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COVID-19: Hilfreicher Vorwarnmechanismus durch sinnvolle Zahlen-Kombination

Es gibt natürlich ein relativ lebhafte Diskussion, medial, die letztlich muss man sagen, getriggert worden ist durch das, aus unserer Sicht ja mehrfach kommentierte und wenig zielführende Beherbergungsverbot, was ja jetzt auch in der Politik extrem descent besprochen wird. Das war so ein bisschen der Katalysator, muss man sagen, für eine Diskussion, die eigentlich schon seit Beginn der Corona-Pandemie immer wieder geführt wurde, aber jetzt natürlich neuen Zündstoff bekommen hat. Und zwar geht es letztlich konkret darum, welche Parameter sind geeignet, die Pandemie zu bewerten, Maßnahmen einzuleiten und welche sind es weniger? Und man muss einfach konstatieren und da glaube ich, sind wir auch in einem breiten Konsens, dass eine alleinige Zahl, konkret die der Infektion Auszahlen der Neuinfektionen pro Tag ein ungeeigneter Parameter ist. Hier habe ja auch überhaupt keinen Dissens mit dem RKI. Professor Wieler hat selbst in der letzten Bundespressekonferenz gesagt, Aus diesem Grund, weil es eben nicht nur eine Zahl gibt, auf dem Dashboard des RKI eben mehrere Zahlen stehen. Das ist eine Aussage, die wir 1:1 unterstreichen. Insofern gibt es überhaupt keinen Dissens zwischen uns und dem RKI. Lediglich in der politischen Diskussion wird, das ist in gewissen Formen auch zulässig, sehr stark verkürzt auf diese eine Zahl abgestellt. Und wir glauben schon, dass man, um Maßnahmen zu ergreifen, andere Dinge braucht als eine Zahl, denn die eine Zahl sagt überhaupt zu etwas Pandemie geschehen aus. Wenn das alles Patienten sind, also gar keine Patienten am Ende, sondern nur Infizierte, die Symptome haben oder symptomfrei in der Heim-Quarantäne sitzen, dann ist das zwar individuell unerfreulich, 14 Tage zuhause sein zu müssen, ist aber medizinisch kein echtes Problem. Viel problematischer wäre es, wenn wir größere Ausbrüche in Altenheimen oder in anderen vulnerable Bevölkerungsschichten bekommen, weil dann natürlich logischerweise bei einer Erkrankung wie Covid-19, die bei weitem nicht harmlos ist, es auch wieder zu schweren Verläufen, auch zu Todesfällen kommt, was ja auch immer noch, wenn glücklicherweise auch auf niedrigem Niveau der Fall ist. Der Infektionszahl Parameter ist natürlich einer von vielen, den darf man nicht vernachlässigen. Natürlich schon in irgendeiner Form eine gewisse Dynamik abbildet, ist das beispielsweise eine hohe, wie wir sie in manchen Nachbarländern sehen und die einem natürlich schon auch zum Nachdenken anregt? Oder ist es eher ein ein Undo Lehren um einen möglicherweise auch langsam ansteigenden Wert? Das muss man sicherlich beobachten. Man muss auch schauen, wie es der Altersschnitt wie ist die Zahl der Erkrankten, wie es die Belegungen in den Krankenhäusern. Wie ist die Belegung am Ende auf den Intensivstationen? Und wir müssen natürlich schauen, wie verhält sich lokal das Infektionen geschehen. Und das ist schon aus einem ganz anderen Grunde wichtig. Wir haben als KBV im GBA verschiedene Maßnahmen, die wir bereits zur Hochphasen der Pandemie hatten, wieder eingeführt, um genau die Möglichkeit zu haben, bei steigenden Infektionszahlen Menschen ohne große soziale Kontakte auch durchaus sei es für eine Woche krank zu schreiben telefonisch. Das sind Dinge, wofür wir natürlich Richtwerte brauchen, aber