Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Digitale Praxis

Illustration mit Symbolen digitaler Anwendungen und Arzt mit Tablet-PC

Digitalisierung der Praxen

Praxen sind bereits in einem hohen Maß digitalisiert. Die Praxisverwaltungssysteme unterstützen und erleichtern die Arbeit von Ärzten und Psychotherapeuten. Mit der Einführung der Telematikinfrastruktur als zentralem Netz im Gesundheitswesen kommen viele weitere Anwendungen hinzu. 

Der Einsatz von IT in Praxen muss aus datenschutz-, straf- und haftungsrechtlichen Gründen spezielle Anforderungen erfüllen, um die sensiblen Gesundheitsdaten angemessen zu schützen. 

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Bericht aus der Praxis

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„Das muss man leider sagen. An der eAU funktioniert nichts überraschend gut. Es funktioniert in den meisten Fällen ausreichend reibungslos.“

Seit gut zwei Monaten stellt Frau Dr. Kühnlein in Ihrer Praxis Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen elektronisch aus. Und das, mit einigen Hindernissen.

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„Wir hatten das Problem, dass nach Programm-Updates das ganze Programm eAU oder das Postfach nicht mehr funktionierte. Innerhalb des funktionierenden Programmes gibt es immer wieder Versandfehler, die sich nicht nachvollziehen lassen, warum.
Es gibt jetzt einen neuen Fehler, den wir noch nicht klären konnten, wo uns offensichtlich die Zustellbestätigung nicht erreicht, der Kasse.
Innerhalb des Programms gibt es dann auch das Problem, dass das Programm abstürzt, wenn man bestimmte Aktionen am Programm vornimmt. Zum Beispiel eine eAU zu löschen, führt dazu, dass das Programm abstürzt, oder mehrere gleichzeitig stornieren, führt dazu, dass das Programm abstürzt.“
„Seit der Einführung, seit der letzten zwei Monate habe ich mindestens 20 mal mit meinem Dienstleister diesbezüglich telefoniert und brauchte sechs Einwahlen zum Teil auch mit mehreren Personen um das Programm wieder zum Laufen zu bringen.“

Bei solchen Einwahlen schalten sich Programmierer oder technische Dienstleister auf den Rechner der Praxis, um die Störung aus der Ferne zu beheben.
Besonders aufwändig dabei - die Suche nach der Fehlerquelle.

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„Wenn ich eine Fehlermeldung kriege, dann müsste ich besser verstehen können: Woran liegt es denn? Das scheint ja noch wirklich gar niemand so richtig bekannt zu sein, warum ich für die selber auch nicht eben fünf Mal verschickt habe vier Erfolgsmeldungen und einen Versand Fehler bekommen.
Es ist ja noch völlig unklar, an welchem Punkt da der Fehler ist. Ist es bei mir am Konnektor, ist es am Mailserver der Kasse? Wo wo hakt es denn? Warum geht es denn nicht weiter?“

Ganz rund läuft also noch nicht.

Obwohl sie sich optisch kaum unterscheiden, das Ausstellen der digitalen AU ist in der jetzigen Form viel komplexer und detailreicher, als bei der analogen Variante.

Lediglich das Ausfüllen ist bei beiden Verfahren gleich.
Die Diagnose wird automatisch aus dem PVS übernommen. Noch das Datum eintragen und fertig.
Ab hier unterscheiden sich die Abläufe.
Alle drei Ausfertigungen der herkömmliche AU werden meist in einem Vorgang am Tresen mit einem Nadeldrucker erstellt und anschließend mit einer Arzt-Unterschrift signiert und dem Patienten übergeben.
Bei der e Variante druckt Frau Dr. Kühnlein mit einem Laserdrucker die Ausfertigungen für Patient und Arbeitgeber einzeln im Sprechzimmer aus, unterschreibt sie nacheinander und gibt sie dem Patienten mit.
Der Teil für die Krankenkasse wird elektronisch übermittelt. Ein- bis zweimal am Tag öffnet Frau Dr. Kühnlein dafür das ePostfach und verschickt im Stapelversand bis zu 200 gesammelte eAUs.
Dafür braucht sie ihren eHBA und ein Kartenlesegerät um die PIN einzugeben.
Im Anschluss muss sie die Übermittlung an die Krankenkassen auf Versand-Fehler überprüfen.
Schlägt die Übermittlung fehl, muss die Krankmeldung binnen 24 Stunden per Post an die Krankenkasse geschickt werden.

