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Corona: Warn-App ist gestartet

Kann eine App zur Eindämmung des Coronavirus beitragen?
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Sie kann dann zur Eindämmung beitragen, wenn sie tatsächlich in einem gewissen Umfang geladen wird und sich die Funktionalität auch im Praxisbetrieb bewährt, dann hat man sicherlich eine Möglichkeit, dass potenzielle Kontaktpersonen identifiziert werden können und dann durch die Testmöglichkeit auch die Chance haben, eine Infektion frühzeitig zu erkennen.“

Was halten Sie von der deutschen Corona-Warn-App?

„Corona-Apps gibt es ja fast überall, mit unterschiedlichem Erfolg, muss man sagen. Ich glaube, dass die App, die wir jetzt in Deutschland haben, zunächst mal, das ist ja ganz wichtig, die Datenschutzbestimmungen erfüllt. Das heißt, man kann sicher sein, dass diese App keine Tracing-App im Sinne einer wirklich physischen Nachverfolgung der Person sind, und von daher kann sie durchaus hilfreich sein.“

Welche Auswirkungen hat die App auf die Praxen?

„Für die Praxen heißt das zunächst mal nichts. Der Punkt, der aus der App erwachsen kann, ist ja der, wenn ein Kontakt, ein möglicher Kontakt stattgefunden hat, der muss ja doch noch verifiziert werden - wir wissen ja, dass die App sich zum Beispiel schwertut bei größeren Menschenansammlungen oder beispielsweise bei physischer Abschottung durch Wände, die die App aber nicht erkennen kann - , dass es durchaus Kontakte geben kann, die die App anzeigt, die sich in der Realität aber nicht als relevant erweisen. Für die Patienten oder die Kontaktperson besteht ja dann die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Und das ist sicherlich hilfreich. Und dann betrifft es eben auch die Praxen, wenn das nicht beim öffentlichen Gesundheitsdienst gemacht werden soll.“

Welche Informationen bekommen die Nutzer der Corona-Warn-App?

„Im Grundsatz sollte der Patient über die App ja eine Information bekommen, dass er möglichen Kontakt gehabt hat. Und dann gibt es auch den Hinweis, dass dann die Option besteht, sich testen zu lassen. Mit diesem Hinweis kann er dann in der Praxis tatsächlich den Test bekommen.“

Kommt die Corona-Warn-App zu spät?

„Zu spät würde ich gar nicht sagen. Es weiß ja keiner wirklich, wie das Infektionsgeschehen sich jetzt in der Zukunft darstellen wird. Flacht das jetzt einfach immer weiter ab? Wir haben ja zunehmend geringere Inflationszahlen. Also ist es irgendwann einfach mal vorbei mit der Pandemie? Das wäre natürlich wunderschön. Ob das so ist, da sind zumindest Zweifel angebracht. Verändert sich das Virus so, wie es heute schon zum Teil zu lesen war, dass wir möglicherweise nachher eine Veränderung vom Nasenrachen befallenden Virus zu einem reinen Nasen befallenden Virus und damit deutlicher geringerer Schädlichkeit. All das sind Dinge, die wir noch nicht wissen. Insofern ist die App möglicherweise in der Zukunft doch noch hilfreich, wenn die Infektionszahlen sich über längere Zeit möglicherweise auf einem sehr niedrigen Niveau auch halten. Und sie kann, und das könnte der größte Mehrwert sein, andere Maßnahmen vielleicht überflüssig machen. Wenn wir es tatsächlich schaffen, potenzielle Infizierte und deren Kontaktpersonen zu identifizieren, dann sind sicherlich Dinge wie allgemeine Abstandsgebote oder auch Maskenpflicht im öffentlichen Raum dann obsolet, weil wir vielleicht bei einer so geringen Zahl von noch Infizierten die Kontaktpersonen nachvollziehen, dann testen können. Und dann kann man ganz gezielte Maßnahmen, die im Zweifel effektiver sind als Maßnahmen für die ganze Bevölkerung, anwenden.“

Die Corona-Warn-App für Deutschland ist jetzt in den Appstores verfügbar. Sie soll dabei helfen, die Infektionen mit Covid-19 zu begrenzen und so eine mögliche zweite Welle verhindern. Verknüpft ist die App im Falle eines Kontaktes mit einer infizierten Person mit der Aufforderung, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Wie er die Corona-Warn-App einschätzt und was es für die Arztpraxen bedeutet, erläutert KBV-Chef Dr. Andreas Gassen in diesem Video.

