WEBVTT
Kind: captions
Language: de

00:00:02.451 --> 00:00:04.996
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

00:00:04.997 --> 00:00:08.560
Was bedeutet einnahmenorientierte&nbsp;
Ausgabenpolitik für die Versorgung?

00:00:08.560 --> 00:00:13.400
Wir haben von der Ministerin gehört, dass man&nbsp;
nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt. Das&nbsp;&nbsp;

00:00:13.400 --> 00:00:18.200
ist im Grundsatz eine Binsenweisheit, die&nbsp;
man so auch nicht einfach verleugnen kann,&nbsp;&nbsp;

00:00:18.200 --> 00:00:22.040
wenngleich das die Bundesregierung&nbsp;
in weiten Bereichen unverändert tut.&nbsp;&nbsp;

00:00:22.600 --> 00:00:27.360
Wir erleben, dass beispielsweise sozialstaatliche&nbsp;
Aufgaben aus den Versichertengeldern bezahlt&nbsp;&nbsp;

00:00:27.360 --> 00:00:30.400
werden und offensichtlich der Finanzminister&nbsp;
hier auch keine Anstalten macht, das zu ändern,&nbsp;&nbsp;

00:00:30.400 --> 00:00:35.160
was im Endeffekt dazu führt, dass die&nbsp;
GKV-Versicherten unverändert diese Last&nbsp;&nbsp;

00:00:35.160 --> 00:00:39.920
mittragen müssen und das in der Konsequenz&nbsp;
bedeutet, durch die Kürzungen, die insbesondere&nbsp;&nbsp;

00:00:39.920 --> 00:00:44.605
auch im ambulanten Bereich stattfinden, sich das&nbsp;
Leistungsangebot notwendigerweise verändern muss.

00:00:47.132 --> 00:00:50.560
Werden die Niedergelassenen zu stark belastet?

00:00:50.560 --> 00:00:56.000
Ja, das kann man ohne Frage so sagen. Wir&nbsp;
haben bei 16 % des Ausgabenvolumens einen&nbsp;&nbsp;

00:00:56.000 --> 00:01:00.520
Versorgungsanteil von rund 97 %. Insofern&nbsp;
kann man natürlich schon die Frage stellen:&nbsp;&nbsp;

00:01:00.520 --> 00:01:06.560
Ist das hier von der Lastenteilung gerecht? Und&nbsp;
die Antwort liegt auf der Hand: Ist es natürlich&nbsp;&nbsp;

00:01:06.560 --> 00:01:11.080
nicht. Einzelne Bereiche werden ausgespart. Nehmen&nbsp;
wir den ganzen Bereich der versicherungsfremden&nbsp;&nbsp;

00:01:11.080 --> 00:01:16.600
Leistungen. Man hat auch nicht wirklich den&nbsp;
Eindruck, dass die Pharmaindustrie hier wirklich&nbsp;&nbsp;

00:01:17.600 --> 00:01:22.360
ihren Sparbeitrag leistet. Da würden mir noch&nbsp;
einige andere Akteure einfallen. Sei es drum.&nbsp;&nbsp;

00:01:22.360 --> 00:01:26.960
Das bedeutet aber, dass wir natürlich, wenn die&nbsp;
Gesetzgebung hier nicht noch eine Veränderung&nbsp;&nbsp;

00:01:26.960 --> 00:01:31.080
erfährt, was im parlamentarischen Verfahren&nbsp;
durchaus denkbar ist, dass wir uns diesen&nbsp;&nbsp;

00:01:31.080 --> 00:01:36.120
veränderten Rahmenbedingungen anpassen müssen. Wir&nbsp;
müssen das als Körperschaften ja umsetzen und am&nbsp;&nbsp;

00:01:36.120 --> 00:01:40.160
Ende des Tages, glaube ich fast, setzen wir dann&nbsp;
auch den Willen der Ministerin um, denn wir haben&nbsp;&nbsp;

00:01:40.160 --> 00:01:44.160
ja sehr häufig in der Vergangenheit hören müssen,&nbsp;
dass die Kolleginnen und Kollegen auch alle zu&nbsp;&nbsp;

00:01:44.160 --> 00:01:49.520
viel machen. Wir sehen die Patienten zu oft. Es&nbsp;
gibt da viel zu viele Arzt-Patienten-Kontakte&nbsp;&nbsp;

