WEBVTT
Kind: captions
Language: de

00:00:00.000 --> 00:00:01.898
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

00:00:01.898 --> 00:00:04.240
Ja, ganz herzlichen Dank auch von mir.&nbsp;
Herzlich willkommen zu unserer gemeinsamen&nbsp;&nbsp;

00:00:04.240 --> 00:00:10.080
Pressekonferenz. Die Tatsache, dass DKG und&nbsp;
KBV eine gemeinsame Pressekonferenz abhalten,&nbsp;&nbsp;

00:00:10.080 --> 00:00:15.600
zeigt Ihnen schon die Bedeutung der Frage, der wir&nbsp;
uns heute nähern wollen, zeigt Ihnen aber auch,&nbsp;&nbsp;

00:00:15.600 --> 00:00:20.320
dass wir offensichtlich eine zumindest in weiten&nbsp;
Teilen ähnliche Bewertung dieses vorliegenden&nbsp;&nbsp;

00:00:20.320 --> 00:00:25.880
Gesetzentwurfs haben, der für mich schon mit&nbsp;
einem problematischen Namen beginnt. Denn&nbsp;&nbsp;

00:00:25.880 --> 00:00:30.640
wir gehen davon aus, dass dieser Gesetzentwurf&nbsp;
alles andere tun wird, aber nicht die Beiträge&nbsp;&nbsp;

00:00:30.640 --> 00:00:35.080
stabilisieren wird. Was er allerdings reduzieren&nbsp;
wird, ist die Versorgung. Das, glaube ich,&nbsp;&nbsp;

00:00:35.080 --> 00:00:39.400
ist jetzt schon absehbar. Und deshalb,&nbsp;
glauben wir, sind wir auch in der Pflicht,&nbsp;&nbsp;

00:00:39.400 --> 00:00:45.440
das Ihnen und auch den Bürgerinnen und Bürgern&nbsp;
und damit den Patientinnen und Patienten zu sagen.&nbsp;&nbsp;

00:00:46.240 --> 00:00:53.480
Hintergrund ist die sich seit einigen Jahren&nbsp;
zunehmend kritisch darstellende Finanzsituation&nbsp;&nbsp;

00:00:53.480 --> 00:00:56.720
der gesetzlichen Krankenversicherung. Da ist der&nbsp;
Gesetzgeber offenkundig nicht ganz unschuldig&nbsp;&nbsp;

00:00:56.720 --> 00:01:00.800
daran. Bereits in den letzten Legislatur&nbsp;
wurden ja verschiedene Maßnahmen ergriffen,&nbsp;&nbsp;

00:01:00.800 --> 00:01:07.440
die die Krankenkassen auch eher destabilisiert&nbsp;
als stabilisiert haben. Insofern jetzt ein&nbsp;&nbsp;

00:01:07.440 --> 00:01:12.920
solches Gesetz ist ein bisschen „Haltet den&nbsp;
Dieb“ zu rufen. Völlig überraschend hat man&nbsp;&nbsp;

00:01:12.920 --> 00:01:16.560
jetzt festgestellt, dass das ganz kritisch&nbsp;
wird. Und deshalb ist auch diese enorme&nbsp;&nbsp;

00:01:16.560 --> 00:01:21.280
Taktung bei der Gesetzgebung eingetreten,&nbsp;
offensichtlich, was uns dann dazu zwingt,&nbsp;&nbsp;

00:01:21.280 --> 00:01:25.960
auch relativ schnell zu agieren. Sie wissen, der&nbsp;
Gesetzentwurf ist Ende der letzten Woche uns zur&nbsp;&nbsp;

00:01:25.960 --> 00:01:30.840
Kommentierung bis heute Morgen 9 Uhr übermittelt&nbsp;
worden. Da sieht man die hohe Wertschätzung,&nbsp;&nbsp;

00:01:30.840 --> 00:01:36.080
die die gemeinsame Selbstverwaltung in der Politik&nbsp;
einnimmt. Und heute Nachmittag ist bereits die&nbsp;&nbsp;