Lehren aus der Coronakrise

Welche Lehren ziehen Sie aus der Coronakrise?
Die Lehre, die wir ziehen können, ist, dass zumindest in Deutschland das Gesundheitswesen funktioniert hat, vor allen Dingen natürlich das besonders geforderte ambulante Gesundheitswesen. Denn der Großteil der Patienten ist ja in der ambulanten Versorgung versorgt worden, glücklicherweise. Das hat dann auch dazu geführt, dass in Verbindung mit den Maßnahmen im Krankenhaus wir keine Überforderung des Systems gesehen haben.

Welche Rolle spielte die ambulante Versorgung?
Wir sprechen immer vom Schutzwall. Auch der Minister hatte dieses Wort benutzt und ich glaube, das trifft es ganz gut. 6 von 7 Patienten wurden ambulant versorgt. Die erste Anlaufstelle für erkrankte Patienten ist unverändert das ambulante System, also die niedergelassenen Praxen, die mit ihren 100.000 Anlaufstellen eben auch eine in der Fläche verfügbare Anlaufstelle darstellen. Das ist komplett anders als in fast allen anderen Ländern dieser Welt. Und das ist wahrscheinlich der entscheidende Grund, warum wir neben unseren frühen Testungen einfach besser durch diese Krise gekommen sind als viele andere.

Wie sieht es aktuell in den Praxen aus?
Die Praxen sind jetzt in so einer Art Zwischenstadium. Wir haben ja, nachdem die Pandemie losging, erleben müssen, dass die Praxen sehr schnell sich auf diese neue Situation einstellen mussten. Es wurden viele Termine, auch nicht ganz dringende Termine, erst einmal abgesagt. Man hat die Praxen auf dieses Infektionsgeschehen eingestellt und neue Formen der Sprechstunde etabliert, zum Teil auch Fieberpraxen noch aus den Bestandspraxen beschickt. Insofern hat das natürlich zu einer Reduktion der Patientenzahlen in den Praxen geführt. Jetzt, wo die Pandemie, also das Krankheitsgeschehen, was Corona angeht, eigentlich kontrolliert ist - wir haben es im Griff, es sind nicht mehr furchtbar viele Patienten, und insofern ist überhaupt keine Gefahr, dass das Gesundheitssystem absehbar überfordert wäre - jetzt kann man tatsächlich den Normalbetrieb wieder hochfahren. Das sollte man auch tun.

Warum ist eine Wiederaufnahme des Normalbetriebs notwendig?
Da der Besuch beim Arzt üblicherweise nicht zu den Unterhaltungsaspekten einer Gesellschaft gehört, sondern gewisse Notwendigkeiten bestehen, ist natürlich völlig klar, das Behandlungsgeschehen ist ja nicht verschwunden, nur weil es Corona gibt. Die chronisch Kranken sind unverändert chronisch krank, Vorsorgen sind unverändert wichtig und sinnvoll. Behandlungen und Kontrolluntersuchungen haben ja nicht ihre Sinnhaftigkeit verloren, nur weil es eine Corona-Pandemie gab. Von daher konnte man das sicherlich einen kurzen Zeitraum unterbrechen oder ein bisschen strecken. Aber wir merken eben jetzt, dass wir langsam in Bereiche kommen, wo es eben auch mit Gesundheitsrisiken für die Patienten einhergeht, wenn jetzt nicht wieder in den Normalbetrieb zurückgekehrt wird.

