Digitalisierung aufweisen und dann schauen, welche technischen Lösungen wir dafür benötigen – und nicht umgekehrt“, forderte Kriedel.

Unumgänglich sei nach Kriedels Auffassung zudem das umgehende Abschaffen des Sanktionsprinzips. „Wenn Technik und Anwendungen gut sind, werden sie sich auch ohne Strafandrohung durchsetzen.“ Die Forderung gelte auch für bereits angedrohte Sanktionen. „Wir appellieren auch, die Fristen für mehrere Starts zu verschieben: Für die elektronische Patientenakte, Frist 1. Juli; für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Frist 1. Oktober; für das elektronische Rezept, Frist 1. Januar“, so Kriedel. Diese Fristen seien unrealistisch, es fehlten Konnektoren, elektronischer Psychotherapeutenausweis und elektronischer Heilberufeausweis.

Darüber hinaus warnte Kriedel auch vor einem Risiko der Digitalisierung: Je digitaler das Gesundheitswesen werde, umso mehr verschiebe sich die Gesundheitskompetenz hin zur Digitalkompetenz. Ein gutes Drittel der Menschen – davon viele über 65 Jahre alt – fürchte schon jetzt, den Anschluss an die Gesundheitsversorgung zu verlieren, wenn mehr ins Digitale verlegt werde. „Wenn Politik und Zivilgesellschaft hier nicht aufpassen, werden sie eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft heraufbeschwören, in der Millionen Menschen die angebotene medizinische Versorgung nicht wahrnehmen können“, betonte Kriedel. Es brauche dabei aber auch eine aktive Gesundheits- und Digitalisierungsbereitschaft. „Es reicht bei Weitem nicht aus, aufzuklären und zu informieren.“

Forderungen stellte Kriedel auch für die Einführung des digitalen Impfnachweises. „Den bricht die EU übers Knie – oder besser: lässt ihn die Mitgliedstaaten übers Knie brechen“, so Kriedel. Grundsätzlich seien die Vertragsärztinnen und -ärzte dazu bereit, neben dem gelben Impfpass auch den digitalen Impfnachweis auszustellen. „Aber nur unter drei Bedingungen: Erstens nur für Patientinnen und Patienten, die sie selbst geimpft haben. Zweitens sobald die Praxisverwaltungssysteme es ihnen ermöglichen, das automatisiert zu erledigen. Und drittens dürfen den Praxen dafür keine Kosten entstehen. Jeglicher Aufwand muss erstattet werden“, stellte Kriedel fest. Das BMG strebe an, im Juli zu starten. Damit dürften die Praxen aber nicht überrannt werden. Sie seien neben der Regelversorgung ihrer Patientinnen und Patienten zusätzlich in der Pandemie auch zum Impfen, Testen und Versorgen des Großteils der Covid-19-Erkrankten da. Kriedel: „Die Politik muss also nicht nur in der Pandemiebewältigung endlich damit aufhören, den Praxen die Versorgung der Menschen in Deutschland zu erschweren. Und sie stattdessen dabei unterstützen; digital wie analog!“

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