00:01:36.080 --> 00:01:43.200
Verbände-Anhörung angesetzt. Man kann natürlich&nbsp;
die Frage stellen, ist man tatsächlich an Antwort&nbsp;&nbsp;

00:01:43.200 --> 00:01:48.520
und Kommentierung interessiert, wenn man&nbsp;
Fristen von einem Arbeitstag setzt für ein&nbsp;&nbsp;

00:01:48.520 --> 00:01:54.480
immerhin knapp 160 seitiges Konvolut an doch zum&nbsp;
Teil erheblichen gesetzgeberischen Maßnahmen. Die&nbsp;&nbsp;

00:01:54.480 --> 00:02:00.440
Antwort können sich selber geben. Das ist offen&nbsp;
gestanden nicht das, was wir an Diskussionsfreude&nbsp;&nbsp;

00:02:00.440 --> 00:02:05.160
seitens des Ministeriums erwarten würden. Und&nbsp;
vielleicht wird mit allen anderen gesprochen.&nbsp;&nbsp;

00:02:05.160 --> 00:02:08.680
Mit uns beiden wurde im Vorfeld, insbesondere&nbsp;
nach vorliegenden Gesetzentwurf dann leider&nbsp;&nbsp;

00:02:08.680 --> 00:02:15.000
nicht mehr gesprochen. Insofern müssen wir das von&nbsp;
Extern kommentieren. &lt;br&gt;&lt;br&gt;Ich will versuchen,&nbsp;&nbsp;

00:02:15.000 --> 00:02:19.720
sie durch ein paar Punkte durchzuführen und dann&nbsp;
wird Herr Doktor Gaß sicherlich noch auf einige&nbsp;&nbsp;

00:02:19.720 --> 00:02:25.240
Punkte zu sprechen kommen, die jetzt speziell die&nbsp;
Krankenhäuser besonders beschweren. Also nochmal,&nbsp;&nbsp;

00:02:25.240 --> 00:02:30.120
das Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz wird seinem&nbsp;
Namen nicht gerecht werden. Ich glaube, das kann&nbsp;&nbsp;

00:02:30.120 --> 00:02:33.440
man jetzt schon sagen. Es wird nicht gelingen, die&nbsp;
Beiträge zu stabilisieren. Wir werden allerdings&nbsp;&nbsp;

00:02:33.440 --> 00:02:37.560
eine deutlich veränderte Versorgungslandschaft&nbsp;
bekommen. Und das ist ein Punkt, wo ich einsetzen&nbsp;&nbsp;

00:02:37.560 --> 00:02:42.160
möchte. Im Grundsatz könnte man ja durchaus&nbsp;
über die Maßnahme reden zu sagen na ja, die&nbsp;&nbsp;

00:02:42.160 --> 00:02:45.880
Finanzen sind endlich.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Erst, Sie erinnern&nbsp;
sich noch Corona, die meisten haben es schon&nbsp;&nbsp;

00:02:45.880 --> 00:02:50.880
vergessen. Dann kam der Ukraine Konflikt, jetzt&nbsp;
sind wir im Iran-Krieg. Das sind drei Ereignisse,&nbsp;&nbsp;

00:02:50.880 --> 00:02:54.720
die natürlich auch wirtschaftlich Konsequenzen&nbsp;
haben und haben werden und sich wahrscheinlich so&nbsp;&nbsp;

00:02:54.720 --> 00:02:57.800
schnell nicht stabilisieren. Das heißt, dass man&nbsp;
möglicherweise auch im Bereich der gesetzlichen&nbsp;&nbsp;

00:02:57.800 --> 00:03:02.960
Krankenversicherung Handlungsbedarf hat, ist&nbsp;
zunächst mal unbenommen. Zur Fairness würde dann&nbsp;&nbsp;

00:03:02.960 --> 00:03:06.440
aber dazu gehören, dass man sagt, wenn wir einfach&nbsp;
feststellen, die Finanzmittel sind endlich und wir&nbsp;&nbsp;