Wie gut sind Praxen auf eine mögliche 2. Welle vorbereitet?
Praxen und KV-System sind gut gerüstet. Das einzige Problem, was wir ja wirklich hatten, ist, dass es eben keine wirkliche Pandemie-Vorsorge der Länder gab, insofern wir speziell bei den Schutzausrüstungen ein Problem hatten. Die Praxen hatten natürlich ihre Normal-Bestände, die sie für Influenza-Wellen vorhalten. Aber die waren bei der Masse der Verdachtsfälle muss man ja sagen, so viele Patienten waren es ja dann letztlich unterm Strich glücklicherweise nicht, darauf nicht eingerichtet. Und das hat eben durch die Unterbrechung der Lieferketten aus Asien hier Engpässe gegeben. Das hat sich Gott sei Dank jetzt weitestgehend relativiert, sodass ich sagen würde: Die Struktur ist da. Wir wissen, wie wir mit dem Virus umgehen können. Und die Praxen sind daher gut gerüstet, sollte es nochmal zu einer 2. Welle kommen, was im Moment niemand abschätzen kann.

Was könnte die Politik tun, um das Gesundheitswesen besser vorzubereiten?
Ich glaube, es gibt eher Dinge, die Politik nicht tun sollte, um das System nicht zu schwächen. Wir haben aus dieser Pandemie lernen können, dass unser Gesundheitssystem - von vielen in der Vergangenheit schlecht geredet, als teuer und ineffizient beschimpft - letztlich der Bevölkerung diese entsetzlichen Szenarien wie in Italien, Spanien und auch Frankreich erspart hat. Das heißt, wir haben eine leistungsfähige ambulante Versorgung, die den Großteil der Versorgung stemmt, und das ist auch gut so. Und wir haben ein Gesundheitswesen, was auf 83 Millionen Bürger kapazitätsmäßig ausgelegt ist. Und auch das ist nicht die Regel. Wir schauen in viele Länder, wo eigentlich Spitzenmedizin zu Hause ist. Nehmen Sie die USA. Allerdings nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Von daher dieses Zusammenspiel Vorsorge für alle Bevölkerungsanteile und der starke ambulante hat uns gut durch die Pandemie gebracht und hilft uns auch in Zukunft bei anderen Herausforderungen, die Patienten vernünftig zu versorgen und Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen.

Wie kann der Praxisbetrieb künftig gestaltet werden?
Man wird sicherlich die Frage stellen, wie lange die Abstandsregeln, die Kontaktbeschränkungen noch gelten. Es zeichnet sich ab, dass angesichts der kontinuierlich sinkenden Infektionszahlen das zunehmend gelockert wird, und das ist auch sinnvoll. Hygieneregeln sollte man natürlich trotzdem befolgen. Das galt vor der Pandemie, das gilt hinterher. Nicht, dass man es vergessen sollte. Wie weit Mund-Nasenschutz perspektivisch jetzt noch getragen werden muss, muss man sehen. Das macht sicherlich durchaus Sinn bei Patienten, die offenkundig an Atemwegserkrankungen leiden und potenziell infektiös sind, das hat es aber auch in der Vergangenheit schon getan. Insofern glaube ich, wir haben in den Praxen sicherlich die Abläufe verändert, die Bestuhlung im Wartezimmern häufig auch verändert. Auch das wird man sukzessive zurückfahren können. Ich würde hier wirklich auf die Sachkenntnis der Niedergelassenen vertrauen, die ja alle mit Hygienemaßnahmen vertraut sind. Es ist ja nicht so, dass das Neuland für Ärzte wäre. Es ist für viele Neuland, für die Ärzte und Psychotherapeuten sicherlich nicht.

Wie ist der aktuelle Stand bei den Coronatests?
Zum Test ist eigentlich vorauszuschicken, dass wir tatsächlich und das mag jetzt fast bemerkenswert klingen, aber weltweit tatsächlich eigentlich das einzige Land waren, dass sehr, sehr frühzeitig, nämlich Ende Januar, sich zur Frage, wie testen wir auf Corona mit der Wissenschaft und den Laboren zusammengesetzt hat und dann auch mit den Krankenkassen sehr schnell eine Vergütungsregelung gefunden hat. Deshalb war es möglich, alle Verdachtspatienten sehr schnell und ohne Kosten für die Patienten zu testen. Wir haben mittlerweile auch eine Teststruktur aufgebaut, die in der Kapazität rund 800.000 Tests in der Woche ermöglicht, die wir Gott sei Dank bisher nicht mehr ausschöpfen, weil die Zahl der Infektionen sinkt, sodass wir noch einen gehörigen Puffer haben. Auch das sicherlich eine Situation, die auch der Tatsache geschuldet ist, dass wir niedergelassene Labore haben, denn die haben die Hauptlast dieser Tests gestemmt. Die Botschaft verkürzt: Wir haben ausreichend hohe Testkapazitäten und wären auch in der Lage, sollte das Krankheitsgeschehen noch einmal aufflackern, was wir nicht hoffen und ehrlicherweise im Moment auch nicht wirklich erwarten, wir wären gerüstet.

