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Meine Meinung zur Videosprechstunde

Meine Meinung: Videosprechstunde


Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Begonnen haben wir mit der Video Sprechstunde, ich sage jetzt mal, vor vielleicht zwei Jahren. Wir wollten eigentlich unsere Erreichbarkeit in der Praxis verbessern. Als Kinder und Jugend Arzt steht häufig das Telefon nicht still. Gerade in der Infektzeit. Und wir wollten den Eltern, den Familien eine Möglichkeit geben, uns quasi neben dem Telefon per Video auch erreichen zu können.
Wir hatten initial Sprechstunden Zeiten für die Video Sprechstunde festgelegt. Das war eine Stunde am Vormittag, das war eine Stunde am Nachmittag und haben also aktiv die Eltern, die angerufen haben auf diese Video Sprechstunden verwiesen. Und mit Beginn der Pandemie war es aber so, dass wir sehr schnell gesehen haben, dass diese zwei Stunden am Tag de facto nicht mehr ausreichen, weil einzelne Videosprechstunden auch durchaus länger gedauert haben bis zu 15, 20 Minuten. Und so haben wir dann die Zeit ausgedehnt, aktuell eben auf die Zeit der Sprechstunde. Also die Videosprechstunde läuft parallel. Das geht natürlich nur, weil ich nicht alleine in der Praxis bin, sondern eben Kolleginnen habe. Und wir teilen uns das dann quasi auf, dass wir sowohl Zeit in der Praxis arbeiten können und eine Zeit eben die Videos Sprechstunde abhalten können."

Welche Voraussetzungen müssen in der Praxis geschaffen werden?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Aus Sicht der Praxis, die dieses Angebot den Eltern geben möchte, muss natürlich geschaut werden, dass das eine sichere Form der Kommunikation ist, dass die Datenschutz Kriterien letzten Endes gewährleistet sind, dass also eine Daten sichere Kommunikation zwischen Arzt auf der einen Seite und Eltern auf der anderen Seite gewährleistet ist.
Wir nutzen das so, dass die Kolleginnen, neben mir, die die Videosprechstunde durchführen, in der Praxis in einem separaten Raum sitzender ist also quasi außer der Kollegin niemand in dem Zimmer. Wir haben extra ein Büro in der Praxis, was wir z.B. für die Videosprechstunde
nutzen können. Und ich mache das, wenn ich die mache hier von meinem Büro aus, d. h. das ist ein geschützter Raum, wo auch keine Dritten quasi Zugang haben zu der Zeit der Videosprechstunde. Und das muss auch so sein. Das ist ja im Prinzip wie ein persönliches Arzt-Patienten-Gespräch, was ja auch in der geschlossenen Tür stattfindet. Und so muss die Videosprechstunde quasi auf der anderen Seite auf der Arzt Seite auch stattfinden.

Wie war Ihre erste Videosprechstunde?"

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Das hat jetzt auch die Pandemie mitgebracht. Dass das jetzt Routine ist am Anfang war das doch eher ein bisschen fremd, dass das Kind nicht vor einem saß und die Mutter nicht direkt vor einem saß. Aber dennoch hatte man, weil man sich sehen konnte, nicht nur hören, schon auch irgendwie ein gutes Gefühl dabei. Und die Verbindung war trotzdem da. Man konnte eigentlich von Anfang an da eine Einschätzung abgeben, aber es war schon gewöhnungsbedürftig am Anfang.
Für welche Anliegen wir die Videosprechstunde hauptsächlich genutzt?
Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Jetzt im Rahmen der Infektzeit, die wir ja noch zu Beginn der Pandemie hatten und jetzt wieder haben, wobei sie dieses Jahr eigentlich aufgrund unserer Aha-Regeln sehr gering ausgefallen ist, war das schon ein Großteil der der Konsultationen - Muss sich mit dem Kind in die Praxis kommen? Wir haben uns die Symptome angehört, die die Eltern beschrieben haben und dann beratend quasi eine Einschätzung abgegeben, wie dringlich das Kind jetzt tatsächlich in der Praxis vorgestellt werden muss. Das war jetzt ein Großteil der Vorstellungs-Anlässe.
Wir haben in der Praxis weiterhin unsere Prävention durchgeführt, die Vorsorgen und die Impfungen. Dazu müssen die Eltern natürlich kommen. Aber durch die Video Sprechstunde konnten wir eben auch viele zu Hause betreuen und konnten dann einen geregelten Praxis Ablauf mit Präventionsthemen durchführen. Das war eigentlich für uns auch sehr angenehm, dass wir das so ein bisschen trennen konnten.
Sehr gut funktioniert es bei Kindern mit Hauterkrankungen, die Neurodermitis ist ja ein häufiges Erkrankungsbild im Kleinkindalter und teilweise war ja auch da ist die Diagnose den Eltern bekannt. - Hier geht's um darum, den Verlauf zu beurteilen, wie die Haut sich derzeit darstellt.
Da kann man sogar wirklich schauen und den Eltern eben Tipps zur Behandlung geben. Aber auch akute Vorstellungs-Anlässe wie z.B. der klassische Pseudokrupp-Anfall, den die Eltern ja teilweise auch schon kennen, dann beschreiben und fragen, ob sie jetzt nochmal kommen müssen oder ob sie so weitermachen können, wie sie eh schon begonnen haben. Also nochmal eine Bestätigung der Maßnahmen, sich abzuholen, die die Eltern, weil sie sie ja schon kennen, häufig und schon mal durchgemacht haben, eh schon ergriffen haben. Das waren so typische Beratungs-Anlässe gewesen."