00:01:49.520 --> 00:01:53.840
im internationalen Vergleich und dann sehen wir&nbsp;
das Gesetz dann eben auch als einen Auftrag, das&nbsp;&nbsp;

00:01:53.840 --> 00:01:58.840
anzupassen. Und das bedeutet dann letztlich das&nbsp;
einnahmeorientierte Leistungsangebot. Natürlich&nbsp;&nbsp;

00:01:58.840 --> 00:02:05.360
wird sich das Leistungsangebot verringern müssen,&nbsp;
weil bei doch substanziellen Veränderungen in der&nbsp;&nbsp;

00:02:05.360 --> 00:02:09.960
Honorierung müssen die Kolleginnen und Kollegen&nbsp;
in Praxen ihre Praxis natürlich anpassen,&nbsp;&nbsp;

00:02:09.960 --> 00:02:14.760
möglicherweise Personal entlassen und dann ist das&nbsp;
Leistungsangebot in der Art und Weise auch nicht&nbsp;&nbsp;

00:02:14.760 --> 00:02:20.160
mehr durchhaltbar. Umgekehrt muss man sagen, will&nbsp;
die Ministerin ja offensichtlich auch, dass das&nbsp;&nbsp;

00:02:20.160 --> 00:02:24.320
ein bisschen straffer organisiert wird, damit wir&nbsp;
uns dem internationalen Vergleich annähern. Das&nbsp;&nbsp;

00:02:24.320 --> 00:02:28.760
werden wir dann auch umsetzen und das bedeutet&nbsp;
natürlich nicht mehr, sondern logischerweise&nbsp;&nbsp;

00:02:28.760 --> 00:02:34.400
weniger Termine. Das heißt nicht, dass es keine&nbsp;
hochwertige Versorgung in Deutschland mehr gibt,&nbsp;&nbsp;

00:02:34.400 --> 00:02:40.000
aber es gibt eben nicht noch immer einen Schluck&nbsp;
über den Durst und jederzeit für alle alles,&nbsp;&nbsp;

00:02:40.000 --> 00:02:45.360
24/7. Das ist natürlich eine Fantasie, die&nbsp;
vielleicht mancher Kassenchef hat, die aber&nbsp;&nbsp;

00:02:45.360 --> 00:02:49.594
mit dem Sozialgesetzbuch und der jetzt laufenden&nbsp;
Honorierungsdebatte nichts mehr zu tun hat.

00:02:52.248 --> 00:02:55.840
Wie wird die KBV die Praxen&nbsp;
bei der Anpassung beraten?

00:02:55.840 --> 00:03:01.160
Die KBV kann im Grundsatz die Sachverhalte nur&nbsp;
aufzeigen. Wir können die Bundesvorgaben setzen,&nbsp;&nbsp;

00:03:01.160 --> 00:03:06.320
das werden wir auch tun. Und dann müssen die KVen,&nbsp;
weil die Honorarverteilung ist eben eine originäre&nbsp;&nbsp;

00:03:06.320 --> 00:03:10.120
Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, das&nbsp;
mit ihren Vertreterversammlungen besprechen und&nbsp;&nbsp;

00:03:10.120 --> 00:03:14.560
die entsprechenden Honorarverteilungsmaßstäbe&nbsp;
umsetzen. Das klingt alles kompliziert. Am Ende&nbsp;&nbsp;

00:03:14.560 --> 00:03:19.640
geht es darum, dass wir mit der jetzt um rund&nbsp;
5 % verringerten Vergütung für dieses Jahr, und&nbsp;&nbsp;

00:03:19.640 --> 00:03:25.200
das wird ja perspektivisch noch mehr werden, den&nbsp;
Praxen ein Mengengerüst an die Hand geben können,&nbsp;&nbsp;

00:03:25.200 --> 00:03:29.200
an das sie sich dann bitte auch halten&nbsp;
sollten. Das ist auch gesetzlicher Auftrag,&nbsp;&nbsp;

00:03:30.120 --> 00:03:35.080
so interpretiere ich das Spargesetz.&nbsp;
Hier wird auf zwei Paragrafen rekurriert,&nbsp;&nbsp;