Die Politik möchte die Tests ausweiten. Was sagen Sie dazu?
Die Politik möchte, um den Betrieb in potenziell kritischen Infrastrukturen, also Altenheimen, Krankenhäusern, aufrechtzuerhalten, Schulen, auch asymptomatische Patienten testen. Das ist das, was wir eigentlich nicht machen, insofern auch nicht der normale Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch für diese zusätzlichen Testwünsche sind Kapazitäten da. Wir haben im Moment noch mehrere 100.000 Tests pro Woche, die optional zur Verfügung stehen. Man muss dann die organisatorische Frage klären: Wer führt diese Tests durch? Die Tests sicherlich die Labore. Wer macht die Abstriche? Das wäre bei solchen potenziellen Bevölkerungsgruppen wahrscheinlich der öffentliche Gesundheitsdienst. Wenn der das aus Kapazitätsgründen nicht schaffen sollte, könnten das die Vertragsärzte übernehmen, so es denn dafür eine vertragliche Regelung gibt, idealerweise eine bundesweite. Damit auch klar geregelt ist, was die Ärztinnen und Ärzte, die die Abstriche dann für den öffentlichen Gesundheitsdienst erfüllen, abrechnen können. Insofern werden wir auch da kapazitätsmäßig ausreichend Valenzen haben.

Dank fortlaufend sinkender Infektionszahlen tauchen Deutschland und das Gesundheitswesen aus der Coronakrise auf. Zeit zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Dr. Andreas Gassen betont im Interview die Rolle der ambulanten Versorgung bei der Bewältigung der Krise: der Schutzwall, der das Gesundheitssystem vor Schlimmerem bewahrt hat. Zudem hält er fest, was gut lief und was verbessert werden kann, um gerüstet zu sein für ein Wiederaufflammen der Infektionszahlen.

Covid-19: Rückkehr zum Regelbetrieb in Praxen

Rückkehr der Praxen zum Regelbetrieb

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Wir müssen zum Normalbetrieb übergehen, das Land kann sich überhaupt keinen Stillstand in dieser Art länger leisten. Die sozioökonomischen, aber auch die psychologischen Auswirkungen mit all ihren Folgewirkungen, auch gesundheitlichen und auch lebensgefährdenden sind inzwischen so dramatisch, dass es gar keine Option gibt als die Rückkehr zu einem geregelten Normalbetrieb. Und es gelten weiterhin gewisse Vorgaben, Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört das Abstandsgebot, ein vernünftiger Umgang, Händehygiene, Husten und Niesen achtsam machen und sich entsprechend schützen und andere schützen, das sind die wichtigen Dinge. Aber wir müssen lernen, mit dem Coronavirus zu leben. Und ein Impfstoff oder ein Medikament wird sicher absehbar nicht vor in einem Jahr zu haben sein. Das heißt, es ist völlig klar, dass wir nicht ein Jahr lang in diesem Stillstand weiter werden leben können. Corona war eine Zäsur. Es war sicher richtig und wichtig, erstmal auf Halt zu drücken, dass sich alle sammeln können, dass sowohl Patientinnen und Patienten als auch die Praxen einstellen können auf diese Herausforderung. Aber wir haben zu keiner Zeit vergessen, dass wir im Regelbetrieb über 3 Millionen Patienten jeden Tag sehen. Und selbst zu Hochzeiten von Corona ging es dabei jeweils lediglich, in Anführungsstrichen, nur um wenige tausend Patienten in ganz Deutschland. Völlig klar, wenn der Regelbetrieb mit den vielen Millionen Menschen, die ja auch chronisch krank sind, ernsthaft krank sind, nicht wieder vernünftig anläuft, dann besteht dort eine wesentlich höhere gesundheitliche Gefahr für Patientinnen und Patienten, als wenn wir diesen Regelbetrieb wieder aufnehmen.“

