WEBVTT
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Language: de

00:00:02.979 --> 00:00:06.636
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender&nbsp;
Vorstandsvorsitzender der KBV:

00:00:06.636 --> 00:00:08.360
Das BMG plant ein&nbsp;
Primärarztsystem, was erwarten Sie?

00:00:08.360 --> 00:00:13.280
Wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir von&nbsp;
einem primärärztlichen Steuerungssystem sprechen&nbsp;&nbsp;

00:00:13.280 --> 00:00:17.800
und nicht von einem Primärversorgungssystem.&nbsp;
Das sind ganz gewaltige Unterschiede.&nbsp;&nbsp;

00:00:17.800 --> 00:00:23.080
Primärversorgung durch Dritte bedeutet, wir&nbsp;
haben neue Säulen, neue Verantwortlichkeiten,&nbsp;&nbsp;

00:00:23.080 --> 00:00:27.160
neue Ansprechpartner. Wenn das politisch&nbsp;
gewünscht wäre, dann müsste die Politik das&nbsp;&nbsp;

00:00:27.160 --> 00:00:31.000
erklären bei Bürgerinnen und Bürgern&nbsp;
und auch entsprechend organisieren.

00:00:32.862 --> 00:00:36.200
Und ein primärärztliches Steuerungssystem?

00:00:36.200 --> 00:00:41.000
Wenn wir über primärärztliche Steuerung reden,&nbsp;
da hat die KBV ein gutes und geeintes Konzept&nbsp;&nbsp;

00:00:41.000 --> 00:00:45.680
vorgelegt, das vorsieht, dass die primärärztliche&nbsp;
Steuerung in hausärztlichen, kinderärztlichen&nbsp;&nbsp;

00:00:45.680 --> 00:00:50.000
Praxen stattfindet, aber auch zum Beispiel&nbsp;
in gynäkologischen Praxen stattfinden könnte,&nbsp;&nbsp;

00:00:50.000 --> 00:00:56.080
wenn Gynäkologen sich dieser Aufgabe&nbsp;
der Steuerung annehmen wollen würden.&nbsp;&nbsp;

00:00:56.080 --> 00:01:00.360
Und freien Zugang gibt es auf jeden Fall in die&nbsp;
Gynäkologie, in die Augenheilkunde und auch in&nbsp;&nbsp;

00:01:00.360 --> 00:01:05.240
die Psychotherapie nach wie vor Direktzugang.&nbsp;
Alles weitere würde dann über Überweisungen,&nbsp;&nbsp;

00:01:05.240 --> 00:01:13.960
qualifizierte Überweisungen gemacht werden.&nbsp;
Wir haben ein System der 116117-Plattform,&nbsp;&nbsp;

00:01:13.960 --> 00:01:22.120
die hauptsächlich digital, aber auch telefonisch&nbsp;
zur Verfügung steht für die Akut- und&nbsp;&nbsp;

00:01:23.120 --> 00:01:28.240
Notfallversorgung, für den Bereitschaftsdienst und&nbsp;
für all diejenigen Menschen, die tatsächlich keine&nbsp;&nbsp;

00:01:28.240 --> 00:01:34.280
Bindung an eine solche steuernde Praxis finden&nbsp;
können. Das heißt auch da alles aus einer Hand&nbsp;&nbsp;

00:01:34.280 --> 00:01:38.240
vom Akut- und Bereitschaftsdienst&nbsp;
bis hin zur langjährigen Betreuung.

00:01:40.173 --> 00:01:43.640
Was würde das für die Patienten heißen?

00:01:43.640 --> 00:01:48.640
Primärärztliche Versorgung zeichnet sich vor allem&nbsp;
dadurch aus, dass Menschen langjährige Bindungen&nbsp;&nbsp;

00:01:48.640 --> 00:01:53.040
an die Praxen haben, denn da erst entsteht&nbsp;
der wirkliche Mehrwert und über allem steht&nbsp;&nbsp;

00:01:53.040 --> 00:01:59.280
die unbedingte Forderung, es muss Verbindlichkeit&nbsp;
geben, und zwar nicht nur für die Praxen über das,&nbsp;&nbsp;

00:01:59.280 --> 00:02:04.360
was sie tun und lassen müssen, was Steuerung ist,&nbsp;
wie Steuerung beschrieben wird, sondern auch für&nbsp;&nbsp;

00:02:04.360 --> 00:02:09.320
Patientinnen und Patienten, was es bedeutet,&nbsp;
sich dann an solche Steuerungsmodelle zu binden&nbsp;&nbsp;

00:02:09.320 --> 00:02:14.200
und auch an die Vorgaben aus dieser Steuerung zu&nbsp;
halten. Wenn wir also Patientinnen und Patienten&nbsp;&nbsp;

00:02:14.200 --> 00:02:19.040
gemäß dem medizinischen Bedarf tatsächlich&nbsp;
versorgen, dann muss auch diese Versorgung&nbsp;&nbsp;

00:02:19.040 --> 00:02:24.640
gelten und es kann nicht sein, dass parallel dazu&nbsp;
weitere beliebig in Anspruch genommen werden.