00:03:35.080 --> 00:03:39.320
das ist Paragraf 12, Wirtschaftlichkeitsgebot,&nbsp;
das kennt jeder, wirtschaftlich, ausreichend,&nbsp;&nbsp;

00:03:39.320 --> 00:03:46.840
zweckmäßig und das Maß des Notwendigen nicht&nbsp;
überschreitend. Und natürlich 87b, Absatz 2,&nbsp;&nbsp;

00:03:46.840 --> 00:03:53.560
wo unsachgemäße Ausweitung der kassenärztlichen&nbsp;
Tätigkeit verhindert werden soll. Das kann man&nbsp;&nbsp;

00:03:53.560 --> 00:03:58.240
durch Honorarverteilungsmaßstäbe erreichen.&nbsp;
Das hat für die Kollegen natürlich den Auftrag,&nbsp;&nbsp;

00:03:58.240 --> 00:04:02.720
dann ihr Leistungsangebot daraufhin kritisch&nbsp;
zu überprüfen und es anzupassen. Das wird in&nbsp;&nbsp;

00:04:02.720 --> 00:04:06.480
der Regel nach unten sein. Andererseits haben&nbsp;
sie dann auch die Gewähr, dass die Leistungen,&nbsp;&nbsp;

00:04:06.480 --> 00:04:11.400
die sie erbringen, noch bezahlt werden.&nbsp;
Niemand kann dazu verpflichtet werden,&nbsp;&nbsp;

00:04:11.400 --> 00:04:14.920
dauerhaft Leistungen zu erbringen, die&nbsp;
nicht vergütet werden. Das muss man sagen,&nbsp;&nbsp;

00:04:14.920 --> 00:04:18.574
ist nach ärztlicher Berufsordnung sogar gar&nbsp;
nicht zulässig, ohne Honorar zu arbeiten.

00:04:21.428 --> 00:04:24.182
Ist das Gesetz im Sinne der Patienten?

00:04:24.182 --> 00:04:28.240
Na gut, das müssen die Patienten für sich dann&nbsp;
bewerten. Also ich gehe davon aus, die Praxen&nbsp;&nbsp;

00:04:28.240 --> 00:04:33.120
werden ihre Patienten natürlich nach bestem Wissen&nbsp;
und Gewissen und nach finanziellen Möglichkeiten,&nbsp;&nbsp;

00:04:33.120 --> 00:04:39.240
die die Kassen zur Verfügung stellen, versorgen.&nbsp;
Es ist ja nicht eine Initiative der Ärzteschaft,&nbsp;&nbsp;

00:04:39.240 --> 00:04:43.480
die sagt, wir wollen euch jetzt nur noch in&nbsp;
geringerem Umfang versorgen, sondern es wird&nbsp;&nbsp;

00:04:43.480 --> 00:04:48.360
politisch vorgegeben, dass eben weniger Geld&nbsp;
zur Versorgung zur Verfügung steht. Die Kassen&nbsp;&nbsp;

00:04:49.560 --> 00:04:54.440
sehen das genauso und insofern, glaube ich, muss&nbsp;
man dann die Klammer auch schließen und sagen,&nbsp;&nbsp;

00:04:54.440 --> 00:04:59.640
dann ist eben auch für weniger Geld weniger&nbsp;
Leistung zu bekommen. Das ist eigentlich&nbsp;&nbsp;

00:04:59.640 --> 00:05:02.400
für jeden nachvollziehbar. Das gäbe es in&nbsp;
keiner anderen Branche, dass man das auch&nbsp;&nbsp;

00:05:02.400 --> 00:05:06.440
nur hinterfragen würde. Wenn Leistungen nicht mehr&nbsp;
bezahlt werden können, dann muss man eben diese&nbsp;&nbsp;

00:05:06.440 --> 00:05:13.400
Leistungen versuchen zu reduzieren. Deshalb wird&nbsp;
ja keiner schlecht versorgt. Wir müssen nur eben&nbsp;&nbsp;

00:05:14.200 --> 00:05:18.120
auch nicht den Eindruck erwecken, und das ist ein&nbsp;
Appell an die Krankenkassen und an die Politik,&nbsp;&nbsp;

00:05:18.720 --> 00:05:22.480
dass ernsthaft jemand behaupten könnte,&nbsp;
dadurch, dass ich jetzt den Praxen 5&nbsp;&nbsp;

00:05:22.480 --> 00:05:27.000
% weniger Honorar zur Verfügung stelle, die&nbsp;
dafür mehr arbeiten würden. Das ist natürlich&nbsp;&nbsp;

00:05:27.000 --> 00:05:31.149
eine völlig absurde Vorstellung und die wird&nbsp;
auch keine Abbildung in der Realität finden.