wir sind unverändert der Auffassung, dass es sinnvoller ist, Ausbruchherde zu identifizieren, dann in diesem Bereich anlassbezogen großzügig zu testen, um zu ermöglichen, die Infektionsketten, wenn möglich abbrechen zu lassen, die Patienten zu Hause zu lassen, das idealerweise in Abstimmung mit den behandelnden Haus- und Fachärzten in der Niederlassung. Damit sollten sich die Verläufe dann doch in Richtung einer schweren Erkrankung verändern. Dann ärztlich getriggert eine Verlegung in ein Krankenhaus stattfinden. Das hat wunderbar geklappt in den Hochphasen der Pandemie. Deshalb waren wir auch nie überlastet. Und das ist das, was uns von vielen anderen Ländern komplett unterscheidet. Und das ist das ein sehr hoher Wert. Den sollten wir weiter vorführen. Dafür brauchen wir eine vernünftige Abstimmung und insofern reden wir einfach nur auf eine kluge Strategie zu setzen, wie wir das in weiten Teilen im Frühjahr getan haben und ich glaube, dass wir dann viele der Maßnahmen, die man damals vorsichtshalber ergriffen hat, vielleicht gar nicht mehr in dem Umfang braucht. Und wenn Sie viele Politiker sprechen, würde der eine oder andere ihnen bestätigen, dass das eine andere Maßnahme auch aus der Unsicherheit heraus getroffen wurde, was im Rückblick auch völlig in Ordnung war, aber in die Zukunft nicht wieder perpetuiert werden muss. Das RKI liefert jetzt sehr zuverlässig und auch gut aufgearbeitet die Zahlen, die das Infektionsgeschehen abbilden. Ergänzend zu diesen RKI Zahlen hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung noch eine Art Vorwarnungmechanismus entwickelt. D.h. Dieses Instrument berücksichtigt tatsächlich die regionalen Versorgungskapazitäten und deshalb kann man in Verbindung mit den Zahlen des RKI relativ gut berechnen, bei welcher Infektionsdynamik zu welchem Zeitpunkt eine Region möglicherweise in den Bereich eine Überlastung bekäme. Das ist eigentlich ein hilfreiches Instrument für regionale Politiker, weil sie sehr genau abschätzen können, ab welche Infektion sein, muss sich vielleicht deutlich drastischere Maßnahmen ergreifen und das ist das Entscheidende. Diese 50 von 100 000 ist eine politische Zahl. Es muss irgendwo ein Grenzwert geben, ob der nun 50 oder 60 ist, da kann man trefflich drüber streiten. Jetzt gilt 50, der gilt auch überall. Soweit so gut, aber die Infektionszahl von 50 über 7 Tage auf 100000 Einwohner kann in einer hoch versorgten Universitätsstadt deutlich entspannter vielleicht wahrgenommen werden, als wenn sie eine Region haben, wo die medizinische Versorgung, ambulante und stationäre vielleicht nicht so üppig ist. Deshalb kann auch diese Zahl nur eine grobe Richtschnur sein. Es muss immer regional entschieden sein und da hilft der ZI-Rader glaube ich ganz gut, weil er mit einer doch sehr kommoden Vorwarnzeit arbeitet. Das heißt, es werden neben den Zeiten, die für die Überlastungen angegeben werden, sozusagen ein drei Wochen Puffer für die politische Entscheidungsfindung eingepreist. Und damit haben wir fast in jeder Region Entscheidungszeiten, die nah an zwei Monate reichen. Für alle wäre es natürlich schöner gewesen, die Infektionszahlen wären auf dem niedrigen Niveau des Sommers geblieben. So, das war realistischer Weise nicht wirklich zu erwarten und es ist auch nicht ehrlicherweise davon auszugehen, egal, welche Maßnahmen wir ergreifen das Virus mir nichts, dir nichts plötzlich