00:03:06.440 --> 00:03:11.040
müssen Einschränkungen vornehmen und die sollte&nbsp;
man idealiter dann bei allen vornehmen.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Das&nbsp;&nbsp;

00:03:11.040 --> 00:03:15.560
Gesetz oder der Entwurf wird zunächst mal formal&nbsp;
in Ansätzen gerecht. Wir wissen aber alle,&nbsp;&nbsp;

00:03:15.560 --> 00:03:21.640
dass etliche der Maßnahmen schon aus den realen&nbsp;
Gesetzgebungspaketen herausfallen werden,&nbsp;&nbsp;

00:03:21.640 --> 00:03:26.000
sodass es eben keine gleichmäßige Belastung aller&nbsp;
Versorgungssbereiche ist. Und soweit würde auch&nbsp;&nbsp;

00:03:26.000 --> 00:03:29.720
dazu gehören, selbst wenn alle gleichmäßig&nbsp;
belastet würden, das natürlich logischerweise&nbsp;&nbsp;

00:03:29.720 --> 00:03:35.200
sich das in der Versorgung auswirken muss. Das&nbsp;
heißt, ganz konkretes Beispiel: Wenn Sie in der&nbsp;&nbsp;

00:03:35.200 --> 00:03:39.800
in der vertragsärztlichen Versorgung die Geldmenge&nbsp;
deckeln, die für Leistungen zur Verfügung steht,&nbsp;&nbsp;

00:03:39.800 --> 00:03:43.760
ist es eigentlich ein betriebswirtschaftliches&nbsp;
Grundprinzip, dass auch die Leistung dann&nbsp;&nbsp;

00:03:43.760 --> 00:03:47.320
gedeckelt ist.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Gleichzeitig wird aber ein&nbsp;
ungehemmtes Leistungsversprechen gegeben. Ganz&nbsp;&nbsp;

00:03:47.320 --> 00:03:51.280
im Gegenteil: Die Ministerin tut gerade so,&nbsp;
als ob sich die Versorgung nach diesem Gesetz&nbsp;&nbsp;

00:03:51.280 --> 00:03:54.800
noch verbessern würde. Und da muss man mal&nbsp;
deutlich sagen: Das wird sie nicht. Das heißt,&nbsp;&nbsp;

00:03:54.800 --> 00:03:59.960
die Beitragszahler werden mehr Geld zahlen in der&nbsp;
Zukunft für weniger Versorgung. Und die Gründe&nbsp;&nbsp;

00:03:59.960 --> 00:04:04.240
liegen auf der Hand. Wir werden gleich darauf&nbsp;
zu sprechen kommen, denn einer der zentralen&nbsp;&nbsp;

00:04:04.240 --> 00:04:12.440
Kritikpunkte wird ja vom Gesetz ignoriert. Wir&nbsp;
wissen, dass wir seit Jahren eine Mit-Finanzierung&nbsp;&nbsp;

00:04:12.440 --> 00:04:17.480
von rund 45 Milliarden versicherungsfremder&nbsp;
Leistungen durch die Beitragszahler haben.&nbsp;&nbsp;

00:04:18.840 --> 00:04:23.680
Hier hat der Finanzminister relativ trocken schon&nbsp;
gesagt, er sehe da keinen Handlungsbedarf oder&nbsp;&nbsp;

00:04:23.680 --> 00:04:28.440
keinen Handlungsspielraum. Das heißt, alleine die&nbsp;
12 Milliarden, die an ALG2-Gesundheitsleistungen&nbsp;&nbsp;

00:04:28.440 --> 00:04:32.720
nicht gegenfinanziert werden, werden unverändert&nbsp;
weiter nicht gegenfinanziert. Das heißt übersetzt&nbsp;&nbsp;

00:04:32.720 --> 00:04:36.040
für alle, die es immer noch nicht verstanden&nbsp;
haben: Die Beitragszahler werden über ihre&nbsp;&nbsp;