00:05:34.058 --> 00:05:37.321
Wie könnte ein Alternative&nbsp;
zum Spargesetz aussehen?

00:05:37.321 --> 00:05:42.280
Na ja gut, dass wir einen Sparzwang in irgendeiner&nbsp;
Form haben, wenn man das Thema Sozialstaatsreform&nbsp;&nbsp;

00:05:42.280 --> 00:05:45.560
nicht angehen will und offenkundig kann und will&nbsp;
das niemand angehen. Herr Klingbeil hat gesagt,&nbsp;&nbsp;

00:05:45.560 --> 00:05:48.040
das machen wir nicht und der Kanzler&nbsp;
hat gesagt, dann ist das in Ordnung&nbsp;&nbsp;

00:05:48.040 --> 00:05:55.960
so. Dann fehlt halt perspektivisch immer ein&nbsp;
Bereich 45 Milliarden, wenn man das gesamte&nbsp;&nbsp;

00:05:55.960 --> 00:06:01.160
Paket der versicherungsfremden Leistungen sieht.&nbsp;
Alleine die ALG-II-Bürgergeldempfänger-Vergütungen&nbsp;&nbsp;

00:06:01.160 --> 00:06:04.920
machen hier zwischen 12 und 14 Milliarden&nbsp;
aus, Tendenz eher steigend, weil die Zahl der&nbsp;&nbsp;

00:06:04.920 --> 00:06:09.400
Bürgergeldempfänger wird ja nicht geringer, zum&nbsp;
Teil durch Zuzug noch deutlich höher. Das heißt,&nbsp;&nbsp;

00:06:09.400 --> 00:06:13.840
dieses Delta wird perspektivisch immer größer.&nbsp;
Der Finanzminister finanziert es nicht gegen,&nbsp;&nbsp;

00:06:13.840 --> 00:06:20.200
außer diese fast läppischen 250 Millionen, wo&nbsp;
er im Gegenzug dann zwei Milliarden aus dem&nbsp;&nbsp;

00:06:20.200 --> 00:06:25.240
Gesundheitsfonds nimmt. Das wird perspektivisch&nbsp;
immer größer, das Loch, und insofern klar,&nbsp;&nbsp;

00:06:25.240 --> 00:06:29.800
muss man dann eben die Leistungsangebote&nbsp;
reduzieren. Letztlich, glaube ich, überall.&nbsp;&nbsp;

00:06:30.400 --> 00:06:34.880
Die formale Vorgabe, dass man sagt, man will&nbsp;
sich an evidenzbasierter Medizin orientieren,&nbsp;&nbsp;

00:06:34.880 --> 00:06:38.640
die kann ja niemand schlecht finden. Es verwundert&nbsp;
dann in dem Zusammenhang allerdings, wenn man auf&nbsp;&nbsp;

00:06:38.640 --> 00:06:44.240
der einen Seite ein Spargesetz macht, wo man&nbsp;
evidenzbasierte, durch den G-BA beschlossene&nbsp;&nbsp;

00:06:44.240 --> 00:06:49.720
Leistungen dann nicht mehr voll vergütet,&nbsp;
gleichzeitig im Apothekengesetz völlig unkritisch&nbsp;&nbsp;

00:06:49.720 --> 00:06:55.040
irgendwelche obskuren Präventionsleistungen, die&nbsp;
dann sozusagen im Bereich der Laienmedizin von&nbsp;&nbsp;

00:06:55.040 --> 00:06:59.320
Apothekern angeboten werden. Ich weiß nicht, ob&nbsp;
das über GKV-Mittel bezahlt werden soll. Das wäre&nbsp;&nbsp;