00:02:26.906 --> 00:02:30.200
Wie passt dieses Gesetzesvorhaben&nbsp;
mit den vielen anderen zusammen?

00:02:30.200 --> 00:02:34.160
Das ist ja eine der großen Herausforderungen&nbsp;
bei all diesen Gesetzen. Zum Beispiel das&nbsp;&nbsp;

00:02:34.160 --> 00:02:38.000
Notfallgesetz wird natürlich&nbsp;
unmittelbar Auswirkungen haben&nbsp;&nbsp;

00:02:38.000 --> 00:02:43.160
auf die Frage der primärärztlichen Versorgung.&nbsp;
Die Krankenhausreform wiederum hat Auswirkungen&nbsp;&nbsp;

00:02:43.160 --> 00:02:49.160
auf das Notfallgesetz und umgekehrt. Das muss&nbsp;
man als zusammenhängendes System denken. Und was&nbsp;&nbsp;

00:02:49.160 --> 00:02:53.320
natürlich ganz besonders schädlich ist, ist das&nbsp;
Spargesetz. Man kann Hausärztinnen, Hausärzten,&nbsp;&nbsp;

00:02:53.320 --> 00:02:57.680
Kinderärzten schlechterdings abverlangen, dass&nbsp;
sie noch viel mehr tun sollen, steuern sollen,&nbsp;&nbsp;

00:02:57.680 --> 00:03:01.840
die Fachärzte Termingarantien geben sollen&nbsp;
und gleichzeitig dann die Honorare kürzen&nbsp;&nbsp;

00:03:01.840 --> 00:03:04.840
und bei Haus- und Fachärzten wieder die&nbsp;
Deckel einführen, nachdem man sie gerade&nbsp;&nbsp;

00:03:04.840 --> 00:03:09.440
erst entbudgetiert hat. Das ist zynisch,&nbsp;
das ist auch nicht nachvollziehbar und&nbsp;&nbsp;

00:03:09.440 --> 00:03:14.880
das ist überhaupt keine Reform, sondern ganz und&nbsp;
ein ganz klar Kaputtsparen des ambulanten Systems.

00:03:16.813 --> 00:03:20.720
Ist vor dem Hintergrund des Spardrucks eine&nbsp;
sinnvolle Ausgestaltung überhaupt möglich?

00:03:20.720 --> 00:03:24.600
Das wird zumindest eine große Herausforderung,&nbsp;
denn die primärärztliche Steuerung wird kein&nbsp;&nbsp;

00:03:24.600 --> 00:03:30.880
Sparmodell sein. Das wird keine Kosten reduzieren.&nbsp;
Im Idealfall wird es dazu führen können, dass wir&nbsp;&nbsp;

00:03:30.880 --> 00:03:35.520
die Arbeitslast in Zukunft bei der demografischen&nbsp;
Entwicklung überhaupt noch werden leisten können&nbsp;&nbsp;

00:03:36.280 --> 00:03:40.360
und dass die Kosten nicht weiter&nbsp;
explodieren. Das wird also eigentlich die&nbsp;&nbsp;

00:03:40.360 --> 00:03:44.520
Aufgabe einer solchen Steuerung sein. So eine&nbsp;
Steuerung ist aber zuerst einmal aufwendig,&nbsp;&nbsp;

00:03:44.520 --> 00:03:50.600
denn sie verlangt natürlich ganz viel Leistung&nbsp;
der Praxen und sie verlangt und bedingt&nbsp;&nbsp;

00:03:50.600 --> 00:03:55.640
eben auch, dass Patientinnen und Patienten sich&nbsp;
tatsächlich an eine solche Steuerung auch binden.

00:03:57.297 --> 00:04:01.080
Was sind denn die Kernvoraussetzungen, damit&nbsp;
primärärztliche Steuerung funktionieren kann?

00:04:01.080 --> 00:04:07.560
Das eine ist natürlich tatsächlich, wenn man an&nbsp;
den Sparmaßnahmen in der Form festhält oder sie&nbsp;&nbsp;

00:04:07.560 --> 00:04:12.040
gar noch verschärft, dann ist schon die Frage,&nbsp;
wie man von den Praxen Mehrarbeit erwartet,&nbsp;&nbsp;

00:04:12.040 --> 00:04:17.440
wenn gleichzeitig die Umsätze gekürzt werden.&nbsp;
Das widerspricht allen wirtschaftlichen Logiken,&nbsp;&nbsp;

00:04:17.440 --> 00:04:22.880
die man kennt und wird natürlich nicht zum&nbsp;
Erfolg führen. Insofern ist das tatsächlich&nbsp;&nbsp;

