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Impfstart gegen SARS-CoV-2 in Praxen gelungen: So könnte es weitergehen

Wie laufen die Impfungen in den Praxen?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Für uns nicht völlig überraschend, haben die Praxen eindrucksvoll demonstriert, dass sie das Impfen natürlich aus dem Effeff beherrschen. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ausreichend Impfstoff.“
Welche Rückmeldungen gibt es aus den Praxen?
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Grundsätzlich sind es sehr positive Rückmeldungen. Die Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass sie impfen können. Natürlich hätten sie alle gerne mehr Impfstoff. Und natürlich geht es ihnen wie uns allen: Sie brauchen natürlich auch die Impfstoffe, die bei der Bevölkerung akzeptiert werden.“

Wie ist die Akzeptanz beim Impfstoff von AstraZeneca?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

“AstraZeneca ist unverändert natürlich ein guter und wirksamer Impfstoff, das zeigen die Studien, aber es gibt natürlich in der Bevölkerung eine gewisse Verunsicherung. Das ist auch kein Wunder bei den wechselnden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Hier brauchen wir dringend eine Klärung. Zum einen, wie nun mit den Menschen unter 60 verfahren werden kann, auch die vielen, die schon eine Erst-Impfung haben und ob man möglicherweise sonst für AstraZeneca auch die Priorisierung aufheben sollte. Grundsätzlich ist AstraZeneca ein Baustein beim Impfen, neben den natürlich mengenmäßig viel relevanteren Impfstoffen von z.B. Biontech.“

Zuletzt sind kurzfristig Impfstoffe getauscht worden...

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
„Solche Gerüchte hören wir auch. Das entspricht erstens nicht den Vereinbarungen. Vereinbart ist, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen natürlich in gleicher Relation Impfstoffe bekommen und verimpfen, wie sie auch eintreffen, nicht anders als die Impf-Zentren auch. Das heißt von allen Impfstoffen die Anteile auch bekommen und nutzen können, die da sind. Und es wäre sicher sehr problematisch, wenn der Eindruck erweckt würde, als würde das Astra aus den Impf-Zentren heraus in die Praxen überspielt. Und die Praxen hätten dann diese deutlich erhöhte Arbeit, den Bürgerinnen und Bürgern, die das möglicherweise gar nicht mehr wollen, diesen Impfstoff, zu überzeugen, zu überreden. Wir wissen aus Erfahrung z.B. von Pandemrix damals bei der Schweinegrippe, dass das nicht funktioniert. Und wir können also nur dringend appellieren, dass die Arztpraxen, die ja deutliche Beschleunigung des Impfens jetzt demonstriert haben, auch mit den Impfstoffen versorgt werden, die es gibt und die in der Bevölkerung breite Akzeptanz finden und die dann auch für alle Altersgruppen geeignet und zugelassen sind.“

Wie soll es mit den Impfungen in den Praxen weitergehen?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:
“Also ganz entscheidend ist, Herr Hofmeister hat es schon gesagt, wir brauchen erst einmal den entsprechenden Impfstoff-Mix, d. h. alle verfügbaren Impfstoffe vielleicht mit Ausnahme von Moderna, der tatsächlich von der Stabilität für die Praxen etwas problematisch ist. Also ein Mix dieser verschiedenen Impfstoffe und dann natürlich eine deutlich steigende Menge an Impfstoffen. Denn bisher haben ja in Abstimmung zunächst nur die ersten 35.000 Hausarztpraxen sich zum Impfen gemeldet. Wir wissen aber, nicht nur die Kinderärzte stehen parat, sondern auch die Facharztpraxen, sodass wir fast bis auf 75.000 Praxen kommen könnten. Das macht natürlich nur Sinn, wenn hier auch substanziell Impfstoffe kommen. Und jetzt haben wir alle so ein bisschen, wir bekommen ein ungutes Gefühl, wenn wir zum einen hören, möglicherweise ändern sich die Impfstoff-Lieferungen in den Praxen und zwar deutlich nach unten statt nach oben. Gleichzeitig spricht der Kanzleramtsminister von einem möglichen harten Lockdown bis in den Juni hinein. Gleichzeitig wird noch das vierte Infektionsschutz-Gesetz gerade verabschiedet, mit deutlich einschneidenden Maßnahmen. Da greift natürlich die Sorge um sich, dass am Ende das Impf-Versprechen so nicht zu halten ist, dass also vielleicht doch deutlich weniger Impfstoff kommt als ursprünglich angekündigt. Das wäre natürlich fatal. Wir hoffen, dass das nicht der Fall ist. Die Praxen stehen bereit. Wir brauchen halt Impfstoff.“

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Ganz wichtig ist, glaube ich wirklich, dass wir bei der Impfstoff-Verteilung jetzt - ich hatte es eben schon gesagt - nochmal Wert darauflegen, dass zu der ohnehin schon ausgesprochen problematischen Kommentierung, die jetzt zu dem Impfstoff AstraZeneca leider entstanden ist, aus unserer Sicht leider - nochmal wir betonen, das ist ein wirksamer und guter Impfstoff - das Hin und Her hat da nicht geholfen. Es darf jetzt nicht der Eindruck entstehen, als wären die Arztpraxen sozusagen diejenigen, die einen Ladenhüter an den Mann oder die Frau bringen müssten. Denn das - nochmal - funktioniert nicht. Das heißt, die Praxen brauchen, damit man die Geschwindigkeit, die Wohnortnähe und die Kenntnis der Ärzte und der Patienten nutzen kann, alle Impfstoffe, alle. Und zwar in dem Verhältnis, wie sie hier ankommen, damit wir so schnell wie möglich die Bevölkerung durchimpft kriegen und alles herumspielen an diesen Zahlen aus welchen Gründen auch immer, wäre fatal und würde die ganze Konzeption wesentlich verlangsamen und vermutlich auch die Praxen ausgesprochene enervieren.“