00:06:59.320 --> 00:07:05.560
natürlich aberwitzig, dass anlasslose Testungen,&nbsp;
die am Ende natürlich ärztliche Kontakte auslösen,&nbsp;&nbsp;

00:07:05.560 --> 00:07:09.760
weil weder Apotheker noch Patienten wissen, was&nbsp;
sie mit diesen Werten anfangen sollen. Das finde&nbsp;&nbsp;

00:07:09.760 --> 00:07:13.640
ich schon bemerkenswert. Insofern ist das Gesetz&nbsp;
hier an der Stelle auch nicht konsistent. Das wird&nbsp;&nbsp;

00:07:13.640 --> 00:07:19.080
sicher zu erklären sein. Und wir müssen natürlich&nbsp;
auf der anderen Seite auch sehr deutlich machen:&nbsp;&nbsp;

00:07:19.080 --> 00:07:23.240
Es kann nicht sein, dass die Praxen&nbsp;
perspektivisch die Ausputzer werden,&nbsp;&nbsp;

00:07:23.240 --> 00:07:31.840
wenn in Apotheken, Drogerien und ähnlichen&nbsp;
Anlaufstellen dann, auf Wunsch von Patienten&nbsp;&nbsp;

00:07:31.840 --> 00:07:36.800
oder Angebotssituationen, die vor Ort&nbsp;
generiert werden, Testungen gemacht werden,&nbsp;&nbsp;

00:07:36.800 --> 00:07:40.000
die einen Abklärungsbedarf auslösen.&nbsp;
Wie das dann vergütet werden soll,&nbsp;&nbsp;

00:07:40.000 --> 00:07:44.800
wer dafür dann die finanzielle Verantwortung&nbsp;
trägt, wird man klären müssen. Sicherlich ist&nbsp;&nbsp;

00:07:44.800 --> 00:07:49.242
das nicht im Rahmen einer zunehmend reduzierten&nbsp;
mobilitätsbedingten Gesamtvergütung zu regeln.

00:07:52.060 --> 00:07:55.240
Was kann die KBV nun noch tun?

00:07:55.240 --> 00:07:57.280
Wir werden natürlich in die Diskussion treten,&nbsp;&nbsp;

00:07:57.280 --> 00:08:00.880
sind wir auch schon. Viele Abgeordnete sind&nbsp;
auch etwas verwundert über die Art und Weise,&nbsp;&nbsp;

00:08:00.880 --> 00:08:04.800
wie dieses Paket vorgestellt wird. Und&nbsp;
natürlich gibt es auch Sparvorschläge,&nbsp;&nbsp;

00:08:05.360 --> 00:08:10.640
die durchaus umsetzbar wären, die natürlich auch&nbsp;
an der anderen Stelle Beschränkungen auslösen,&nbsp;&nbsp;

00:08:10.640 --> 00:08:15.680
die aber nicht die Versorgung so chaotisieren,&nbsp;
wie es beispielsweise das grundsätzliche&nbsp;&nbsp;

00:08:15.680 --> 00:08:21.960
Dogma der einnahmenorientierten Ausgabenpolitik&nbsp;
tut. Denn eins muss man ja deutlich sagen:&nbsp;&nbsp;

00:08:22.840 --> 00:08:26.840
Wie die Bruttolohnsummenentwicklung perspektivisch&nbsp;
ist, kann ja keiner abschätzen. Was wir aber&nbsp;&nbsp;

00:08:26.840 --> 00:08:33.320
abschätzen können, ist, dass die Beschäftigten&nbsp;
im Gesundheitswesen, also ob das MFAs sind oder&nbsp;&nbsp;

00:08:33.320 --> 00:08:37.880
OTAs und wer da alles tätig ist, es ist eine sehr&nbsp;
personalintensive Branche, dass die perspektivisch&nbsp;&nbsp;

00:08:37.880 --> 00:08:41.660
in ihren Gehältern Trepp-ab-Effekte in Kauf&nbsp;
nehmen. Das heißt, hier werden die Kosten&nbsp;&nbsp;

00:08:41.660 --> 00:08:46.200
perspektivisch steigen. Sie werden auch in anderen&nbsp;
Bereichen steigen. Wenn dazu der Honorardeckel&nbsp;&nbsp;