00:04:36.040 --> 00:04:41.480
Beiträge weiterhin die Gesundheitsleistungen der&nbsp;
ALG2-Empfänger zu einem großen Teil mitfinanzieren&nbsp;&nbsp;

00:04:41.480 --> 00:04:48.400
und werden das bonifiziert bekommen, dass ihre&nbsp;
Versorgung schlechter wird.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Wie wird das&nbsp;&nbsp;

00:04:48.400 --> 00:04:52.640
passieren? Die Deckelung der Vergütung bedeutet&nbsp;
natürlich Rationierung, alles andere wäre schlicht&nbsp;&nbsp;

00:04:52.640 --> 00:04:57.080
gelogen. Und insofern wäre das zumindest der Punkt&nbsp;
Ehrlichkeit, den wir ja anmahnen müssen. Wenn man&nbsp;&nbsp;

00:04:57.080 --> 00:05:01.680
sich darauf verständigt, dass wir Vergütungen&nbsp;
in dem Fall ja nicht nur deckeln, sondern real&nbsp;&nbsp;

00:05:01.680 --> 00:05:05.240
kürzen, denn es werden ja Geldmittel weggenommen,&nbsp;
wie wir es ja gerade in der Psychotherapie schon&nbsp;&nbsp;

00:05:05.240 --> 00:05:10.400
gesehen haben, dieser Prozess wird weiter&nbsp;
fortgesetzt. Dann kann man doch niemandem&nbsp;&nbsp;

00:05:10.400 --> 00:05:13.600
bei klarem Verstand erklären, dass dann die&nbsp;
Versorgung gleich bleiben kann. Das kann sie&nbsp;&nbsp;

00:05:13.600 --> 00:05:18.320
schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht,&nbsp;
denn Praxen, die mit Honorareinbußen zu tun haben,&nbsp;&nbsp;

00:05:18.320 --> 00:05:22.400
werden natürlich ihren Betrieb, ihren Betrieb&nbsp;
Praxis anpassen müssen. Und sei es nur,&nbsp;&nbsp;

00:05:22.400 --> 00:05:26.320
dass sie vielleicht Personal einsparen, dass&nbsp;
damit nicht die gleiche Versorgungsstiefe und&nbsp;&nbsp;

00:05:26.320 --> 00:05:29.920
die Versorgungs-Häufigkeit wie vorher&nbsp;
gewährleistet kann, ist doch wirklich&nbsp;&nbsp;

00:05:29.920 --> 00:05:34.840
auf gut Deutsch ein No-Brainer und in der Folge&nbsp;
werden natürlich Wartezeiten nicht kürzer werden,&nbsp;&nbsp;

00:05:34.840 --> 00:05:40.320
sondern sie werden länger. Also wer was anderes&nbsp;
sagt, hat die Grundprinzipien von Angebot und&nbsp;&nbsp;

00:05:40.320 --> 00:05:45.120
Nachfrage nicht verstanden. Es beginnt bei der&nbsp;
Schwächung der psychotherapeutischen Versorgung,&nbsp;&nbsp;

00:05:45.120 --> 00:05:50.640
die einen ersten Aufgalopp mit der 4,5 % Minderung&nbsp;
im Bewertungsausschuss hatte, der vom Ministerium&nbsp;&nbsp;

00:05:50.640 --> 00:05:53.560
für Gesundheit bis heute nicht beanstandet&nbsp;
worden ist, was wir für dringend erforderlich,&nbsp;&nbsp;

00:05:53.560 --> 00:05:56.120
weil wir ihn auch nicht für rechtssicher&nbsp;
halten.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Man wird aber jetzt auch noch die&nbsp;&nbsp;

00:05:56.120 --> 00:06:00.880
Zuschläge für Kurzzeit-Therapie streichen wollen.&nbsp;
Sie erinnern sich, die hat man erst vor kurzer&nbsp;&nbsp;