Wie gewährleisten die Praxen den Schutz?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Das Gute ist, dass Praxen schon immer infektiöse Patienten behandelt haben und nachdem nun Bürgerinnen und Bürger wissen, dass sie mit Infektzeichen vorher anrufen sollen und die Praxen sich auf diese Infekte einstellen konnten und auch die winterliche Grippesaison vorbei ist, ist es ohne weiteres möglich, dass in den Praxen sortiert wird und dass Patienten, die sich anmelden mit Infektzeichen, in besonderen Sprechstunden zum Beispiel empfangen werden, sodass eine Durchmischung zwischen infektiösen Patienten, potenziell infektiösen Patienten und allen anderen Patienten gut verhindert werden kann. Und auf diese Weise können alle Praxen eigentlich gut im Regelbetrieb arbeiten. Voraussetzung bleibt, dass Schutzausrüstung, persönliche Schutzausrüstung für die infektiösen Fälle in ausreichender Zahl vorhanden ist. Das ist derzeit mit Ach und Krach möglicherweise überall so, aber noch immer sind die Nachschubwege weit von gut. Und daran wird noch hart zu arbeiten sein. Wir hoffen, dass die Landes- und Bundesregierungen sich da weiter alle Mühe geben, um diese Transporte und Nachschubwege wiederherzustellen.“

Wie ist das in der Psychotherapie?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Auch dort gilt besonders, weil Distanz wahrbar ist, dass ein Regelbetrieb möglich sein muss. Wenn wir sagen, dass 1,50 Meter bis 2 Meter ausreichend Schutz sind und mehr helfen als alles andere, dann ist das insbesondere sicher bei der Psychotherapie zu gewährleisten, wo man den Patient nicht anfassen oder den Rachen untersuchen muss oder Abstriche nehmen oder ähnliches.“

Was halten Sie von einer Maskenpflicht?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Vor einigen Wochen haben noch alle Experten völlig zu Recht gesagt, dass das sehr wenig bringt. Inzwischen sollen sogar Wollschals tatsächlich vor Infektionen schützen. Das ist natürlich barer Unsinn. Masken tragen kann bei Verwendung von FFP2- und FFP3-Masken, wenn man sie korrekt verwendet, sinnvoll sein. Bei chirurgischen Masken kann es noch ein wenig den Tröpfchen-Ausstoss reduzieren, keinesfalls aber ausschließen. All das setzt voraus, dass diese Masken ausreichend vorhanden sind. Das ist immer noch nicht der Fall. Insofern gilt: Wir brauchen die Masken für das medizinische Personal, dringend. Das zweite ist, dass sich kaum jemand an die Vorgaben hält, die einzuhalten sind, damit die Masken sinnvoll zu nutzen sind. Wenn sie mit offenen Augen durch die Stadt gehen, werden sie sehen, dass über 90 Prozent der Menschen die Masken unters Kinn schieben, beim Rauchen abnehmen, in die Handtasche stecken, auf den Kopf schieben, wiederverwenden oder schon nach dem Anblick der Maske zu schließen, mehrere Tage lang tragen. Und unter solchen Umständen helfen die Masken nicht, da schaden sie. Insofern ist es viel wichtiger, Abstand zu halten, Hände zu waschen. Und die Praxen, die Kolleginnen und Kollegen in den Arztpraxen, die sich und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen müssen, wissen, wie das richtig geht und machen das auch mit richtigen Masken richtig.“

Seit März dominiert die Coronavirus-Pandemie auch das deutsche Gesundheitswesen. Für Praxen und Patienten muss die Regelversorgung wieder hergestellt werden. Nur so können all die Millionen Menschen versorgt werden, die zwar krank sind, aber nicht an Covid-19 leiden. Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV führt aus, wie die Situation in den Praxen gerade aussieht und wie dort zum Regelbetrieb übergegangen werden kann.