00:08:46.200 --> 00:08:50.080
obendrauf kommt, dann wird natürlich die Luft&nbsp;
immer dünner, sodass das am Ende des Tages&nbsp;&nbsp;

00:08:50.080 --> 00:08:53.920
einen Trepp-ab-Effekt geben wird. Und dieser&nbsp;
Trepp-ab-Effekt wird sich dann natürlich auch&nbsp;&nbsp;

00:08:53.920 --> 00:09:00.400
in der Versorgung zeigen. Das muss man dann sehen.&nbsp;
Vorschläge werden wir natürlich machen, die dann&nbsp;&nbsp;

00:09:00.400 --> 00:09:04.600
eben auch mit Leistungsreduktion an der anderen&nbsp;
Stelle verbunden sind. Wir werden aber noch einmal&nbsp;&nbsp;

00:09:04.600 --> 00:09:10.960
deutlich darauf hinweisen, dass es eine völlig&nbsp;
schräge Idee ist, insbesondere mengensensitive&nbsp;&nbsp;

00:09:10.960 --> 00:09:16.000
Dinge, nehmen wir das Thema Ambulantisierung, es&nbsp;
wird gewollt, dass Leistungen aus dem stationären&nbsp;&nbsp;

00:09:16.000 --> 00:09:19.760
Bereich verlagert werden. Gleichzeitig wird&nbsp;
die dann ja logischerweise stattfindende&nbsp;&nbsp;

00:09:19.760 --> 00:09:23.480
Mengenentwicklung durch einen Honorardeckel&nbsp;
begrenzt. Dass das nicht funktionieren kann,&nbsp;&nbsp;

00:09:23.480 --> 00:09:25.840
ist völlig klar. Möglicherweise will man&nbsp;
dann aber auch die Leistung einfach im&nbsp;&nbsp;

00:09:25.840 --> 00:09:29.821
Krankenhaus lassen. Ob das perspektivisch&nbsp;
so viel Geld spart, muss man dann sehen.

00:09:32.620 --> 00:09:35.734
Erfüllt das Spargesetz denn&nbsp;
dann überhaupt seinen Zweck?

00:09:35.734 --> 00:09:40.480
Man muss davon ausgehen, dass das Spargesetz ein&nbsp;
Etikettenschwindel ist. Wenn man sich anschaut,&nbsp;&nbsp;

00:09:40.480 --> 00:09:45.760
wie die Realitäten aussehen, dann ist völlig&nbsp;
klar, dass man zwar mit diesen Sparmaßnahmen&nbsp;&nbsp;

00:09:45.760 --> 00:09:52.600
Versorgung verändern wird, nicht unbedingt zum&nbsp;
Besseren, aber es wird völlig klar, dass dadurch,&nbsp;&nbsp;

00:09:52.600 --> 00:09:56.040
dass die wirklichen Probleme nicht gelöst&nbsp;
werden und das Finanzloch eher größer wird,&nbsp;&nbsp;

00:09:56.040 --> 00:09:59.680
sodass die Beiträge wahrscheinlich nicht nur&nbsp;
nicht stabilisiert werden, sondern ich glaube,&nbsp;&nbsp;

00:09:59.680 --> 00:10:03.000
man muss damit rechnen, dass zum Ende des Jahres&nbsp;
die ersten Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge&nbsp;&nbsp;

00:10:03.000 --> 00:10:09.400
wieder erhöhen. Und dann wird es sicherlich ein&nbsp;
politisches Erklärstück der besonderen Art werden,&nbsp;&nbsp;

00:10:09.400 --> 00:10:14.080
wie man den Menschen Reduktion der Versorgung&nbsp;
bei gleichzeitig steigenden Beiträgen&nbsp;&nbsp;

00:10:14.080 --> 00:10:18.200
als echte Errungenschaft verkauft. Mir ist&nbsp;
das noch nicht klar. Vielleicht bekommen wir&nbsp;&nbsp;

00:10:18.200 --> 00:10:21.000
hier noch eine bessere Lösung hin, dass&nbsp;
es gelingt, Beiträge zu stabilisieren,&nbsp;&nbsp;

00:10:21.000 --> 00:10:24.800
Versorgung zu stabilisieren und&nbsp;
trotzdem irgendwo Geld einzusparen.

00:10:26.200 --> 00:10:29.609
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