00:06:00.880 --> 00:06:04.880
Zeit eingeführt, um eben genau diesen Bereich zu&nbsp;
incentivieren, damit die Psychotherapeutinnen und&nbsp;&nbsp;

00:06:04.880 --> 00:06:08.600
Psychotherapeuten auch Kurzzeit-Therapien mit&nbsp;
schnellem Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe&nbsp;&nbsp;

00:06:08.600 --> 00:06:14.240
anbieten. Kaum machen sie das, wird dieser&nbsp;
Vergütungsaspekt gestrichen. Das nennt man&nbsp;&nbsp;

00:06:14.240 --> 00:06:24.240
natürlich echt belastbare Zusagen aus der Politik.&nbsp;
Und über Dinge wie Prävention und Ambulantisierung&nbsp;&nbsp;

00:06:24.240 --> 00:06:27.520
können wir uns jetzt stundenlang austauschen.&nbsp;
Prävention findet ja in Deutschland bisher nicht&nbsp;&nbsp;

00:06:27.520 --> 00:06:31.920
wirklich statt. Die wenigen präventiven Dinge,&nbsp;
die wir bisher abgebildet haben, werden mit diesem&nbsp;&nbsp;

00:06:31.920 --> 00:06:37.320
Gesetzentwurf natürlich auch noch adressiert.&nbsp;
Da, wo man wirklich sparen könnte, nämlich&nbsp;&nbsp;

00:06:37.320 --> 00:06:44.080
bei der Bürokratie, da sattelt man jetzt mal&nbsp;
ordentlich drauf. Es werden jetzt sozusagen neue&nbsp;&nbsp;

00:06:44.080 --> 00:06:49.040
bürokratische Hemmnisse eingebaut.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Insofern&nbsp;
muss man feststellen, zum einen nimmt man Geld&nbsp;&nbsp;

00:06:49.040 --> 00:06:53.880
aus der Versorgung und belastet zusätzlich die&nbsp;
Praxen mit mehr Bürokratie. Wo das hinführen soll,&nbsp;&nbsp;

00:06:53.880 --> 00:06:57.760
erklärt sich mir persönlich spontan nicht.&nbsp;
Grundsätzlich stellt sich aber natürlich an der&nbsp;&nbsp;

00:06:57.760 --> 00:07:02.680
Stelle die Frage: Soll man Gesundheitsversorgung&nbsp;
von der Kassenlage abhängig machen? Wenn man&nbsp;&nbsp;

00:07:02.680 --> 00:07:08.080
das tut, muss man das ehrlich kommunizieren. Was&nbsp;
wird also passieren?&lt;br&gt;&lt;br&gt;Das Gesetz wird real&nbsp;&nbsp;

00:07:08.080 --> 00:07:12.680
natürlich Versorgung verknappen, das ist völlig&nbsp;
klar. Praxen werden ihr Angebot reduzieren müssen.&nbsp;&nbsp;

00:07:12.680 --> 00:07:16.800
Es wird nicht wenige Kolleginnen und Kollegen&nbsp;
geben, die die Altersgrenze bereits erreicht&nbsp;&nbsp;

00:07:16.800 --> 00:07:20.720
haben und einfach aus Spaß an der Freud und der&nbsp;
Verpflichtung ihren Patienten gegenüber weiter in&nbsp;&nbsp;

00:07:20.720 --> 00:07:27.440
der Versorgung sind. Ich gehe davon aus, dass ein&nbsp;
substanzieller Anteil von denen aus der Versorgung&nbsp;&nbsp;

00:07:27.440 --> 00:07:31.920
ausscheiden wird, nicht zuletzt, weil wir es&nbsp;
wirklich seit mittlerweile jetzt in der dritten&nbsp;&nbsp;

00:07:31.920 --> 00:07:38.280
Legislatur erleben, dass politische Zusagen und&nbsp;
gesetzgeberische Zusagen eine Halbwertszeit haben&nbsp;&nbsp;