Was hat sich während der Pandemie verändert?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Im Rahmen der Pandemie waren viele Eltern zu Beginn sehr verunsichert, wollten auch nicht mehr in die Praxis kommen. Tatsächlich hatten Angst, in die Praxis zu gehen und hatten aber ihre Fragen und das war alles, oder das ist immer noch ein Vorteil, dass man hier sehr niederschwellig Zugang zum Arzt bekommt. Die Fragen stellen kann. Themen beraten lassen kann, ohne den Weg in die in die Praxis auf sich nehmen zu müssen. Sei es aus Angst, sich anzustecken oder anderen Gründen, weil es ein längerer Anfahrtsweg ist."

Worin sehen Sie die Vorteile der Videosprechstunde?"

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Die Kinder fühlen sich wohl, weil sie sind in ihrer häuslichen Umgebung. Manche Kinder sind schon sehr irritiert, wenn sie allein die Praxis betreten. Das fällt schon mal weg, weil sie ja zu Hause sind mit der Mama in ihrer gewohnten Umgebung, - das wäre so eher ein Vorteil.
Und tatsächlich ist es bei uns so, dass wir viele Kinder mit ADS, ADHS betreuen. Und da war das auch eigentlich ein großer Vorteil, dass wir diese Verlaufsgespräche und Sie können sich vorstellen, im Rahmen der Pandemie war das gerade bei diesem Klientel eher schwieriger und wir konnten diese Familien und auch die Jugendlichen im face to face Kontakt persönlich begleiten. Und da sah ich auch oder sehe ich einen großen Vorteil der Telemedizin oder der Video Sprechstunde."

Wo liegen die Grenzen einer Videosprechstunde?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Es ist ganz klar Ich kann kein Kind wirklich gut untersuchen. Man kann sich die Haut mal anschauen. Man kann sehen, wie das Kind atmet. Wieder Allgemeinzustand des Kindes ist. Also eine grobe Einschätzung ist möglich, aber ich kann nicht in den Mund gucken. Ich kann ich in die Ohren schauen. Das heißt also, hier sei im Rahmen der Diagnostik ist es schwierig, logischerweise. Aber immerhin kann man dann diese Kinder eben bitten, trotzdem in die Praxis zu kommen. Man kann also so eine Vorselektion machen. Aber das ist natürlich eine Grenze. Also ich kann das Kind nicht untersuchen, ich kann beraten, aber wenn es dann angeschaut werden muss, dann muss das Kind natürlich trotzdem mit der Mama in die Praxis kommen."


Welchen Umfang nehmen Videosprechstunden in Ihrer Praxis ein?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Im Schnitt sind wir etwa so bei 30 Konsultationen pro Tag, würde ich jetzt mal schätzen. Und von der Dauer der einzelnen Video Sprechstunde variiert das natürlich auch von kurzen Beratungsgesprächen bis hin zu 4 Stunden Terminen. Wenn wir jetzt Termine vergeben, z.B. im Rahmen der Betreuung der ADHS Patienten, da kann das auch mal länger auch anders ist. Das ist sehr variabel, aber vom Zeitaufwand sind wir gut bei ca. 15 Stunden sag ich jetzt mal reine Video Sprechzeit pro Woche."

Was könnte man aus Ihrer Sicht verbessern?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Rein technisch bin ich sehr zufrieden, die Verbindung war immer stabil. Auch teilweise von unterwegs haben wir das gemacht, also nicht wir, aber die Eltern. Also da gibt es, denke ich wenig Verbesserungspotential. Da es zwei getrennte Systeme sind, also nicht unser Arzt Informationssystemen, sondern eine separate Software, wäre hier die Integration wünschenswert. Wir müssen das quasi was wir besprochen haben dann nochmal übertragen in unser Arzt Informationssystem, was natürlich nochmal Aufwand für den MFA bedeutet. Also wenn es hier eine Schnittstelle gäbe, dass man das direkt quasi aus der Praxis Software heraus machen kann, das wäre sicherlich von großem Vorteil."

Wie geht es mit der Videosprechstunde in Ihrer Praxis weiter?

Dr. med. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

"Es wird weniger werden, weil natürlich ich auch jetzt schon bei den Eltern höre, dass sie das inzwischen als Highlight sehen, mal in die Arztpraxis kommen zu können. Jetzt, nach der langen Pandemie und nach dem langen Lock down. Aber wir werden die Videosprechstunde weiter anbieten und sicherlich auch im gesteigerten Umfang, als im Vergleich zum Start, als wir begonnen haben. Aber im Vergleich zu der jetzigen Zeit wahrscheinlich reduzierter, weil die Termine dann vor Ort wieder steigen werden. Das ist meine Einschätzung. Verzichten werden wir nicht, weil das uns so einen Vorteil gebracht hat in der Betreuung unserer Patienten, dass wir da auf jeden Fall weitermachen werden."

Mit Beginn der Corona-Pandemie hat das Angebot der Videosprechstunde einen wahren Boom erlebt. Allein im zweiten Quartal 2020, nahmen Patienten fast 1,2 Millionen Mal Kontakt mit einem Arzt oder Psychotherapeuten per Video auf. Und auch wenn der persönliche Patientenkontakt der Goldstandard bleibt, bietet die Videotelefonie eine niedrigschwellige Möglichkeit für den Arzt-Patienten-Austausch. Dr. Ronny Jung, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, berichtet von seinen Erfahrungen.

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