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Stand 05.11.2020

Telematikinfrastruktur

Telematikinfrastruktur: Datenautobahn für das Gesundheitswesen

Die Telematikinfrastruktur (TI) soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken, Krankenkassen miteinander vernetzen und eine schnelle sowie sichere Kommunikation zwischen ihnen ermöglichen. Medizinische Informationen, die für die Behandlung von Patientinnen und Patienten benötigt werden, sind so schneller und einfacher verfügbar. Oberste Priorität hat dabei die Datensicherheit.

TI-Update zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Wie ist der aktuelle Stand bei der Digitalisierung?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran. Insbesondere ist es positiv zu vermerken, dass die KBV, das KV-System einen eigenen KIM-Dienst hat. KIM ist Kommunikation im Medizinwesen, der jetzt ausgerollt werden wird. Es ist bei der bei der gematik durch, das wird da genehmigt, muss zertifiziert werden und wir gehen davon aus, dass die KBV ihren KIM-Dienst, das ist kv.dox, Mitte bis Ende November auf den Markt bringen kann. Der Vorteil ist dann, der Arzt kann dann auswählen, die Praxis kann auswählen. Bisher gab es ja nur einen zugelassenen Dienst von einem großen Anbieter. Der Arzt kann dann ab Ende November, wenn unser Dienst auf dem Markt ist, auswählen zwischen zwei Anbietern."

Wofür benötigt man einen KIM-Dienst?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Der KIM-Dienst ist deshalb notwendig, damit man in der TI sicher kommunizieren kann. Es bedeutet ganz konkret, der Arzt kann dann, die Praxis kann dann über diesen KIM-Dienst mit anderen Praxen Daten austauschen, Arztbriefe, Befunde, je nachdem, wie wie weit die Interoperabilität der Daten schon gegeben ist. Aber das ist ein sicherer Übertragungsdienst. Man kann auch ganz banal vielleicht als einen E-Mail-Dienst bezeichnen, aber ein sicherer, der in der TI läuft und deshalb muss er erst zertifiziert werden. Und es gibt eben auch erst diese beiden Anbieter: kv.dox vom KV-System und von einem großen Softwarehersteller einen Dienst. Also er ist notwendig unter anderem für die Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die der Gesetzgeber ja ab Beginn des nächsten Jahres fordert."

Bleibt es bei dieser Frist?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Diese Frist für die elektronische Arbeitsunfähigkeit macht vielen Praxen große Sorgen, weil sie nicht sicher sind, dass alle Hersteller die erforderlichen Komponenten ihnen rechtzeitig und funktionabel in die Praxis stellen. Das heißt konkret: Er braucht, der Arzt, die Praxis braucht einen elektronischen Heilberufsausweis. Da gibt es besonders bei den Psychotherapeuten, aber auch bei vielen Ärztekammern zurzeit Lieferschwierigkeiten, weil eine hohe Anzahl von elektronischen Heilberufsausweise produziert werden muss. Das ist ein Problem. Dann muss der Arzt ein Konnektor-Update bekommen und zwar von seinem Hersteller. Es gibt da drei oder vier Konnektoren-Hersteller. Das muss produziert werden, muss eingespielt werden, muss voll getestet werden, eingespielt werden in die Praxis, muss funktionieren. Und er braucht wie gesagt diesen eben erwähnten KIM-Dienst. Den muss er auch einspielen, der muss auch funktionieren. Und last not least braucht er auch eine Anbindung zwischen dem neuen Konnektor mit dem Update in sein PVS-System, in sein Praxisverwaltungssystem. Alle diese drei Dinge, also diese vier Dinge, müssen zum 1. Januar vorliegen, sonst kann der Arzt keine elektronische AU in die TI und damit auf einen Server der Krankenkasse schicken. Das macht große Sorgen und deshalb haben wir auch beim BMG schon interveniert und auf eine Verschiebung hingedrängt, weil die Technik noch nicht vorliegt. Und das BMG hat auch diese Probleme gesehen und grundsätzlich uns die Möglichkeit eingeräumt, die elektronische Übermittlung bis zum 30.9. des nächsten Jahres auszusetzen, wenn die Technik noch nicht vorhanden ist."