00:07:39.520 --> 00:07:45.120
unter der von H-Milch. Das heißt, sie können&nbsp;
daraufhin keine Praxis Strukturen aufbauen,&nbsp;&nbsp;

00:07:45.120 --> 00:07:48.320
wenn Sie 1 bis 2 Jahre später schon wieder&nbsp;
damit rechnen müssen, dass alle die Dinge,&nbsp;&nbsp;

00:07:48.320 --> 00:07:54.640
die Sie jetzt vorbereitet haben, Schall und Rauch&nbsp;
sind. Die GKV-Finanzen müssen stabilisiert werden,&nbsp;&nbsp;

00:07:54.640 --> 00:08:00.040
das ist gar keine Frage. Dafür gibt es&nbsp;
verschiedene Anlässe. Hier muss die Politik&nbsp;&nbsp;

00:08:00.040 --> 00:08:05.400
meines Erachtens auch ran. Aber dazu gehört&nbsp;
natürlich vor allem eine ehrliche Diskussion,&nbsp;&nbsp;

00:08:05.400 --> 00:08:09.280
was soll aus GKV Beiträgen wirklich&nbsp;
finanziert werden. Und wir sind mittlerweile&nbsp;&nbsp;

00:08:09.280 --> 00:08:16.120
weit von einer Situation entfernt, dass mit den&nbsp;
GKV-Beitragsgeldern Versorgung finanziert wird,&nbsp;&nbsp;

00:08:16.120 --> 00:08:21.560
sondern es wird der Sozialstaat finanziert. Dieser&nbsp;
Diskussion verschließt sich die Bundesregierung&nbsp;&nbsp;

00:08:21.560 --> 00:08:26.520
aber völlig offenkundig und das seit vielen&nbsp;
Jahren. Man hat ja in den letzten beiden&nbsp;&nbsp;

00:08:26.520 --> 00:08:30.720
Legislaturen zumindest noch die Gegenfinanzierung&nbsp;
beispielsweise der Gesundheitsleistungen für&nbsp;&nbsp;

00:08:30.720 --> 00:08:33.960
ALG2-Leistungen in den Koalitionsvertrag&nbsp;
geschrieben. Da hat man zumindest noch die&nbsp;&nbsp;

00:08:33.960 --> 00:08:38.840
Form gewahrt. Das hat man diesmal schon gar nicht&nbsp;
mehr gemacht und insofern ist davon auszugehen,&nbsp;&nbsp;

00:08:38.840 --> 00:08:45.280
dass man an einem Bereich hier nicht sparen wird.&nbsp;
Das ist am Sozialstaat. Wohin das führen kann,&nbsp;&nbsp;

00:08:45.280 --> 00:08:49.680
konnte man vor einigen Jahrzehnten in Schweden mal&nbsp;
beobachten. Die Schweden sind dann umgesteuert.&nbsp;&nbsp;

00:08:49.680 --> 00:08:53.520
Hier ist dieser Erkenntnisgewinn offensichtlich&nbsp;
noch nicht angekommen und insofern müssen wir&nbsp;&nbsp;

00:08:53.520 --> 00:08:58.320
im Moment davon ausgehen, dass dieses Gesetz,&nbsp;
wenn es in der Form kommt, wie es im Moment&nbsp;&nbsp;

00:08:58.320 --> 00:09:04.240
adressiert wird, und Frau Warken hat ja sehr&nbsp;
vollmundig gesagt, dass sie einen Großteil&nbsp;&nbsp;

00:09:04.240 --> 00:09:10.240
der Vorschläge der GKV-Kommission umsetzen will,&nbsp;
dann müsste sie das eigentlich in der Schärfe tun,&nbsp;&nbsp;

00:09:10.240 --> 00:09:16.680
dann wird es eine klare Versorgungsveränderung&nbsp;
geben. Und da glaube ich, hat sie den Bericht&nbsp;&nbsp;

00:09:16.680 --> 00:09:22.880
der GKV-Kommission nicht ganz vollständig gelesen.&nbsp;
Denn die Maßnahmen, die die GKV-Kommission als für&nbsp;&nbsp;

