Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Videos

Neue Regeln für ambulante Qualitätssicherung geplant

Was halten Sie von den geplanten QS-Regelungen im geplanten GVWG-Entwurf?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Das ist für den ambulanten Bereich, so, wie es jetzt formuliert ist, eine Überforderung. Qualitätssicherung ist natürlich notwendig, aber da wird eben für den ambulanten Bereich, für die Praxen etwas gefordert, was sie überfordert. Es soll eine Analogie zum Krankenhaus-Bereich herstellen, aber der Krankenhaus-Bereich hat diese Forderungen der Qualitätssicherung schon längst erfüllen müssen und er hatte viel viel mehr Zeit und die Bedingungen einer Praxis, einer Einzelpraxis sind ganz andere als in einem großen Krankenhaus.“

Weshalb stört Sie das Timing?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Sie können sich vorstellen, dass die Praxen jetzt in der Pandemie-Zeit, in der Hochzeit der Pandemie ganz andere Probleme haben, als neue Qualitätssicherungsmaßnahmen einzuführen. Qualitätssicherung ist natürlich Kernbestandteil der ärztlichen Tätigkeit, gar keine Frage. Und wir stellen uns auch der Transparenz. Aber das jetzt einzuführen in relativ kurzer Zeit, ohne lange Vorlaufzeiten, ohne ausreichende Schulung und ohne wahrscheinlich ausreichende digitale Unterstützung durch die PVS-Systeme ist einfach eine Überforderung der Praxen.“

Ist Qualitätssicherung also nichts Neues für Praxen?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Nein, in keiner Weise, deshalb sind wir auch überrascht davon, dass der Gesetzgeber das jetzt so mit solcher Vehemenz und einer 100 Prozent-Erfassung ins Gesetz geschrieben hat bzw. umsetzen will. Denn Qualitätssicherung läuft seit über 50, 60 Jahren. Das ist eine Grundvoraussetzung der Tätigkeit früher des Kassenarztes, jetzt des Vertragsarztes, das ist immer weiterentwickelt worden. Wir haben 40 bis 50 Qualitätssicherungsbereiche mit speziellen Richtlinien neben der normalen in Anführungszeichen Weiterbildung und es gibt sehr differenzierte Richtlinien. Zunächst einmal muss geklärt sein, wie die Eingangsqualität ist. Welche Qualifikation muss ein Arzt überhaupt haben, damit er Kassenarzt werden darf bzw. welche Leistungen er dann abrechnen darf? Daneben gibt es Prozess-Qualität. Es wird vorgeschrieben, welche Leistungen in welcher Reihenfolge mit welchen Schritten abgearbeitet werden müssen. Und darüber hinaus gibt es noch Ergebnis-Qualität, wo man anschaut, wie war das Ergebnis, insbesondere bei bildgebenden Verfahren. Das ist vor allem bei Röntgen-Diagnostik, im Labor, aber auch teilweise in der Video-Dokumentation Standard. Insofern ist das nichts Neues und wir gehen davon aus, dass das auch grundsätzlich ausreichend ist. Alle KVen geben jährliche Qualitätssicherungsberichte heraus, die auch zusammengefasst werden und auf Bundesebene veröffentlicht werden und zur Verfügung stehen. Also insofern ist das schon eine zusätzliche Forderung, wo uns nicht ganz klar ist, warum diese Forderung jetzt noch mit dieser Vehemenz ins Gesetz geschrieben werden soll.“

Welches Ziel verfolgt der Gesetzgeber?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Soweit ich den Gesetzgeber auch in der Begründung dieses Gesetzes verstehe, will er damit eine Vergleichbarkeit der Transparenz zum Krankenhaus-Bereich herstellen. Dem ist ja grundsätzlich nichts entgegenzusetzen. Aber das ist methodisch natürlich nicht ganz einfach. Stellen Sie sich vor, Sie müssen eine eine Einzelpraxis oder eine 2er-, 3er-, 4er-Gemeinschaftspraxis vergleichen mit einem großen Krankenhaus, mit 200, 300, 400 Ärzten, vielen differenzierten Hauptabteilung. Dann ist es methodisch sehr schwer, da eine Transparenz der Vergleichbarkeit herzustellen. Nebenbei, übrigens auch vom Aufwand her ist es natürlich so, dass große Krankenhäuser eigene Abteilungen dafür haben, spezialisierte Mitarbeiter, Medizin-Statistiker, die Daten zusammenfassen können. In einer Einzelpraxis im Niedergelassenen-Bereich muss das alles zusätzlich erledigt werden. Das ist unsere Kritik daran. Da kann man schwer sagen, dass das eine Vergleichbarkeit bringt, die hinterher natürlich auch im Sinne der Qualitätssteigerung für die Patienten etwas bringen soll. Wir halten das nicht für geeignet, dieses Vorgehen.“

Was fordert die KBV?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV: „Also wir fordern zunächst mal, dass diese 100 Prozent-Erfassung abgelöst wird, die muss ersetzt werden durch eine Stichprobe. Methodisch ist das auch sicherlich machbar. Das kann man machen. Und der Aufwand einer 100 Prozent-Erfassung, einer kompletten Dokumentation jedes einzelnen Falles nach einer Vielzahl von Indikatoren ist eine Überforderung für die Praxen. Wir fordern deshalb auch, dass die Anzahl der Indikatoren reduziert wird neben der Forderung nach einer Stichprobe. Und ganz wichtig ist auch, dass die Arbeit in den Praxen erleichtert wird dadurch, dass es ausgefeilte Programme gibt, die Qualitätssicherung aus den vorhandenen Dokumentationsdaten weitgehend automatisiert übernehmen können und nicht, dass jeder Fall zusätzlich auch im Rahmen der Stichprobe zusätzlich dokumentiert werden muss. Das ist machbar und das ist auch unsere Forderung. Und nicht zu vergessen: Jetzt in dieser Pandemie-Zeit darf es nicht eingeführt werden, da müssen die Fristen gestreckt werden.“

Mit dem GVWG will der Gesetzgeber neue Regeln für die ambulante Qualitätssicherung festlegen. Für die Praxen ein nicht unerheblicher Aufwand und noch dazu zu einem sehr schlechten Zeitpunkt, sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV.