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Stand 27.03.2020

Weiterentwicklung des EBM

Neuer EBM ab 1. April 2020

Nach mehrjährigen Verhandlungen haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband auf eine „kleine“ EBM-Reform geeinigt. Neben einigen strukturellen Änderungen wurde die Bewertung aller Leistungen überprüft und an die aktuelle Kostenstruktur angepasst. Ein Ziel ist es, die sprechende Medizin zu fördern. Der neue EBM gilt ab 1. April 2020.

Übersicht der EBM-Weiterentwicklung

Die Überarbeitung des EBM zum 1. April 2020 lässt sich in zwei wesentliche Bereiche unterteilen. Dies sind zum einen ausgewählte strukturelle Änderungen, die auf das Nötigste reduziert wurden.

Zum anderen wurde die betriebswirtschaftliche Kalkulationsgrundlage angepasst, die die Praxiskosten und Zeitansätze für die einzelnen Leistungen betrifft. Hier stand die Bewertung aller EBM-Leistungen auf dem Prüfstand.

Hinzu kam der gesetzliche Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), die Angemessenheit der Bewertung von Leistungen zu aktualisieren, die einen hohen technischen Leistungsanteil aufweisen, das heißt: Absenkung der technischen Leistungen bei gleichzeitiger Förderung der sprechenden Medizin.

Betriebswirtschaftliche Kalkulationsgrundlage: Mehr Honorargerechtigkeit durch Neubewertung der Leistungen

Ziel: Für eine größere Honorargerechtigkeit zwischen und innerhalb der Arztgruppen sorgen. Die betriebswirtschaftliche Kalkulation der Leistungen schärfen, damit Ärzte und Psychotherapeuten ihre Praxen wirtschaftlich führen und ihr Leistungsspektrum besser am Bedarf der Versicherten ausrichten können.

Anpassung der Bewertung: Die Bewertung ärztlicher Leistungen erfolgt weiterhin auf Grundlage des Standardbewertungssystems (StaBS). Die Systematik des StaBS wurde grundsätzlich beibehalten und insbesondere in drei Punkten angepasst:

  • Aktualisierung des kalkulatorischen Arztlohns (von 105.571,80 Euro auf 117.060 Euro auf Basis der Steigerungswerte des Orientierungswertes der vergangenen Jahre).
  • Aktualisierung der Praxiskosten auf Basis der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes.
  • Kalkulationszeiten der einzelnen Leistungen wurden aktualisiert.

Plausibilisierung der Kalkulationszeiten: Die Zeitansätze aller Leistungen im EBM wurden überprüft. Dabei wurde die tatsächliche (empirische) Arbeitszeit der Ärzte den kalkulierten Zeiten gegenübergestellt – mit dem Ergebnis, dass die abgerechneten Zeiten etwa doppelt so hoch lagen wie die Jahresarbeitszeit. Davon ausgehend fand eine medizinische Plausibilisierung der Zeitansätze unter Berücksichtigung des medizinisch-technischen Fortschritts sowie der Delegationsfähigkeit von Leistungen statt.

Ergebnis: Die Plausibilisierung führt dazu, dass die Zeiten um durchschnittlich circa 30 Prozent gesenkt werden. Durch die Absenkung der Kalkulationszeiten geht kein Vergütungsvolumen verloren. Nicht in den Zeiten abgesenkt wurden Leistungen mit einer festen Taktung wie Gesprächsleistungen oder Anästhesien.

Förderung der sprechenden Medizin: Die Gesprächsleistungen im EBM werden höher bewertet – Beispiele:

  • GOP 03230: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 04230: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 04430: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 30944: 128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)

Die Gesprächsleistungen der Kapitel 14, 16, 21, 22 und 23 wurden darüber hinaus untereinander angeglichen:

  • GOP 14220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
  • GOP 16220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 21220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
  • GOP 22220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)
  • GOP 22221: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 23220: 154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)

Strukturelle Änderungen: Kleine Reform – Aufbau des EBM bleibt unverändert

Ziel: Den EBM unter Berücksichtigung des aktuellen Stands von medizinischer Wissenschaft und Technik anpassen und stärker am Versorgungsbedarf der Versicherten orientieren.

Unter anderem wurden Klarstellungen vorgenommen sowie Regelungen in den Allgemeinen Bestimmungen des EBM konkretisiert und weiterentwickelt. Darüber hinaus gibt es redaktionelle und strukturelle Anpassungen in den einzelnen EBM-Kapiteln. So wurden beispielsweise verschiedene Leistungen inhaltlich erweitert, Berechnungsausschlüsse überarbeitet und in einzelnen Bereichen Sachkostenregelungen angepasst.

Hintergrund und Notwendigkeit der EBM-Weiterentwicklung

Die Kosten für einzelne Leistungen haben sich seit der letzten EBM-Reform in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt, sodass deren Bewertung angepasst werden musste. Dies gilt auch für die Zeiten der Leistungen, die teilweise zu hoch sind.

KBV und GKV-Spitzenverband haben deshalb im Jahr 2012 vereinbart, den EBM weiterzuentwickeln. Zudem hat der Gesetzgeber die Verhandlungspartner zwischenzeitlich aufgefordert, die Bewertung von Leistungen mit einem hohen Technikanteil abzusenken und dafür die sprechende Medizin zu fördern.

Erste Stufe der EBM-Weiterentwicklung

Seit der Beschlussfassung, eine EBM-Reform durchzuführen, sind einige vereinbarte Maßnahmen bereits umgesetzt, unter anderem:

  • Stärkung der hausärztlichen Grundversorgung zum 1. Oktober 2013, unter anderem durch Einführung einer Zusatzpauschale für die Wahrnehmung des hausärztlichen Versorgungsauftrags. Zudem wurden neue Leistungen zur geriatrischen und zur allgemeinen palliativmedizinischen Versorgung eingeführt.
  • Stärkung der fachärztlichen Grundversorgung durch Einführung der PFG – der Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung.
  • Aktualisierung der Dialysesachkostenpauschalen sowie der ärztlichen Betreuungsleistungen zum 1. Juli 2013.
  • Orientierungswert und kalkulatorischer Punktwert sind zum 4. Quartal 2013 auf 10 Cent je Punkt angehoben worden. Die Angleichung der beiden Punktwerte ist dabei ausgabenneutral erfolgt.

Zweite Stufe der EBM-Reform

Mit dem jetzt gefassten Beschluss wird die zweite Stufe der EBM-Reform umgesetzt, wenngleich einige Anpassungen weiter ausstehen (z.B. strukturelle Anpassungen im Bereich ambulantes Operieren, Strahlentherapie).