00:09:22.880 --> 00:09:27.000
die Versorgung irrelevant im Sinne von es gibt&nbsp;
hier keine Verschlechterung oder Veränderungen,&nbsp;&nbsp;

00:09:27.000 --> 00:09:31.200
das waren ganze sechs Vorschläge, wenn ich&nbsp;
mich recht entsinne. Alle anderen haben mehr&nbsp;&nbsp;

00:09:31.200 --> 00:09:35.880
oder weniger starken Impact auf die Versorgung,&nbsp;
was ja auch logisch ist. Das an sich wäre ja&nbsp;&nbsp;

00:09:35.880 --> 00:09:40.000
noch kein Grund etwas nicht zu machen, aber es&nbsp;
gehört dann eine ehrliche Kommunikation dazu,&nbsp;&nbsp;

00:09:40.000 --> 00:09:45.120
die in Richtung Beitragszahler oder Wähler oder&nbsp;
Bürger vermissen wir im Moment. Stattdessen&nbsp;&nbsp;

00:09:45.120 --> 00:09:51.760
wird ein potemkinsches Dorf einer Friede Freude&nbsp;
Eierkuchen-Versorgungswelt für die nächsten Jahre&nbsp;&nbsp;

00:09:51.760 --> 00:09:56.600
aufgebaut, von dem jeder, der etwas länger im&nbsp;
System ist, weiß, dass das mit diesen gesetzlichen&nbsp;&nbsp;

00:09:56.600 --> 00:09:59.920
Vorgaben nicht zu erreichen wird.&lt;br&gt;&lt;br&gt;Anstatt&nbsp;
also jetzt hier den gemeinsamen Dialog, eine&nbsp;&nbsp;

00:09:59.920 --> 00:10:05.640
gemeinsame Position zu entwickeln und in aller&nbsp;
Offenheit und Seriosität mit allen Beteiligten&nbsp;&nbsp;

00:10:05.640 --> 00:10:10.520
und den Patientinnen und Patienten hier eine&nbsp;
neue Art der Gesundheitsversorgung zu skizzieren,&nbsp;&nbsp;

00:10:11.080 --> 00:10:15.920
wird so getan, als wenn wir mit diesen&nbsp;
Einsparungen das System an sich retten würde.&nbsp;&nbsp;

00:10:15.920 --> 00:10:20.720
Das System ist so nicht zu stabilisieren, weil Sie&nbsp;
können in einen Eimer so viel Wasser reinschütten,&nbsp;&nbsp;

00:10:20.720 --> 00:10:24.800
wie Sie wollen. Wenn Sie unten immer größere&nbsp;
Löcher rein bohren, wird das wird der Eimer nicht&nbsp;&nbsp;

00:10:24.800 --> 00:10:28.640
voll werden. Und das größte Loch, was wir momentan&nbsp;
haben, sind die versicherungsfremden Leistungen,&nbsp;&nbsp;

00:10:28.640 --> 00:10:33.600
die in Ihrem Volumen der nicht gegenfinanzierten&nbsp;
Leitungen mittlerweile fast die Größenordnung der&nbsp;&nbsp;

00:10:33.600 --> 00:10:38.240
gesamten ambulanten Versorgung ausmachen.&nbsp;
Das ist insofern bemerkenswert, als die&nbsp;&nbsp;

00:10:38.240 --> 00:10:42.080
Versicherten bisher immer noch wahrscheinlich&nbsp;
der Legende aufgesessen sind, dass sie ihre&nbsp;&nbsp;

00:10:42.080 --> 00:10:46.520
Beiträge für ihre Krankenversicherung zahlen.&nbsp;
Das ist mitnichten der Fall, sondern sie zahlen&nbsp;&nbsp;

00:10:46.520 --> 00:10:51.360
ihrer Krankenversicherungsbeiträge für&nbsp;
den Erhalt des Sozialstaats. Vielen Dank.