00:04:22.880 --> 00:04:27.600
eine Grundvoraussetzung. Das zweite ist die Frage,&nbsp;
wie wir mit den digitalen Plattformen, mit 116117&nbsp;&nbsp;

00:04:27.600 --> 00:04:32.680
umgehen, was es dort für gesetzliche Grundlagen&nbsp;
gibt. Und die dritte und wichtigste Frage ist, wie&nbsp;&nbsp;

00:04:32.680 --> 00:04:37.760
viel Verbindlichkeit wird Bürgerinnen und Bürgern&nbsp;
zugemutet? Wir halten die für absolut unabdingbar&nbsp;&nbsp;

00:04:37.760 --> 00:04:44.480
und alle OECD-Erkenntnisse über die europäischen&nbsp;
Partner zeigen, dass dort kein Steuerungssystem&nbsp;&nbsp;

00:04:44.480 --> 00:04:50.280
ohne Verbindlichkeit funktioniert und insofern&nbsp;
ist das eigentlich die absolute Kernvoraussetzung.

00:04:52.752 --> 00:04:56.280
Wie bringt sich die KBV in&nbsp;
den Gesetzgebungsprozess ein?

00:04:56.280 --> 00:05:00.920
Wir sind im dauernden Dialog. Wir haben Papiere&nbsp;
geschrieben. Diese Papiere liegen auch im BMG&nbsp;&nbsp;

00:05:00.920 --> 00:05:06.400
und im Parlament vor. Das heißt, es&nbsp;
gibt ausgearbeitete und durchdachte,&nbsp;&nbsp;

00:05:07.040 --> 00:05:12.920
zusammenhängende Konzepte, wie man das machen&nbsp;
kann. Konzepte, von denen wir überzeugt sind,&nbsp;&nbsp;

00:05:12.920 --> 00:05:17.240
damit können wir den Bedarf der nächsten Jahre&nbsp;
decken mit den vorhandenen Arbeitskräften.&nbsp;&nbsp;

00:05:17.240 --> 00:05:21.880
Dazu gehört auch selbstverständlich die Teamarbeit&nbsp;
in Praxen. Ich bin immer wieder erstaunt,&nbsp;&nbsp;

00:05:21.880 --> 00:05:26.480
dass so getan wird, als wäre die neu erfunden.&nbsp;
Das ist etwas ganz Ursächliches und Notwendiges&nbsp;&nbsp;

00:05:26.480 --> 00:05:31.240
und schon immer Vorhandenes in Praxen. Und&nbsp;
Teamarbeit ist notwendig, Delegation ist&nbsp;&nbsp;

00:05:31.240 --> 00:05:34.840
notwendig, die Weiterqualifizierung&nbsp;
von Mitarbeitenden ist notwendig.&nbsp;&nbsp;

00:05:35.400 --> 00:05:39.680
Natürlich muss dann aber auch der Umsatz einer&nbsp;
Praxis stimmen, damit man sich immer weiter und&nbsp;&nbsp;

00:05:39.680 --> 00:05:43.640
immer besser ausgebildete Arbeitskräfte leisten&nbsp;
kann und damit man die Last auf viele Schultern&nbsp;&nbsp;

00:05:43.640 --> 00:05:48.840
verteilen kann. Da sind die Praxen schon&nbsp;
lange dran und hier würde natürlich in einem&nbsp;&nbsp;

00:05:48.840 --> 00:05:53.680
primärärztlichen Steuerungssystem auch eine&nbsp;
andere Logik der Vergütung folgen müssen. Die&nbsp;&nbsp;

00:05:53.680 --> 00:05:58.320
Quartalsbindung müsste aufgehoben werden. All&nbsp;
diese Dinge gibt es, da kann man Copy Paste&nbsp;&nbsp;

00:05:58.320 --> 00:06:03.720
machen. Da gibt es gute Vorgaben auf der einen wie&nbsp;
auf der anderen Seite dazu, die aber bei uns nicht&nbsp;&nbsp;

00:06:03.720 --> 00:06:08.280
gelten. Und die bisherigen Gesetzentwürfe, zum&nbsp;
Beispiel zur Vorsorge- und Versorgungspauschale,&nbsp;&nbsp;

00:06:08.280 --> 00:06:13.120
sind da viel zu kurz gesprungen. Das ist auch&nbsp;
jedem Kundigen klar gewesen. Auch hier gilt: Die&nbsp;&nbsp;

00:06:13.120 --> 00:06:19.200
Patientenbindung war nicht vorhanden, insofern war&nbsp;
keine zusammenhängende Lösung dort zu finden. Und&nbsp;&nbsp;

00:06:19.200 --> 00:06:25.920
das alles muss jetzt kommen und dann können wir da&nbsp;
auch zuversichtlich in ein solches System gehen.

00:06:28.068 --> 00:06:31.144
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