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KBV setzt bei MIOs auf Erfahrungsaustausch


Wie entsteht ein MIO?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: "Das ist ein sehr aufwendiger Prozess, der ist aber auch notwendig, um dauerhaft damit medizinische Informationen interoperabel und für alle Beteiligten sicher abbilden zu können. Es ist so, dass zunächst einmal medizinisch festgelegt wird, was soll in dieses MIO hinein. Danach beginnt die Umsetzung in die Semantik und die Syntaktik. Semantik bedeutet, dass man dann die medizinischen Inhalte eindeutig, weltweit möglichst, kodieren muss und zurzeit sieht es so aus, dass wir da in Deutschland auch den internationalen Standards snomed verwendet werden. Dann haben sie einen medizinischen Inhalt kodiert, in einer universellen Kodiersprache. Diese Kodierung muss dann noch syntaktisch umgesetzt werden in eine Programmiersprache. Zurzeit sieht es aus, dass wir da FHIR nehmen werden und wenn das - dieser Zyklus durchlaufen ist, dann kann man in der Tat das auch an die PVS-Hersteller oder KIS-Hersteller übergeben, die dann diese in ihre Programme einbauen. Der große Vorteil ist, des hohen Arbeitsaufwandes, dass das universell einsetzbar ist. Alle Systeme können dann diese Mios verstehen, lesen, auslesen und auch zur Weiterverarbeitung anbieten."

Wer entscheidet, was in einem MIO steht?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: "Ich muss hier mal sagen, da bin ich froh, dass die KBV das nicht alleine entscheiden kann, weil das ein sehr komplexes Thema ist, wo es viele Wissenschaften braucht. Es braucht die Informatik, es braucht natürlich auch die Medizin und es braucht die Medizininformatik. Und das ist eine Wissenschaftslandschaft die schon sehr viel vorgearbeitet hat. Wir sind froh, dass wir mit diesen verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten können. Alleine, ohne deren Vorarbeit, könnten wir so schnell gar nicht umsetzen. Insofern, legen wir Wert darauf mit ihnen zu kommunizieren und wir haben auch gesetzlich die Vorgabe ein Kommentierungen und Benehmens Verfahren herzustellen."

Wie ist der aktuelle Stand beim ersten MIO?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: "Das erste MIO ist das Impfbuch oder der Impfpass. Da sind wir jetzt so weit gediehen, dass wir eine erste Kommentierungsphase abgeschlossen haben. Die ist sehr erfolgreich gelaufen. Wir haben über 360 Kommentare dazu bekommen."

Haben Sie ein Beispiel für einen Kommentar?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: "Ja, ein sehr einleuchtendes Beispiel, was uns alle ein bisschen verblüfft hat. Wir haben uns ja dabei orientiert, bei dieser Umsetzung, an dem bestehenden WHO Impfpass. Dort fehlt allerdings die Angabe des Geschlechts. Ein Kommentator hat darauf hingewiesen. Wir haben den Sachverhalt mal überprüft und überlegt was dafür und dagegen spricht. Es gibt in der Tat höchstwahrscheinlich, oder es wird auch genutzt werden, in der Medizin auch impfspezifische Empfehlungen, die sich aufs Geschlecht beziehen. Deshalb haben wir nach reiflicher Überlegung, uns dazu entschieden, auch diesen Status mit aufzunehmen, in den elektronischen Impfpass, den wir als MIO dann herausgeben werden."

Wie werden die Kommentare ausgewertet?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV: "Sie können sich vorstellen, dass wir nicht alle übernehmen können allein von der Vielzahl her und ein Teil der Kommentar widerspricht sich auch. Das ist auch interessant, aber den Kommentatoren kann ich hier sagen, wir lesen alle, wir nehmen alle ernst und versuchen sie mit einzubeziehen und wir haben gute Argumente dafür, wenn wir es nicht tun. Teilweise gibt es auch Entscheidungen - Ermessensentscheidungen die wir treffen müssen und das heißt nicht, dass ein Kommentar schlecht war, aber wir können nicht alles übernehmen und wir sind ja dann auch im weiteren Verfahren noch im Genehmigungsverfahren und da wird auch noch eine entsprechende Darstellung der Benehmens erfolgen müssen. Das heißt wir werden auch teilweise rechtfertigen müssen, warum wir manche Dinge übernommen haben und nicht übernommen haben. Uns ist ganz wichtig, dass es sich bei den MIOs, weil die eine große Bedeutung für die Gesundheit und Zukunft haben werden, dass wir ein sehr transparentes Verfahren aufsetzen. Der Gesetzgeber hat uns ja auch dazu ermächtigt diese MIOs zu machen. Allein deshalb schon müssen wir der Öffentlichkeit gegenüber Rechnung legen, warum wir was wie codieren und umsetzen in unsere MIOs."

Die KBV hat den Auftrag, medizinische Informationsobjekte (MIOs) zu gestalten, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen. Ziel ist, interessierte Akteure schon frühzeitig an der Entwicklung zu beteiligen. So können die Erfahrungen und das Wissen vieler Gruppen genutzt werden. Das erste MIO, der Impfpass, ist dabei schon recht weit vorangekommen. Die Kommentierungsphase endete kürzlich. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel berichtet, wie die Kommentierung lief und welche Rolle sie in dem gesamten Verfahren spielt.

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