verschwindet. Es ist eher davon auszugehen, dass Corona uns wahrscheinlich Jahre, wenn nicht dauerhaft begleitet, wie viele andere Viren. Ob es sich dann abschwächt, weniger gefährlich wird, ob wir eine Impfung haben und jeder lässt sich impfen, das wird man sehen. Ich glaube nicht, dass wir dauerhaft in solchen Ausnahmezuständen leben können, wollen und werden, wie das jetzt der Fall ist, aus verschiedensten Gründen. Also es wird eine gewisse Normalität eintreten, aber insbesondere dann, wenn plötzlich Zahlen wieder ansteigen, dann wird Politik natürlich auch irgendwo getrieben. Man muss sich ja als Herr der Lage zeigen. Nur ist natürlich und das muss man leider sagen, das Beherbergungsverbot genau das, wie man es nicht machen sollte, bei jedem offensichtlich klar wird, dass man mit solchen Maßnahmen überhaupt nicht Herr der Lage ist. Wenn Sie sich alleine die diese Idee vorstellen, dass Sie zwar aus einem bayerischen Risiko Gebiet in ein bayerisches nicht Risiko Gebiet reisen dürfen, das Sie aber nicht ohne weiteres aus Nordrhein-Westfalen nach Bayern in ein Risiko Gebiet reisen dürfen, dann wird es ganz skurril. Jetzt hat ein großer Teil der Bundesländer schon gesagt, sie werden diese Regelung schlicht kassieren. Wir haben also einen völlig unübersichtlichen Flickenteppich. Das wäre vielleicht humoristisch noch noch zu akzeptieren. Das Problem was aber daraus entsteht, dass wir alleine in den wenigen Tagen, wo dieses Beherbergungsverbot galt, eine Vielzahl völlig unsinniger Tests erleben durften, die zum einen viel Geld kosten, was uns möglicherweise an anderer Stelle fehlt, sie verbrauchen Ressourcen der Teste, und zwar nicht nur Test Kapazitäten, sondern auch Reagenzien, sie kosten Zeit und es ist nicht auszuschließen, dass über diesen Testreihen möglicherweise tatsächlich Menschen sogar anstecken, weil plötzlich, man konnte das sehen auf Bahnhofsvorplätzen Hunderte von Menschen dicht gedrängt vor Tests hinten stehen. Also das ist eine Maßnahme, genau wie man es nicht machen sollte und der Föderalismus ist an vielen Punkten sehr hilfreich und muss ja auch regionale und lokale Lösungen ermöglichen. Und das ist auch richtig so. Wir würden uns wünschen, dass die tatsächlich mit dem Gesundheitsgeschehen vor Ort abgestimmt wird. Also ÖGD, Niedergelassene, Krankenhäuser, das sind die Player, die da mit den Landkreisen oder den Bürgermeistern, je nachdem welche Gemeinde es sich handelt, abstimmen müssen, wie es geht. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert, darauf sollte man setzen. Was uns nicht hilft ist, wenn ein Überbietungswettbewerb an Maßnahmen stattfindet, der unterm Strich nichts bringt und uns, und das ist meine große Sorge eher Bevölkerung an dieser Stelle vergrätzt und dann in Bausch und Bogen überhaupt keine Maßnahmen mehr beachtet werden, was sicherlich nicht sinnvoll wäre und deshalb möchten wir nochmal nachhaltig appellieren, dass die bisherigen Maßnahmen, die wir im Frühjahr hatten, den Abstand, Hygienemaßnahmen, Maske da wo sie sinnvoll ist, die App runterzuladen und jetzt im Winter natürlich vermehrt zu lüften, unabdingbar sind. Das sollte man tun, weil auch wenn viele Infektionszahlen, nicht automatisch viele Erkrankte bedeuten, ist es natürlich schöner und erstrebenswerter, wenn die Infektionszahlen niedrig bleiben und wir würden uns über nichts mehr freuen als auch über den Winter über leere Intensivbetten.