Können denn alle Beteiligten die eAU verarbeiten?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"In der Tat, aber das ist auch noch ein Punkt, der uns auch noch Sorge macht. Wenn der Arzt, der jetzt die technischen Voraussetzungen von mir aus im ersten oder zweiten Quartal von seinen Herstellern geschaffen bekommt, dann verpflichtet wird, an die Krankenkasse zu übermitteln, dann müsste aus unserer Sicht auch sichergestellt sein, dass jede Krankenkasse diese elektronische AU auch annehmen kann. Auch das ist nicht ganz sichergestellt, wie wir hören. Und deshalb haben wir die Forderung auch an das BMG, doch dass man die gesamte Regelung möglichst bis zum 30.6., noch besser bis zum 30. 9. so wie jetzt belässt, papierbasiert. Und das wäre gar nicht so schlimm, weil im Gesetz drin steht, dass auch für das nächste Jahr juristisch noch verbindlich ist der Papierausdruck. Das heißt auch im nächsten Jahr trotz der Verpflichtung, parallel in die TI elektronisch zu melden an die Krankenkasse, hat der Arzt noch die Verpflichtung, die Durchschläge wie heute auszudrucken und dem Patient mitzugeben. Der Patient bekommt ein Exemplar für sich selbst, aber ein weiteres aber auch zur Weiterleitung an den Arbeitgeber. Das wird alles noch so bleiben wie in diesem Jahr. Und deshalb unsere Forderung, zur Sicherheit und Sicherstellung auch des Aufwandes und der Technik in den Praxen, auch diese Frist so zu verlängern, dass erst am 1. 10. nächsten Jahres komplett elektronisch so gemeldet wird, wie es im Gesetz steht."

Wie ist der Stand beim eHBA?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Ja, da gibt es offensichtlich Lieferschwierigkeiten beim elektronischen Heilberufsausweis. Das betrifft sowohl die Ärzte, die über die Kammern ihren Ausweis bestellen, wie auch die Psychotherapeuten, die das auch über ihre Kammern machen. Und da die Kapazitäten erst langsam hochgefahren worden sind bei den Herstellern, bei den Trust-Centern, ist es so, dass wir am Jahresende mit einer großen Welle von Beantragungen rechnen. Und dann können die Ausweise auch nicht wahrscheinlich zeitgerecht ausgestellt werden. Ein zweites Problem ist noch hinzugekommen durch das PDSG, was gerade in Kraft getreten ist, das Patientendatenschutzgesetz. Da steht nämlich die Bestimmung drin, dass ein Arzt oder Psychotherapeut erst dann eine SMCB, einen Praxisausweis bestellen darf, wenn er über einen Heilberufssusweis verfügt. So und das ist es ein Circulus vitiosus: Hat man keinen eHBA, kann man keine SMCB bestellen und kann damit auch nicht in die TI kommen. Man dürfte eigentlich gar nicht als Vertragsarzt oder Psychotherapeut tätig werden. Auch das hat das BMG erkannt, dass es da Lieferschwierigkeiten gibt. Und wir haben es erreicht beim BMG, dass es eine Übergangsfrist gibt für das vierte Quartal dieses Jahres und das erste des nächsten Jahres, also bis zum 30.3. des nächsten Jahres reicht es aus, wenn ein Arzt oder Psychotherapeut seiner KV gegenüber bei der Zulassung z.B. bescheinigt, dass er einen eHBA beantragt hat, dann kann er sehr wohl auch eine SMCB erhalten. Das halten wir für unbedingt notwendig, damit die Versorgung weitergeht."

Die Digitalisierung der Praxen geht weiter. 2021 sollen weitere Anwendungen in die Praxen kommen. Eine wesentliche ist die eAU, auch wenn es hier um den elektronischen Versand an die Krankenkassen geht. Wie hier und bei der dafür notwendigen Technik der aktuellen Stand ist, erläutert Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV.

Software-Update zum E-Health-Konnektor

Mit den bisher ausgerollten Konnektoren war lediglich das Versichterenstammdatenmanagement (VSDM) möglich. Um medizinische Anwendungen und sichere elektronische Kommunikation nutzen zu können, braucht der Konnektor ein Software-Update auf den sogenannten E-Health-Konnektor. Die ersten beiden Hersteller haben dafür nun die Zulassung erhalten, der dritte ist im Zulassungsprozess. Mit dem Kommunikationsdienst KIM und einem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) sind Praxen gerüstet für die nächste Ausbaustufe der TI. 