Warum müssen die Praxen wissen, welchen Impfstoff sie bekommen?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Natürlich ist für die Praxen besonders wichtig, dass sie auch wissen, wenn sie den Impfstoff bestellen, was sie bekommen. Aus zwei Gründen: Zum einen muss eingeplant werden, wer wird einbestellt, welche Altersgruppe, welches Klientel. Ich muss die Patienten vorbereiten. Viele Patienten fragen am Telefon: "Haben Sie diesen, haben Sie jenen Impfstoff?" Da muss man sagen können: "Habe ich, habe ich nicht." Wir haben keine Zeit, eine Viertelstunde mit jedem zu diskutieren. Und der zweite Grund ist: Es werden sehr bald schon die ersten Wiederholungs-Impfungen anfallen, sodass auch dann eine Praxis natürlich sicher sein muss, dass sie überhaupt den Impfstoff vorrätig halten kann, der dann für die Wiederholungs-Impfung gebraucht wird. Also ja, die Praxen können nicht dauerhaft generisch bestellen. Das war auch nie so vereinbart, sondern sie müssen ab der 17. Kalenderwoche ganz klar impfstoff-spezifisch bestellen können in den prozentualen Anteilen, wie Impfstoff nach Deutschland kommt und nicht in einer künstlich auf die Praxen möglicherweise negativ zugeschnittenen Impfstoff-Dosen-Verteilung.“

Was fordern Sie?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Wir haben ja feststellen können, dass nach vielen Gesprächen, die wir mit dem Bundesgesundheitsminister geführt haben, die Praxen ins Impfen eingebunden wurden und Minister Spahn hat ja sofort den Impf-Rekord getwittert, weil man gesehen hat, wie schnell das dann in die Höhe schnellt, wenn die Praxen mitmachen. Insofern glaube ich, dass auch der Minister weiß, dass die Praxen hier der Game Changer werden können. Dazu müssen sie auch Impfstoffe bekommen. Das ist sicherlich auch eine Diskussion, die man mit den Ländern führen muss. Wir hoffen, dass die Impfstoff-Zusagen eingehalten werden können, weil ansonsten tatsächlich das Impf-Versprechen aus unserer Sicht nicht mehr zu halten ist. Und es muss tatsächlich so sein, dass wir in den Praxen ein entsprechendes Impfstoff-Angebot haben. Wenn tatsächlich es nur einen Impfstoff geben würde für die Praxen, dann könnte das bestenfalls Biontech sein, weil das der Impfstoff ist, der keine Altersbeschränkung hat. Und natürlich gibt es eben auch viele Menschen, die unter 60 sind, aber trotzdem chronisch krank und von daher dringend eine Impfung brauchen. Und für eine Herden-Immunität werden wir uns ja ohnehin irgendwann mal von der Priorisierung verabschieden müssen, denn sonst wird sie ja nicht erreichbar sein, 60 oder gar 70 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren.“

Wird in den Praxen die Impf-Priorisierung eingehalten?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Die kritisierte Meldung bei den Praxen ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar. Es ist ein neues Meldesystem eingeführt worden, das funktioniert fehlerfrei vom ersten Tag an. Die Meldungen kommen, die kommen jeden Abend. Wir erkennen auch, ob die Menschen über 60 oder unter 60 sind. Und wir werden, das wissen auch alle Fachleute, im Nachgang auch sehr viel detailliertere Daten für die Wissenschaft und die Forschung noch haben. Das heißt, es wird komplett und umfassend archiviert und dokumentiert und wir bekommen in Echtzeit jeden Abend Überblick, wer ist mit was geimpft worden und wie viele Menschen über 60 sind geimpft worden. Und alle Daten bisher zeigen, dass die Praxen sich erwartungsgemäß auch daran halten. Sie müssen sich nur mal vorstellen, Sie sind Arzt in einer Praxis und Ihre Patienten, und Sie können Ihren Patienten nicht erklären, warum Sie nicht die impfen, die vordringlich krank sind, chronisch krank sind, die sowas brauchen. Da wird kein Arzt auf die Idee kommen. Insofern glaube ich nicht, dass es dort andere oder größere Abweichungen oder Einzelfälle gibt in anderer Zahl, als es die in Impf-zentren auch gegeben hat.“

Wird bei dem aktuellen Impftempo ein Sommerurlaub möglich?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

„Das wird entscheidend davon abhängen, ob das Impfen in dem Tempo gelingt, wie es die Praxen vorlegen könnten, und dafür brauchen sie Impfstoff. Wir sind auch verunsichert, das muss ich offen zugeben, nicht zuletzt durch die Äußerungen des Kanzleramtsministers, der sogar den Juni noch als Lockdown-Monat ins Spiel gebracht hat. Ob das jetzt ein Versprecher war oder ob es andere Hintergründe dafür gab, wissen wir nicht. Wenn die Impfstoff-Lieferungen in der zugesagten Menge kommen, dann glaube ich, ist im Sommer ein großer Teil der Bevölkerung geimpft. Und dann, das hat Professor Wieler ja deutlich gesagt, wenn wir eine Herden-Immunität durch das Impfen erreicht haben, dann können sämtliche Beschränkungen fallen und dann ist natürlich auch Urlaub wieder möglich.“

Seit einer Woche können deutschlandweit Hausarztpraxen gegen SARS-CoV-2 impfen. Das Impf-Tempo wurde damit deutlich gesteigert. Wie es nun weitergehen könnte, erläutern Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, und Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.

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