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Corona: aktuell Entspannung, aber Hausaufgaben für den Herbst

Wie bewerten Sie die aktuelle Corona-Situation?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV: Nicht völlig überraschend hat sich nach Ostern die Lage deutlich entspannt. Das hatten wir eigentlich auch so prognostiziert und viele Wissenschaftler auch. Da kommt die Saisonalität des Virus natürlich zum Tragen. Zum anderen muss man einfach sagen, wir haben eine Impf-Quote, die so schlecht nicht ist. Sie liegt bei deutlich über 80 % und wir haben natürlich mittlerweile offiziell bereits 25 Millionen Genesene. Und eigentlich ist man sich einig, dass die Dunkelziffer mindestens um den Faktor zwei zu korrigieren ist. Dann reden wir von 50 Millionen Deutschen, die bereits eine Corona-Infektion hinter sich hatten. Das kombiniert mit der Impf-Quote, da muss man sich nicht wundern, dass das Infektionsgeschehen zwar von detektierten Infektionen ja immer noch auf hohem Niveau agiert, aber das es natürlich zunehmend weniger schwere oder schwerste Erkrankungen gibt.

Was bedeutet das für den Herbst?

Was das für den Herbst heißt, kann man noch gar nicht abschätzen. Natürlich werden wir, bedingt durch die Saisonalität, wieder mehr Infektionen haben. Infektionen an sich sind ja kein schreckliches Erlebnis, wenn die Menschen dabei nicht schwer krank werden. Und davon muss man, glaube ich, einfach unterscheiden: Für den Großteil der Bundesbürger dürfte das kein großes Problem sein. Sie sind entweder geimpft oder haben eine Schleimhaut-Immunität durch Infektion oder sogar beides. Es bleibt unverändert problematisch, wie auch beispielsweise bei Influenza für Risikogruppen. Da gibt es halt immer noch etliche, die in Risikogruppen oder in hohen Altersklassen noch nicht geimpft sind. Das muss man sicherlich noch mal als Angebot klar formulieren. Hier würden wir auch noch mal im Herbst versuchen, die Impfung kombiniert vielleicht mit der Influenza-Impfung zu kombinieren. Die Praxen stehen bereit und können das auch leisten. Ansonsten glaube ich aber, wird der nächste Herbst und der nächste Winter sicherlich deutlich entspannter werden. Es wird Virus-Varianten geben. Alle bisherigen waren nicht gravierender, was die Erkrankungsschwere angeht, sondern allenfalls ein bisschen ansteckender. Und es gibt so den Spruch in der Virologie: Die Evolution kennt keinen Rückwärtsgang. Dass jetzt Virus-Varianten entstehen, die plötzlich wieder dramatisch gefährlicher sind, ist nicht völlig auszuschließen, nach gängiger Meinung aber eher unwahrscheinlich. Insofern müssen wir uns auf ein Infektionsgeschehen einstellen im Herbst, was dem anderer Erkältungskrankheiten entspricht, müssen noch mal das Augenmerk auf die Risikogruppen lenken, hier gegebenenfalls Booster-Impfungen oder auch erste und zweite Impfungen noch mal propagieren und durchführen. Und dann glaube ich, kann der nächste Herbst deutlich entspannter werden und Corona verliert dann tatsächlich nachhaltig seinen Schrecken und ist dann endemisches Krankheitsgeschehen.

Was sollte jetzt von der Politik vorbereitet werden?

Zum einen müssen wir natürlich, da der Herbst ja erwartbar kommen wird, ein Konzept haben, wie geimpft werden kann. Da stehen wir als Ansprechpartner zur Verfügung. Und die Praxen, 110.000 an der Zahl, werden wie in den vergangenen Jahren das Impfen auch in hoher Menge, auch kombiniert mit Influenza-Impfung durchführen können. Insofern glaube ich, ist das eher ein organisatorisches Problem, was aber lösbar ist. Aber es ist ganz entscheidend, dass wir uns jetzt auch mal den Maßnahmen widmen und schauen, welche Maßnahmen sind sinnvoll, welche nicht. Man hat ja so einen bunten Strauß über die Bevölkerung ausgegossen, ohne wirklich zu wissen, was hilft, was hilft nicht. Bei vielen Maßnahmen wissen wir schon, dass sie nicht wirklich gut helfen. Und insofern ist es völlig klar, dass wir jetzt in dieser Zeit die Maßnahmen evaluieren. Hier muss eine Kommission her, eine unabhängige Kommission, die prüft, welche Maßnahmen sind sinnvoll oder nicht, damit für den Fall eines aufflackernden Infektionsgeschehens gezielt agiert werden kann und nicht wieder im Schrotschussverfahren wahllos Maßnahmen über die Bevölkerung gezogen werden, von denen ein Großteil wahrscheinlich gar nicht viel bringt. Und insofern ist hier eine Kommission dringend erforderlich, sinnvollerweise eine unabhängige Kommission. Es macht ja wenig Sinn, die Menschen, die Maßnahmen evaluieren zu lassen, die sie vorher als wirksam propagiert und empfohlen haben. Hier, glaube ich, muss eine unabhängige Kommission hin, und die muss zeitnah agieren. Es ist niemandem mehr zu erklären, dass man das nach zwei Jahren da nicht tut. Und es ist ja wichtig für uns zu wissen, was hilft wirklich und was ist eher verzichtbar. Darauf, glaube ich, hat die Bevölkerung ein Anrecht.

Wärmere Temperaturen - Abnahme der Coronainfektionen. Für den KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Gassen entspannt sich dementsprechend die Lage in Deutschland. Da nach dem Sommer jedoch auch wieder ein Herbst kommen wird, mahnt er nun dringend eine gute Vorbereitung seitens der Politik an.

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