Telematikinfrastruktur: Service-Serie

gematik GmbH

Die gematik GmbH ist für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI verantwortlich. Gesellschafter sind das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie die Spitzenverbände des deutschen Gesundheitswesens, darunter die KBV, die Bundesärztekammer, der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

Rechtsgrundlagen

Vereinbarung zur Finanzierung der Telematikinfrastruktur (nach 11. Änderungsvereinbarung)

Vereinbarung zur Finanzierung und Erstattung der bei den Vertragsärzten entstehenden Kosten im Rahmen der Einführung und des Betriebes der Telematikinfrastruktur gemäß § 291a Abs. 7 Satz 5 SGB V
Vertragsdatum: 14.12.2017
Fassung vom: 20.03.2020
Inkrafttreten: 01.04.2020
Vereinbarung zur Finanzierung der Telematikinfrastruktur (nach 11. Änderungsvereinbarung) (PDF, 144 KB)

Anlage 4a - Vereinbarung zum Inhalt und zur Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte

Vertragsdatum: 22.04.2008
Fassung vom: 03.09.2020
Inkrafttreten: 01.10.2020
Anlage 4a - Vereinbarung zum Inhalt und zur Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte (PDF, 85 KB)

Anwendung der eGK - Technische Anlage zu Anlage 4a

Anwendung der eGK - Technische Anlage zu Anlage 4a
Vertragsdatum: 27.05.2014
Inkrafttreten: 30.03.2020
Anwendung der eGK - Technische Anlage zu Anlage 4a (PDF, 346 KB)

Begriffserklärungen

eHBA - Elektronischer Heilberufsausweis

Der elektronische Heilberufsausweis ist eine Chipkarte für Ärzte, Psychotherapeuten, Apotheker und künftig auch Angehörige anderer Gesundheitsberufe. Er weist den Träger zweifelsfrei als Angehörigen der jeweiligen Berufsgruppe aus.

Der elektronische Heilberufsausweis wird benötigt für die Identifizierung des Inhabers im elektronischen Netz. Mit ihm kann auch eine rechtssichere elektronische Unterschrift erstellt werden: die qualifizierte elektronische Signatur (QES).

Der elektronische Heilberufsausweis für Ärzte wird über die Landesärztekammern ausgegeben, für Psychotherapeuten ist die Landespsychotherapeutenkammer zuständig. Dort erhalten Interessenten auch alle weiteren Informationen, zum Beispiel zur Antragstellung und zu den Kosten.

gSMC-K - Gerätespezifische Security Module Smartcard, Typ Konnektor

Die gSMC-K ist die den Konnektor innerhalb der Telematikinfrastruktur eindeutig identifizierende fest verbaute Gerätekarte.

gSMC-KT - Gerätespezifische Secure Module Card vom Typ Kartenterminal

Die gSMC-KT ist die das eHealth-Kartenterminal identifizierende versiegelte Gerätekarte und stellt eine dauerhafte Verbindung des Kartenterminals mit dem Konnektor sicher.

HSM-B - Hardware Security Module, Typ B

Der HSM-B ist funktional äquivalent zur SMC-B, kann aber höhere Anforderungen an die Verarbeitungsgeschwindigkeit erfüllen.

KT - Kartenterminal

Zu unterscheiden ist zwischen stationären und mobilen Kartenterminals (MobKT). Onlinefähige stationäre Kartenterminals der Telematikinfrastruktur werden auch eHealth-Kartenterminals genannt. Sogenannte eHealth-BCS-Kartenterminals, teilweise auch BCS-Kartenterminals genannt, sind nicht für die Online-Anbindung an die Telematikinfrastruktur geeignet.

MobKT - Mobiles Kartenterminal

Das mobile Kartenterminal kommt hauptsächlich außerhalb der Vertragsarztpraxis – z.B. bei Hausbesuchen oder Behandlungen in Heimen – zum Einsatz. Es soll dem Leistungserbringer ermöglichen, außerhalb seiner Vertragsarztpraxis die Versichertenstammdaten seiner Patienten zu Abrechnungszwecken von der elektronischen Gesundheitskarte zu erfassen. Mobile Kartenterminal arbeiten ausschließlich im Offline-Betrieb und sind daher nicht mit der Telematikinfrastruktur verbunden.

QES - Qualifizierte elektronische Signatur

QES ist eine rechtssichere elektronische Unterschrift, die für einige medizinische Anwendungen zwingend erforderlich ist.

SMC-B - Secure Module Card, Typ B (Praxisausweis)

Die SMC-B ist ein Schlüsselspeicher für die privaten Schlüssel, die eine Einheit oder Organisation des Gesundheitswesens (z.B. Praxis, Apotheke, Krankenhaus) ausweisen.

Diese Schlüssel dienen als Ausweis gegenüber der eGK und gegenüber anderen Komponenten der Telematikinfrastruktur.