Die Praxen sind ja nicht nur damit beschäftigt, Patienten zu behandeln, Tests zu machen oder zuhause Gebliebene in Quarantäne zu betreuen, sondern ein ganz großer Teil der mehr Arbeitsaufgaben kommt ja durch Informationswissenschaft von Patienten und nicht Patienten zustande. Und speziell das Beherbergungsverbot hat nicht nur bei den Praxen enormen Nachfragen Bedarf ausgelöst. Der WDR hat quasi eine eigene Hotline - oder wurden wo das Radio gefragt, wie das Beherbergungsverbot wohl zu interpretieren ist? Und da muss man einfach sagen so eine Regelung braucht man dann wirklich nicht.
Die Praxen sind unverändert. Vielleicht noch mehr als im Frühjahr. Sozusagen der Schutzwall für die Infizierten. Hatten wir im Frühjahr sechs bis sieben von acht ambulant behandelt, sind es aktuell neunzehn von zwanzig. Also die ganz überwiegende Zahl der Infizierten wird von ihren Haus- und Fachärzten ambulant betreut, wo sie die Betreuung brauchen. Die Praxen sind auf eine Grippewelle natürlich regelhaft vorbereitet. Das heißt, Infektionssprechstunden, Organisationen in der Praxis, das ist für die tägliches Geschäft und umso mehr, als jetzt im Frühjahr, sozusagen ins kalte Wasser geworfen wurde, was Corona anging. Deshalb glaube ich, die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sind da gut aufgestellt. Es muss dafür gesorgt werden, dass die persönliche Schutzausrüstung in ausreichender Menge haben. Dann, glaube ich, haben wir hier eine Situation, die von den Kollegen mit viel Erfahrung gehändelt werden kann. Was wir erleben mussten. Tatsächlich, es gab hier Bilder aus Berlin wie Freitagnachmittag, eine der Hausarztpraxen die aufhatte, überrannt wurde von Menschen, die den Test wegen des Beherbergungsverbotes machen wollten. Das ist genau die Situation, die wir nicht brauchen können und nicht haben wollen. Ungerichtet, Patienten-Ströme, die ohne Anlass die Praxen aufsuchen. Und deshalb auch nochmal der Appell für die Menschen, die meinen, sie haben sei es Kontakt mit Coronakranken gehabt, haben Symptome, könnten erkrankt sein. Die sollen bitte nicht unaufgefordert in die Praxen laufen, sondern bitte den Termin machen. Dann werden die Kolleginnen und Kollegen vor Ort ihnen entsprechende Termine in den Infekt Sprechstunden zuweisen. Ich glaube, dass wir damit einen Großteil der Fragestellungen abarbeiten können. Sollte es dann tatsächlich zu Cluster Ausbrüchen kommen, die Praxen in der Struktur überfordert sein, dann werden wir wie auch in der Vergangenheit in Abstimmung mit den Landkreisen, den Bürgermeistern über die KV und gegebenenfalls regionale Tests Zentren mit dem ÖGD zusammen aufbauen. Das prophylaktisch zu machen ist unsinnig, weil keiner weiß wo gibt es so ein Cluster Ausdruck und die die aktuellen Zahlen würden überhaupt keine Rechtfertigung bieten. Solche die vielen Tests Zentren aufzubauen, wie wir das in der Hochphase hatten.

Uneinheitliche Beschränkungsregelungen, sinkende Akzeptanz und zunehmender Frust: eine Gemengelage, die aktuell zu hitzigen Diskussionen führt. Ein Grund von mehreren: die zu enge mediale Fokussierung auf eine Zahl, nämlich die der Neuinfektionen mit COVID-19.
Welche Faktoren aus Praxissicht sachdienlich sind und wie sich die uneinheitlichen Regelungen sowie widersprüchlichen Informationen in den Praxen auswirken, beleuchtet der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen. Dabei beruft er sich auf eine Kombination von Zahlen: jene Kennzahlen, die das Robert Koch-Institut (RKI) stets aktuell veröffentlicht und auf deren Grundlage das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) täglich Frühindikatoren bildet. Diese fließen in das Dashboard des Zi ein, das einen hilfreichen Vorwarnmechanismus für politische Entscheidungen darstellt: regional sowie überregional.

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