Um sich an diese neuen Abläufe zu gewöhnen und in den Praxisalltag zu integrieren, empfiehlt Frau Dr. Kühnlein …

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„In jedem Falle sich die Schulungsvideos anzugucken, die der jeweilige Praxis-Softwarehersteller dann hoffentlich zur Verfügung stellt. Den TK Muster-Patienten einzurichten um dann auch zu versuchen zu versenden und zu gucken was macht mein Programm bevor der echte Patient dasitzt und ich dann durcheinanderkomme. Denn der Drucker muss eingerichtet werden, da müssen Druckbereiche eingerichtet werden.
Man muss ja eben schon gucken, wie ist der Ablauf, man muss passendes Papier bestellen. Man kann das auch auf den A4 drucken, aber das ist ja noch mehr Verschwendung. Der eHBA muss natürlich vorliegen. Das Gerät muss da sein, dass man es eben auch sozusagen eingeben kann, die PIN. Und das muss man dann sicherlich gucken, hat man in jedem Sprechzimmer ein Kartenlesegerät oder möchte man dafür dann an den Tresen gehen. Und dann halt in den Abläufen gucken, wie es funktioniert und dann eben möglichst gut Rücksprache mit dem Dienstleister halten, wenn es Probleme gibt.“

Und auch die Patienten werden sich an die neue Optik der AU gewöhnen.

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„Manche Patienten waren über das Aussehen des Formulars ein wenig verwirrt. Weil es so wenig, wenn es auf ein einfaches weißes Papier gedruckt wird, erst mal wenig offiziell aussieht. Es kam auch die Frage, ob das jetzt überhaupt gültig ist, wenn es nicht auf dem gelben Formular gedrückt, gedruckt ist. Ließen sich aber eigentlich alle dazu bewegen, das alles anzunehmen und sind dann erfreut, wenn sie gehört haben, dass sie selbst jetzt nicht mehr das Formular an die Krankenkasse schicken.“

Für künftige Digitalisierungsvorhaben hofft Frau Dr. Kühnlein, dass auch die Praxen davon profitieren.

Dr. Simone Kühnlein, Fachärztin für Innere Medizin
„Grundsätzlich bin ich ein Freund der Digitalisierung in der Praxis. Ich würde mir wünschen, dass es weniger um Formulare Digitalisierung geht, sondern mehr um inhaltliche Digitalisierung, die dann auch einen echten Vorteil bei der Behandlung von Patienten bringt, weil es eine größere Sicherheit in der Patienten Behandlung gibt und auch Prozesse beschleunigt, also die Übermittlung von Befunden und Ähnliches, das Einsehen von Befunden anderer Kollegen, die Anbindung an Krankenhäuser, die Anbindung an Pflegestation, die Anbindung an häusliche Krankenpflege all das wäre etwas, wo man viel für den Patienten und auch in der Sicherheit mit dem Patienten tun könnte.
Und das würde ich mir wünschen und da bin ich auch gerne dabei.“

Weitere Informationen rund um die eAU finden Sie auf der Internetseite der KBV.

Immer mehr Praxen stellen inzwischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen elektronisch aus, über die Telematikinfrastruktur. Wie das im Alltag funktioniert, wo Fallstricke lauern und was man dabei bedenken sollte, berichtet eine Allgemeinmedizinerin aus Berlin.